1. Lokales
  2. Eschweiler

Eschweiler: Meulenbergh: „Kreistag ist zu alt”

Eschweiler : Meulenbergh: „Kreistag ist zu alt”

Hat die Politik versagt, oder warum bekommen radikale Parteien wieder Zulauf? Warum ist das Interesse an der Politik gerade bei Jugendlichen so gering? Wie werden im Kreis Aachen die Interessen der Jugendlichen vertreten? Durchaus kritische Fragen stellen die Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Städtischen Gymnasiums Landrat Carl Meulenbergh, als der jetzt die Schule besucht.

Anlass ist die Einladung des Landrats an die Schüler von zwei Sozialwissenschaftskursen dieser Jahrgangsstufe, an der nächsten Kreistagssitzung am 6. Juni als Zuhörer teilzunehmen.

Nachdem der Landrat den Schülern einen kurzen Abriss seines politischen Werdegangs gegeben hat, geht es auch gleich in „medias res”. Die Jugendlichen sollen Fragen stellen, damit eine politische Diskussion entsteht. Traut sich jemand, das Eis zu brechen? Kein Problem. Ohne zu zögern schnellen die ersten Finger in die Luft. Die Gymnasiasten zeigen keine Scheu, ihrem Gast auf den Zahn zu fühlen.

„Was denken sie über das Thema Fraktionszwang”, wird zunächst ein aktuelles Unterrichtsthema angeschnitten. „In keiner Gesellschaft geht es, dass einer macht was er will. Außerdem funktioniert Politik nur, wenn stabile Mehrheiten vorhanden sind”, macht Carl Meulenbergh deutlich, dass er bei Sachthemen ein Anhänger der „Fraktionsdisziplin” ist. Anders sieht es bei ethischen Fragen aus: „Da muss jeder Politiker ohne Wenn und Aber nach seinem Gewissen entscheiden dürfen”, so der Landrat.

Nachdenklich wird der Kreisverwaltungschef, als er gefragt wird, wie es sein könne, dass mit den Republikanern auch Vertreter des äußersten rechten Randes im Kreistag sitzen. „Wahlergebnisse muss ich als Landrat akzeptieren. Diese Parteien erhalten Stimmen, weil Menschen, die Protest um jeden Preis wollen, auch zur Wahl gehen. Deshalb ist es unsere Aufgabe, die Bürger aufzuwecken und ihnen klar zu machen, dass das Recht zu wählen eigentlich eine Pflicht sein sollte”, sieht er einen Grund in der nachlassenden Wahlbeteiligung.

„Ein Stück Versagen”

„Erstarken die politischen Ränder, hat die Mehrheit Dinge beschlossen, in denen sich die Minderheiten nicht mehr wiederfinden. Dies ist auch ein Stück Versagen der demokratischen Parteien”, räumt der Kreistagsvorsitzende aber auch selbstkritisch ein.

Der Feststellung der Schüler, dass bei Jugendlichen wenig Interesse an der Politik zu bemerken sei, stimmt Carl Meulenbergh bedauernd zu. „Politisches Arbeiten bedeutet fast immer langfristiges Engagement. Dazu sind heute immer weniger Menschen bereit”, stellt er fest. „Wir müssen sehen, dass wir Menschen punktuell einbeziehen und auch akzeptieren, wenn sich Bürger nur über einen begrenzten Zeitraum, zum Beispiel zwei Legislaturperioden, einbringen wollen”, macht der Landrat deutlich. „Auch mir ist der Kreistag zu alt. So bräuchten wir wesentlich mehr junge Mütter und Väter, die von den Themen, die momentan im Fokus stehen, direkt betroffen sind.”

Die Schüler haken nach und möchten wissen, ob die Politik nicht in der Lage sei, die Bürger zum Mitmachen zu motivieren. „Die Politik kann immer nur so gut sein wie die Personen, die politisch tätig sind. Allerdings leistet sie mehr, als viele wahrhaben wollen. Wir müssen versuchen, dies auch nach außen hin darzustellen”, bricht Carl Meulenbergh eine Lanze für seinen Berufsstand. Und stellt abschließend fest: „Es wäre schön, wenn allgemein mehr Engagement für bestimmte Dinge vorhanden wäre, nicht immer nur gegen etwas.”