Meinung: Rudi Bertram tritt nicht mehr als Eschweiler Bügermeister an

Kommentar zu Rudi Bertram : Die richtige Entscheidung

Rudi Bertram tritt nicht mehr an. Für die meisten Menschen in dieser Stadt ist das keine gute Nachricht. Sie empfinden große Sympathie für ihren Rudi, weil er auch nach 20 Jahren als Bürgermeister nicht abgehoben ist, ein offenes Ohr selbst für das banalste Problem hat und die Sympathien seiner Eschweiler erwidert.

So viel Nähe hat aber auch ihren Tribut gefordert. In den vergangenen Monaten wirkte Bertram erschöpft, auf Kritik reagierte er ungewohnt dünnhäutig. Die Geduld, Dinge wieder und wieder zu erklären, war deutlich geringer ausgeprägt. Daraus zieht er Konsequenzen.

Seine größte Leistung ist vielleicht, sich bei aller Nähe zu den Menschen nicht völlig von ihnen vereinnahmen zu lassen. In einer Stadt, die in der Endlosschleife des Strukturwandels steckt mit all ihren sozialen und wirtschaftlichen Problemen, blieb er Realist und Pragmatiker, mit der Fähigkeit kompromissfähige Lösungen zu finden.

Dass er 2020 noch einmal gewählt worden wäre, daran hätte kaum jemand gezweifelt. Trotzdem ist es richtig, dass Bertram jetzt einen Schlussstrich zieht. Denn alles, was er an Ideen, Persönlichkeit und Hingabe in dieses Amt und diese Stadt stecken konnte, hat er in den vergangenen 20 Jahren abgeliefert. Er ist im September 2020 mit seiner Arbeit fertig. Dann müssen andere folgen.

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