Aktionstag in der Willi-Fährmann-Schule: Mehr Bewegung für mehr Köpfchen

Aktionstag in der Willi-Fährmann-Schule : Mehr Bewegung für mehr Köpfchen

Kinder haben naturgemäß meistens eine Menge Energie. Mitunter bewegen sie sich schneller, als die Erwachsenen gucken können, und meistens bewegen sie sich gern. Und: Kinder, die sehr aktiv sind, können sich auch besser konzentrieren. Zahlreiche Studien belegen das.

Kristin Schneider weiß das, sie arbeitet jeden Tag mit Kindern. Theorie und Praxis passen in ihrem Fall also zusammen. Sie ist Lehrerin, und zwar an der Willi-Fährmann-Schule und sagt, bei der richtigen Mischung mit körperlicher Aktivität könnten sich die Kinder besser auf kognitive Spiele einlassen. Und sie sagt auch: „Gerade bei einer Förderschule haben die Kinder einen sehr hohen Bewegungsdrang.“

Während sie das sagt, spricht die Praxis um sie herum für sich. Es ist sehr warm, und trotzdem rennen vier Schulklassen in der Turnhalle in der Jahnstraße umher. Sechs Stationen sind dort an diesem Mittag aufgebaut, es sind Übungen für Kopf und Körper gleichermaßen. Es ist der „fit4future“-Aktionstag, eine Präventionsmaßnahme, an der die Willi-Fährmann-Schule seit einem Jahr teilnimmt. Dazu gehört, dass Übungen, Spiele und Bewegungs-Pausen im Schulalltag integriert werden. Und eben auch der Aktionstag in der Jahnhalle.

Das Projekt ist eine Initiative der Cleven-Stiftung und wird von der DAK-Gesundheit getragen. Es richtet sich vorwiegend an Kinder, aber auch an Jugendliche. Wissenschaftlich begleitet wird es von der TU München sowie der Universität Basel. Rund 2000 Schulen nehmen bundesweit bereits teil, sagt Dirk Vollmer vom „fit4future“-Projekt. Er erklärt auch die verschiedenen Module, die dazugehören: Bewegung, Ernährung und Brainfitness. Von allem gibt es etwas in der Turnhalle.

Am schwierigsten abzubilden sei das Thema Ernährung. „Das ist schon länger ein Thema und da ist schon einiges passiert in den Schulen“, sagt er. Beim Aktionstag gibt es zum Beispiel eine Zuckerstation: Die Kinder kriegen verschiedene süße Produkte gezeigt und sollen schätzen, wie viele Stückchen Würfelzucker darin sind. Und: Was hat eigentlich mehr Zucker – der große Schokoriegel oder eine Portion Nuss-Nougat-Creme?

Bei der Station nebenan kommt es beim Sackhüpfen eher auf körperliche Aktivität an. Die Lehrer sagen: Die Mischung macht’s. Foto: Marie Eckert

Manche wissen es schlicht nicht. Das kann ganz verschiedene Gründe haben, aber es ginge eben darum, ein Bewusstsein zu schaffen, sagt Vollmer. Im Übrigen auch ein Bewusstsein für sich selbst: „Die psychische Belastung nimmt zu – die Kinder haben oft ein volles Programm und sind länger unterwegs als manche Erwachsene“, sagt Vollmer. Das könne stressbedingte Probleme verursachen, denen das Projekt entgegenzuwirken versuche.

Der Kopf wird beim Pyramidenauf- und abbauen trainiert. Immer zwei der Kinder hantieren mit sechs blauen Bechern – links, rechts, immer abwechselnd. Gleich daneben rennen die Klassenkameraden so schnell sie können, um dann genau an der Linie abzustoppen und mit Schwung einen Ball auf ein paar gestapelte Dosen zu werfen. Noch weiter nebenan der Klassiker: Sackhüpfen. Ganz offensichtlich scheint der Umstand, dass es sehr warm ist, der Freude keinerlei Abbruch zu tun. Bei einer Mischung aus Memory und Mathe ist bei der letzten Station noch mal ein bisschen Köpfchen gefragt. Und das funktioniert: „Die Kinder merken gar nicht, dass das Mathe ist“, sagt Vollmer und lacht.

Positive Bilanz

Kristin Schneider ist eine der „Lehrercoaches“, sozusagen die Schnittstelle zwischen Projekt und Schule. Sie zieht für sich, jetzt nach einem Jahr, eine positive Bilanz, sagt sie. Durch das Projekt bekommt die Schule verschiedene Spieletonnen zur Verfügung gestellt, mit Frisbees und Spielzeugen, die die Konzentration trainieren sollen. Solche Übungen und Spiele seien in dem Jahr nun im Unterricht und in Bewegungspausen verankert worden. „Ich finde, die Kinder bewegen sich mehr“, sagt Schneider. Aber sie sagt auch: Da geht noch mehr. Der Schulhof sei suboptimal, ein Klettergerüst fehle etwa.

Tatsächlich sei das langfristige Ziel der Aktion die Verankerung im Schulalltag, sagt Vollmer. „Am besten als eigenes Schulfach, so wie Mathe oder Deutsch.“ Drei Jahre dauert das Schulprojekt insgesamt, zwei Jahre hat die Willi-Fährmann-Schule in Eschweiler also noch übrig.

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