Eschweiler: Medizinforum beschäftigt sich mit dem Thema Osteoporose

Eschweiler: Medizinforum beschäftigt sich mit dem Thema Osteoporose

Es ist ein grundsätzlich natürlicher biologischer Vorgang: Etwa ab dem 40. Lebensjahr nimmt die Knochendichte bei jedem Menschen ab. Übersteigt der Abbau des Knochengewebes jedoch den Neuaufbau innerhalb des (natürlichen) Knochenumbaus, muss von „Knochenschwund“, also Osteoporose gesprochen werden.

Von diesem Krankheitsbild, dessen häufigste und gefährlichste Folge schwerwiegende Frakturen sind, ist in Deutschland jede dritte Frau nach den Wechseljahren betroffen. Ab dem 75. Lebensjahr muss die Diagnose bei jeder zweiten Frau gestellt werden. Nicht umsonst listen die Verantwortlichen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Osteoporose als eine der zehn folgenschwersten Erkrankungen auf. Zumal auch Männer alles andere als selten von Osteoporose betroffen sind.

„Eine Tatsache, die lange Zeit vernachlässigt wurde“, bemerkte Dr. Eberhardt Schneider im Kulturzentrum Talbahnhof. Der Chefarzt und Ärztliche Leiter des Euregio-Rehazentrums am St.-Antonius-Hospital moderierte in gewohnt lockerer, aber fachlich fundierter Art und Weise das von dieser Zeitung in Kooperation mit dem Eschweiler Krankenhaus präsentierte 51. Medizinforum, das unter der Überschrift „Osteoporose — was tun?“ stand.

Als Experten referierten Oberarzt Dr. Markus Schlächter, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, die in Eschweiler niedergelassene Orthopädin Dr. Marlies Plum-Schunk, Dr. Ture Wahner und Dr. Oliver Heiber, Chefärzte der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie, sowie Janina Wolters, Physiotherapeutin am Euregio-Rehazentrum.

„Bei der Osteoporose handelt es sich um eine systemische Skeletterkrankung, die alle Knochen und den ganzen Knochen betreffen kann“, stellte Dr. Markus Schlächter zunächst die Grundlagen vor. Sowohl die Masse als auch die Qualität des Knochens lasse nach, was zu einer Häufung von Brüchen führe. Oft von Frakturen betroffen seien Wirbelsäule, Hüfte, die Hand- und Schultergelenke sowie der Beckenbereich. Als häufigste Ursachen seien Stürze, aber auch durch Last auftretender Druck zu verzeichnen. „Die Knochenzellen beziehungsweise das Knochengewebe unterliegt bei allen Menschen einem ständigen Auf- und Abbau. Beim gesunden Menschen befinden sich Auf- und Abbau im Gleichgewicht, bei an Osteoporose erkrankten Menschen liegt eine Verschiebung in Richtung verstärkter Abbau vor“, so der Oberarzt.

Und was führt zu einem verstärkten Gewebeabbau? „Neben dem Alter, der Knochenabbau ist ein physiologischer, hormonell bedingter Prozess, tragen Vitamin D- und Kalziummangel zur Entstehung von Osteoporose bei“, betonte der Referent, der als Warnzeichen Skelett- und Knochenschmerz, Gestaltveränderung, den sogenannten Rundrücken sowie Größenabnahme und als Risikofaktoren Vorerkrankungen, Medikamente und nicht zuletzt Alkohol, Nikotin und Koffein aufzählte.

„Rauchen verdoppelt das Risiko, an Osteoporose zu erkranken“, ergänzte Dr. Eberhardt Schneider. Bei der Diagnose stehe nach der Anamnese und der Suche nach Risikofaktoren vor allem das Röntgen sowie die Ermittlung der Knochendichte auf der Agenda. „Die Knochendichtemessung erfolgt in der Regel nach dem „Dexa-Verfahren“, bei dem der Körper mit zwei energetisch unterschiedlichen Röntgenquellen durchleuchtet wird“, ließ Dr. Markus Schlächter wissen.

Nicht unproblematisch

Während sich die Ultraschall-Untersuchung bei der Diagnose von Osteoporose nicht etabliert habe, stelle die Computertomographie eine weitere Möglichkeit dar. „Sie bietet genaue Erkenntnisse, ist aber auf Grund ihrer Strahlenbelastung nicht unproblematisch.“ Generell sei das Zusammenspiel von Arzt und Patient bei der Bekämpfung der Osteoporose von großer Bedeutung. „Letzterer sollte sich informieren und durch sinnvolle Ernährung sowie ausreichende Bewegung vorbeugen. Die Aufgabe des Ersteren lautet, durch frühzeitige Behandlung Knochenbrüche und Immobilität zu vermeiden“, schloss der Facharzt seinen Vortrag.

Dr. Marlies Plum-Schunk unterstrich, dass die generell relativ geringe Knochendichte des Menschen erst für dessen Beweglichkeit sorge. Der Preis dafür sei die Anfälligkeit für Knochenbrüche. „Festzuhalten ist, dass die für den Aufbau verantwortlichen Osteoblasten drei Monate benötigen, um wiederherzustellen, was die Osteoklasten innerhalb von zwei Wochen abgebaut haben“, so die Orthopädin. Schon während des ganz normalen Gehens seien Kleinstfrakturen der Knochen keine Seltenheit. Hinzu komme, dass Menschen immer älter würden. „Eine Frau, die heute 60 Jahre alt ist, hat eine realistische Chance, ihren 100. Geburtstag zu erleben.“ Deshalb nehme die Bedeutung des Zusammenwirkens von Bewegung, Ernährung und Medikamenten kontinuierlich zu.

Von größter Bedeutung sei die tägliche Aufnahme von 1000 Milligramm Kalzium sowie 1000 Einheiten Vitamin D. „Dabei lautet die Empfehlung, Kalzium dem Körper nicht durch Tabletten, sondern durch Ernährung zuzuführen. Dies ist durch Milchprodukte, grünes Gemüse, Hartkäse, Walnüsse oder durch das Trinken bestimmter Mineralwassersorten möglich“, erklärte die Medizinerin. In Sachen Vitamin D lebten die Bewohner unserer Breitengrade in einer Mangelregion, da nicht zuletzt die Sonne helfe, Kalzium in die Knochen aufzunehmen. Abhilfe schaffen könnten Tabletten, die zu den Mahlzeiten (mittags und abends) eingenommen werden sollten, da Vitamin D fettlöslich sei. Generell gebe es darüber hinaus eine ganze Reihe von Medikamenten, die nach der Diagnose Osteoporose das Risiko von Frakturen, vor allem im Bereich der Wirbelsäule, signifikant verringerten.

Die beiden Chirurgen Dr. Ture Wahner und Dr. Oliver Heiber widmeten sich anschließend unterschiedlichen Operationsmethoden nach Frakturen. Dr. Ture Wahner ging dabei zunächst auf die weitverbreitete Angst von Patienten ein, Brüche an der Wirbelsäule zögen grundsätzlich Querschnittslähmungen nach sich. „Bei normalen Stürzen ist fast ausschließlich der Wirbelkörper betroffen und nur in absoluten Ausnahmefällen der Wirbelbogen.“ Während der Diagnose müsse zunächst festgestellt werden, ob überhaupt ein Bruch vorläge, dieser alt oder neu sei oder ob sogar mehrere Frakturen zu behandeln seien.

„Ist nach zwei Wochen die konservative Behandlung mit Schmerztherapie und anschließender Mobilisierung nicht durch Erfolg gekrönt, sollte operiert werden“, erklärte der Chefarzt. Die Kyphoplastie als unter Narkose angewandtes minimalinvasives Verfahren, bei dem lediglich ein oder zwei kleine Schnitte notwendig seien, verspreche bei sehr überschaubarem Risiko eine bereits unmittelbar nach der Oparation spürbare deutliche Schmerzreduktion. Dr. Oliver Heiber machte deutlich, dass selbst mit einer Hüftprothese eine schnelle Mobilisierung angestrebt werde. „Wundschmerz ist nach der OP natürlich vorhanden. Ansonsten ist der Knochen aber komplett ausgetauscht und somit schmerzfrei.“

Vor der Fraktur der Sturz

Vor der Fraktur stehe aber häufig der Sturz. Sei es über die Teppichkante oder beim Fahrradfahren im Winter. „Vielen Menschen fällt es schwer, ihr Alter zu akzeptieren. Das ist natürlich verständlich. Doch manchmal ist es vielleicht vernünftiger, im Alter bestimmte Gewohnheiten abzulegen“, appellierte der Chirurg an seine Zuhörer, um abschließend auch auf sogenannte Insuffizienzfrakturen hinzuweisen.

„Es gibt ältere Menschen, die Frakturen ohne Sturz erleiden. Wer dauerhaft Schmerzen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule verspürt, sollte diese untersuchen lassen“, so der Ratschlag. Darüber hinaus könnten unerklärliche Schmerzen im Oberschenkel auf a-typische Brüche bei auf bestimmte Medikamente eingestellten Langzeitpatienten hinweisen.

Unter dem Motto „Jede Art von Bewegung ist besser als keine Bewegung“ stellte Physiotherapeutin Janina Wolters gemeinsam mit Dr. Eberhardt Schneider, der ganz nebenbei aktiv auf das alte Hausmittel Lebertran verwies, Übungen vor, die der Osteoporose-Prophylaxe dienen. Jungen Menschen riet der Ärztliche Leiter des Euregio-Rehazentrums, sich durch Bewegung und vernünftige Ernährung („Cola ist ein extremer Kalzium-Räuber“) ein „Knochenkonto“ aufzubauen, von dem sie im höheren Alter dann profitieren könnten. „Wir haben die Prophylaxe in eigener Hand“, so Dr. Eberhardt Schneider.

(ran)