Eschweiler: Medaillen und Stolz, aber auch Schattenseiten

Eschweiler: Medaillen und Stolz, aber auch Schattenseiten

Ab Freitag blickt so ziemlich die ganze Welt nach Sotschi, auf die 340.000-Einwohner-Stadt am Schwarzen Meer. Die Olympischen Winterspiele werden am Freitag im Süden Russlands eröffnet. Bis zum 23. Februar geht es um Medaillen und Ruhm. Der Gastgeber will sich von seiner besten Seite zeigen. Es wurde investiert wie selten zuvor, aber es gibt auch immer wieder Kritik: Schwarzarbeit, Korruption, Missachtung der Menschenrechte und mehr.

Wir haben vier Wahl-Eschweilerinnen getroffen, die ihre Wurzeln in Russland haben und uns mit ihnen unterhalten: Olga Busse-Gorbatschowa (43 Jahre alt), Svetlana Morschel (52), Yelena Deider (39) und Irina Götz (47).

Heute werden die Olympischen Winterspiele offiziell eröffnet: Vor allem die Sieger auf der Sonnenseite stehen dann im Mittelpunkt. Viele Menschen denken aber auch an die Schattenseiten. Foto: Imago

Eines haben alle gemeinsam: Sie kommen zwar nicht aus Sotschi, waren dort aber schon mal im Urlaub. Sotschi ist bekannt als Kurort. Das Klima ist dort wärmer, als in Russland sonst oft üblich. „Sotschi ist das Nizza von Russland. Es liegt auf dem gleichen Breitengrad“, sagt Irina Götz und lacht. Sie freut sich vor allem auf die Eröffnungs- und die Schlussfeier. Diese emotionalen Momente seien unvergesslich. Die Olympischen Spiele 1980 in Moskau, die sie im Fernsehen verfolgt hat, hat sie dabei noch gut in Erinnerung.

Das geht auch Svetlana Morschel so. Auch sie hat die Olympischen Spiele 1980 noch in guter Erinnerung. Auch, weil sie nah dran war. Einige Wettkämpfe fanden damals in St. Petersburg statt. Damals studierte sie dort. Svetlana Morschel war lange in Russland, ihre Muttersprache ist Russisch und sie bezeichnet St. Petersburg als „die beste Stadt der Welt.“ Geboren ist sie jedoch in Weißrussland. Wer sie nach ihrer Heimat fragt, bekommt drei Antworten: Russland, Deutschland, Weißrussland. Seit 2007 lebt sie in Eschweiler. Die deutsche Sprache sei sehr schön, erzählt sie.

Zurück zu Olympia: Für das Land sei das sportliche Großereignis ein Gewinn, finden die Frauen.

Das Quartett schlägt aber auch kritische Töne an — die eine Frau mehr, die andere weniger. Olga Busse, gebürtige Ukrainerin, die seit 1996 in Deutschland lebt, sagt: „Ich bin nicht so begeistert. Ich finde es beispielsweise nicht gut, dass viel von der Natur zerstört wurde.“ Außerdem werde dort zu viel geprotzt. „Ich freue mich, dass die Spiele dort sind“, sagt sie dennoch. Allerdings dürfe man die Themen wie Macht, Korruption und Geld nicht vergessen.

Gemischte Gefühle

Svetlana Morschel steht hinter diesen Spielen. Allerdings räumt auch sie ein paar gemischte Gefühle ein. Es gebe in Russland viele reiche Menschen — aber ebenso viele arme. Die 52-Jährige macht sich ein Bild von der Situation, indem sie das deutsche und russische Fernsehen vergleicht. „Es wird ganz unterschiedlich dargestellt. In Deutschland werden nur die Mängel gesehen, in Russland nur die schönen Seiten. Ich halte beides für übertrieben“, sagt sie und sieht ihren eigenen Standpunkt irgendwo in der Mitte.

Auch Yelena Deider sieht positive und negative Aspekte. Es sei grundsätzlich jedoch gut, dass die Olympischen Spiele in Sotschi seien.

Ein Gedanke treibt alle vier Frauen um: Natürlich könne man zumindest einen Teil des Geldes, das in Sotschi investiert wurde, auch in andere Dinge investieren: etwa in Bildung, die Gesundheit und die Kultur. Die Entwicklung von Sotschi sei jedoch auf jeden Fall positiv. So seien viele Russen positiv gestimmt, da sie die Möglichkeiten der Entwicklung sähen, die ein solches Großereignis biete. Zudem komme viel von dem Geld von Oligarchen und nicht direkt vom Staat. Und man dürfe nicht vergessen, dass beispielsweise einige Menschen neue Häuser bekommen hätten, sagt Irina Götz. Sie sieht die Olympischen Spiele von den vier Frauen am positivsten.

„Ich bin stolz darauf, dass die Olympischen Spiele in Russland sind. Es ist wichtig, dass Russland sich so in der Welt präsentiert. Es gibt so viele tolle Sportler in Russland.“ Die Musikerin, die auch an der VHS lehrt, sagt: „Ich identifiziere mich immer noch mit den Russen.“ Zudem preist sie die russische Seele an und schwärmt von der Gastfreundschaft der Menschen. Sie vergisst aber auch die Sorgen vieler Menschen nicht. „Die Menschen in der Ukraine haben Angst, dass Russland eine Woche nach dem Ende der Spiele in Kiew einmarschiert.“

Auch das Thema Olympia 2022 in München kommt zur Sprache. Bei einem Volksentscheid hatten sich die Bürger gegen die Spiele entschieden. Undenkbar in Russland, dem Land, in dem in vier Jahren mit der Fußball-WM das nächste Großereignis stattfindet.

Ob (sehr) kritisch oder nicht — alle vier Frauen werden in den kommenden zwei Wochen den Fernseher einschalten. Neben der Eröffnungs- und der Schlussfeier begeistern sie sich am meisten für Eiskunstlaufen. Bei den Frauen werden Kindheitserinnerungen wach, war Schlittschuhlaufen doch früher für sie normal. Experten glauben, dass die Goldmedaille im Eiskunstlaufen zwischen Deutschland und dem Gastgeber ausgemacht wird. Egal wie der Wettkampf ausgeht, ein bisschen Grund zur Freude werden somit alle haben.