Eschweiler: „Mauer des Schweigens“ beim Prostatakarzinom

Eschweiler: „Mauer des Schweigens“ beim Prostatakarzinom

Laut Statistik erkrankt jeder vierte Mann ab 70 Jahre am Prostatakarzinom. 60.000 Neuerkrankungen werden jährlich registriert, wobei die Dunkelziffer wesentlich höher liegen dürfte. Und doch ist der Prostatakrebs nach wie vor viel zu sehr ein Tabuthema.

Die „Mauer des Schweigens“ zum Einsturz oder zumindest zum Bröckeln zu bringen, haben sich die Verantwortlichen der Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe (PSG) Eschweiler um Bernhard Reimer und Robert Tillmann bei der Gründung im Jahr 2011 zum Ziel gesetzt.

„Doch nach wie vor ist kaum ein Mann bereit, seine Beschwerden nach außen darzustellen und über die Folgen einer Erkrankung zu sprechen. So ist es weiterhin äußerst schwierig, Männer dazu zu bewegen, Vorsorge zu betreiben“, berichtet Bernhard Reimer von seinen Erfahrungen. Doch nach wie vor brennt es ihm und seinem Mitstreiter Robert Tillmann auf der Seele, das Thema weiter in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. So richtet die PSG Eschweiler am Freitag, 20. Mai, zwischen 14 Uhr und 17 Uhr den „4. Thementag Prostatakrebs“ in der Aula der Realschule Patternhof aus.

Rund 70 Personen konnten die Verantwortlichen der Selbsthilfegruppe in den zurückliegenden fünf Jahren insgesamt begrüßen. Zwischen 15 und 20 Teilnehmer sind in der Regel vor Ort, wenn sich die PSG´ler an jedem letzten Dienstag eines jeden Monats zwischen 16 Uhr und 18 Uhr im Seminarraum 4 des Elisabethheims im St.-Antonius-Hospital treffen.

„Wobei das Thema, das im Mittelpunkt des Treffens stehen soll, immer eine entscheidende Rolle in Sachen Teilnehmerzahl spielt. Präsentieren wir einen Referenten, können wir mehr Betroffene begrüßen, als wenn es heißt, über Inkontinenz als Folge der Erkrankung zu sprechen“, berichtet Bernhard Reimer, der in erster Linie darüber aufklären möchte, dass es eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt, das Prostatakarzinom zu bekämpfen, wenn es denn frühzeitig entdeckt wird.

„Je früher die Diagnose gestellt werden kann, desto größer ist auch die Heilungschance, egal welche Therapieform angewandt wird“, bringt es Dr. Uwe Maurer, Leiter der Strahlentherapie am St.-Antonius-Hospital und Referent während des Thementages, auf den Punkt. Wobei das Tückische am Prostatakarzinom sei, dass der Betroffene zunächst keine Beschwerden habe und so den Tumor in seiner Frühphase kaum bis gar nicht bemerke.

Problematisch sei darüber hinaus, dass die Bestimmung des PSA-Wertes (Prostataspezifisches Antigen) als Hinweis auf ein Prostatakarzinom medizinisch umstritten sei. Tatsache sei jedoch eindeutig, dass Vorsorge eine enorme Bedeutung habe. „Es gibt sicherlich Krebsarten, die wesentlich aggressiver sind als das Prostata-Karzinom, bei dessen gutartigeren Varianten der Patient durchaus ein hohes Alter erreichen kann“, erläutert Dr. Uwe Maurer.

Nicht zu unterschätzen sei auch die psychische Belastung, die eine Prostatakrebs-Diagnose mit sich bringe, schließlich können die Folgen einer Erkrankung auch Inkontinenz und Impotenz lauten: „Ich habe als Rettungsassistent tausende Fahrten hinter mich gebracht und war dabei auch mit dem Thema Tod konfrontiert. Als ich aber im Alter von 56 Jahren die Nachricht erhielt, an Prostatakrebs erkrankt zu sein, habe ich zunächst Tage auf der Couch verbracht, in denen ich mit niemandem reden konnte“, erinnert sich Robert Tillmann an „seine“ Diagnose. Und genau an diesem Punkt könne eine Mitgliedschaft in einer Selbsthilfegruppe viel positives bewirken, ist Dr. Uwe Maurer überzeugt: „Sie gibt den Betroffenen die Gelegenheit, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die Erfahrung mit der Krankheit haben, aber über einen anderen Blickwinkel verfügen als wir Mediziner.“

Information und Aufklärung sei angesichts der Tatsache, dass lediglich 20 Prozent der Männer über 45 Jahre zur Vorsorge gehen, bitter notwendig. Dies wissen natürlich nicht zuletzt Bernhard Reimer und Robert Tillmann. „Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, den Männern Wissen zu vermitteln und so auch die Angst vor der Diagnose zu reduzieren. Wird das Prostata-Karzinom in einem frühen Stadium entdeckt, ist die notwendige Zeit vorhanden, gemeinsam mit den Ärzten zu überlegen, welche Therapieform die vielversprechendste ist. Lässt man jedoch Zeit verstreichen, kann dies schwerwiegendste Folgen haben“, betont Bernhard Reimer. Information ist also alles. Sie wird beim „4. Thementag Prostatakrebs“ in der Aula der Schule Patternhof umfassend geliefert.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Weitere Informationen gibt es bei Bernhard Reimer unter der Telefonnummer 0171/3303378 sowie bei Robert Tillmann unter der Telefonnummer 0157/89578178.

(ran)