Eschweiler: Manchmal reichen 72 Stunden nicht aus

Eschweiler: Manchmal reichen 72 Stunden nicht aus

Gut vier Monate ist es nun her, dass sich bundesweit 175.000 Menschen in 4000 Aktionsgruppen engagiert haben. 72 Stunden Zeit hatten sie sich genommen, um etwas Gutes zu tun. Vieles wurde bei der Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) bewegt. Aber was ist jetzt, einige Monate später, davon geblieben? War der Einsatz der jungen Menschen in Eschweiler nachhaltig?

Den Minigolfplatz am Blausteinsee, ungepflegte Kindergräber auf dem Friedhof an der Dürener Straße und ein Hügel samt Rutsche, Treppe und Kletterrampe auf dem Gelände des Kindergartens St. Blasius in Kinzweiler hatten sich die Helfer von der Liebfrauenschule und den St.-Blasius-Schützen aus Kinzweiler vorgenommen. Außerdem wollte man die Tafel unterstützen, Menschen zu Hause bei der Gartenarbeit helfen und auf einer Streuobstwiese in Dürwiß Nistmöglichkeiten für Insekten und Vögel schaffen.

Auf der Streuobstwiese am Blausteinsee hängen die angebohrten Holzstücke, die fünf Schüler von der Liebfrauenschule mit Herbert Theißen von der Biologischen Station der Städteregion aufgehängt haben. „Obwohl es hier sehr viele Blüten gibt, gab es bisher nicht viele Insekten“, sagt Theißen. Die Hölzer sollen dafür sorgen, dass die kleinen Nutztiere dort heimisch werden.

Einige der kleinen Löcher, die die Schüler gebohrt haben, sind bereits verstopft. Mauerbienen haben sich eingenistet. Für Theißen verspricht die Aktion auch nachhaltigen Erfolg. „Wir möchten, dass sich der Insektenbestand in den nächsten zwei, drei Jahren entwickelt.“

Dabei sollen die aufgehängten Holzklötze helfen. Nötig sind sie, weil die Bäume auf der blühenden Wiese noch ziemlich jung sind. „Wenn die Bäume größer werden, steigt auch der Totholzanteil. Dann finden die Bienen ihre Höhlen von ganz alleine“, sagt Theißen.

Frischer Anstrich für 18 Bahnen

Nur einen Katzensprung von der Streuobstwiese entfernt liegt der Minigolfplatz. Noch in diesem Frühjahr waren die Bahnen in schlechtem Zustand, man konnte die Anlage damals kaum benutzen, fanden die Schüler. Jetzt sehen die 18 Bahnen nahe des Freibads aus wie neu. Ein frischer Anstrich machte den Unterschied. Pinsel und Farbe stellte die Stadt.

Den Rest machten die 28 Schüler selbst. Marlene Hillemacher, die gute Seele der Anlage, ist dankbar für die Hilfe. „Das war eine tolle Unterstützung. Alleine ist das nicht zu schaffen“, sagt sie. Mittlerweile werde die Anlage häufig genutzt. Auch von Schulen oder Kitas.

Etwas weniger erfolgreich war eine Spendenaktion der Schüler für die Eschweiler Tafel: Eigentlich wollte sie dort übriggebliebene Brötchen abgeben. Aber die Tafel war geschlossen. Schlecht werden sollten die Backwaren dann doch nicht. Die Schüler brachten sie einfach zu einem nahe gelegenen Altenheim. Trotzdem unterstütze man die Tafel fortwährend, sagt Lehrer René Schippers. „Die Schule kam nicht durch die 72-Stunden-Aktion zur Tafel, den Kontakt gibt es schon länger“, sagt er.

Mächtig Arbeit machte sich der Nachwuchs der St.-Blasius-Schützen mit Rutsche, Kletterrampe und dazugehörigem Hügel am Kindergarten St. Blasius. Sie entfernten die alten Pflanzen und sorgten für neue Begrünung. Sie bauten die Geräte neu auf und verteilten weiches Material, damit Stürze nicht so schmerzen. „Wir sind begeistert von der Leistung, die an diesem Wochenende erbracht wurde. Das war ein echter Kraftakt“, sagt Erzieherin Heike Balzer.

Gras über die Gräber gewachsen

Auf auf dem Friedhof an der Dürener Straße legten sich die Schüler von der Liebfrauenschule mächtig ins Zeug. Sie pflegten Kindergräber, um die sich sonst niemand kümmert. In den vergangenen Monaten wuchs dann aber wieder Gras über die Ruhestätten. Die kleinen Gräber sind nun alles andere als gepflegt. Aber einige der Schüler möchten dran bleiben. „Sie stehen schon in Kontakt mit der Verwaltung. Nach Allerheiligen wollen sie die Gräber nochmal pflegen“, sagt Schippers. Diese Initiative kam von den Schülern, „ohne Erinnerung“ der Lehrer.

Dauerhaftes Engagement ist aus der zeitlich klar begrenzten 72-Stunden-Aktion allerdings nicht geworden. Vielleicht ist das auch gerade ein Grund für den Erfolg der Aktion. Einige junge Menschen wollen sich nicht langfristig an eine soziale Einrichtung binden — sich aber trotzdem engagieren. Für regelmäßigen Einsatz fehle oft die Zeit: Feststehende Termine seien schwierig, gerade in der Abiturvorbereitung. Wenn, dann könne man ab und zu am Wochenende etwas tun, meinen die Schüler.

Aber etwas Zeit für ein Projekt, das man schnell abschließen kann, haben sie doch. Die Oberstufenschüler von der Liebfrauenschule arbeiteten einen Schultag und investierten einen Samstag. „Mal einen Tag Freizeit zu opfern, ist nicht so eine große Sache. Das geht schon“, sagt Schülerin Sarah Sievers. Die Bereitschaft etwas Zeit einzubringen, ist also da.

Insgesamt zeigt sich, dass die meisten Aktionen nachhaltig waren. Der Einsatz der meist jungen Helfer hat sich also gelohnt. Aber der neuerlich schlechte Zustand der Kindergräber zeigt, dass es Projekte gibt, bei denen es sich lohnt am Ball zu bleiben und noch ein bisschen mehr Zeit zu investieren. Da reichen 72 Stunden einfach nicht aus.

Zeit ist für die Schüler allerdings ein kostbares Gut. Die Belastung durch Ganztag und G8 ist oft hoch. Was tun? Mehr zeitlich begrenzte projektartige Möglichkeiten zum Engagement bieten? Schüler Alexander Vogts würde sich darüber freuen: „Ich finde es schade, dass es die 72-Stunden-Aktion nur alle zwei Jahre gibt. Man könnte das regelmäßiger machen. Vielleicht auch als Projektwoche der Schule.“