Eschweiler: „Man darf auch mal eine Nacht durchzocken“

Eschweiler : „Man darf auch mal eine Nacht durchzocken“

Die größte Computerspiel-Messe der Welt hat am Dienstag wieder ihre Pforten geöffnet. Tausende Besucher werden bei der Gamescom in Köln erwartet. Doch der Konsum von Computerspielen kann auch Gefahren bergen, wenn er Überhand nimmt.

Im Gespräch mit Laura Laermann erklärt Gabi Fischer, Pressesprecherin der Suchtberatung Eschweiler, wann man von einer Abhängigkeit spricht und wie man sich helfen kann.

Frau Fischer, in Deutschland gelten 270 000 Jugendliche als internetabhängig. Was ist damit gemeint?

Gabi Fischer: Internetabhängigkeit meint die unkontrollierte und exzessive Nutzung von Internet, Computerspielen und Sozialen Medien. Da das Internet immer mehr zum Alltag gehört, nimmt auch die Zahl der Abhängigen in diesem Bereich zu.

Ab wann ist jemand denn abhängig?

Fischer: Wenn man sich in seiner Freizeit nur noch mit einer Sache beschäftigt und alles andere vernachlässigt, ist das ein Zeichen für Abhängigkeit. Für den Betroffenen selbst ist das aber meistens kaum zu erkennen. Daher sollten Freunde, Familienmitglieder oder Kollegen die Person vorsichtig darauf ansprechen. Man nennt es ja auch „den Spiegel vorhalten“. Der Betroffene ist dann möglicherweise überrascht. Aber wenn man irritiert ist, beginnt man auch Dinge im Leben zu verändern.

Wie kann man das denn verändern?

Fischer: Naja, wenn man sich des Problems bewusst ist, kann man sich Strategien zurechtlegen. Es geht darum, seine Freizeit nicht nur einseitig zu gestalten, sondern Verschiedenes zu machen. Für den einen könnte es eine Strategie sein, eine Runde im Wald zu laufen, für den anderen, einen Kuchen zu backen. Professionelle Hilfe dabei bieten Suchtberatungsstellen.

Welchen Stellenwert hat Medienabhängigkeit bei der Suchtberatung der Städteregion?

Fischer: Momentan rückt dieses Thema immer mehr bei uns in den Fokus. Wir beginnen schon in den Grundschulen mit Präventionsarbeit, aktuell läuft das Projekt „Einfach mal offline...“. Wichtig: Es darf auf keinen Fall das Ziel sein, Angst vor dem Internet zu verbreiten. Ganz im Gegenteil. Es geht vielmehr um Medienkompetenz, also um die Fähigkeit, das Internet verantwortungsvoll und richtig zu nutzen.

Das gelingt offenbar nicht jedem. Wie kommt es, dass Menschen sich in so ein Computerspiel hineinziehen lassen?

Fischer: Eine Sucht entsteht immer aus dem Bedürfnis nach einem guten Gefühl. Wenn wir schlecht drauf sind, wollen wir das ändern. Haben wir dann Erfolg in so einem Spiel, macht das erstmal glücklich und wir wollen dieses Gefühl immer wieder erleben. Das ist auch solange kein Problem, wenn wir auch noch andere Freizeitbeschäftigungen haben. Man darf auch mal eine Nacht durchzocken. In Maßen ist alles in Ordnung.

Sind Gamer nicht gefährdet, in die Isolation zu geraten?

Fischer: Viele haben Freunde im Netz, mit denen sie zum Beispiel chatten. Das darf man nicht abwerten. Es ist vielleicht ein anderer Begriff von Freundschaft.

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