Luke Mockridge & Co. im Eschweiler Kulturzentrum Talbahnhof

Neues Programm des Kulturzentrums : Talbahnhof ist Startrampe für manche Comedy-Rakete

Dieter Nuhr ist dort aufgetreten, Hanns Dieter Hüsch auch, Sebastian Pufpaff war dort schon zu Gast, auch die neuen Sterne am Komikerhimmel wie Luke Mockridge und Faisal Kawusi sandten von dort erste Lichtstrahlen.

Scheinbar alle Kabarett- und Comediangrößen spielten irgendwann schon einmal im Kulturzentrum Talbahnhof. Und offenbar kommen sie gerne wieder, denn der neue Spielplan für das erste Halbjahr ist gespickt mit prominenten Namen.

Kulturwirtin Agnes Danz freut sich sehr über die Treue mancher Künstler: „Ich war auf der einen Seite überrascht, aber auch ein bisschen stolz“, sagt sie. Eigentlich reicht die Kapazität von 200 Plätzen für viele Künstler nicht aus. Luke Mockridge ist es inzwischen gewohnt, große Hallen zu füllen. Wer im Fernsehen präsent ist, wird schnell populät. Auch der gewonnene Comedypreis führt dazu, dass er inzwischen problemlos über 1000 Zuschauer anlockt. Dennoch ist er Anfang Februar auch im Kulturzentrum auf der kleinen Bühne mit einer sogenannten Vorpremiere seines neuen Programms „Welcome to Luckyland“ zu erleben.

Dass Künstler gerne auf die private Atmosphäre kleinerer Häuser setzen, um Neues zu probieren, ist nicht ungewöhnlich. Dort holen sie sich für ihre Darbietung den letzten Feinschliff und testen gleichzeitig die ein oder andere Pointe. Selbst die Rolling Stones haben es so gehalten. Eher ungewöhnlich ist es, dass dies im Eschweiler Kulturzentrum so geballt passiert. Dies kann zurecht als Wertschätzung verstanden werden, denn viele der Profis bereichern das Herbstfest des Fördervereins und treten dort kostenlos auch.

Imitieren die Mimik der Künstler auf den Veranstaltungsplakaten: Agnes und Walter Danz sowie Ralf-Christopher Eßer vom Eschweiler Kulturzentrum Talbahnhof. Foto: Patrick Nowicki

Die Vorpremieren sind meist binnen Minuten ausverkauft. Das muss allerdings nicht bedeutet, dass man als Interessierter in der Region in die Röhre gucken muss: Das Kulturwirtepaar Agnes und Walter Danz weicht seit Jahren auch auf andere Veranstaltungsorte aus. Hans-Joachim Heist wird seine aus der „ZDF Heuteshow“ bekannte Figur Gernot Hassknecht in den Aachener Kurparkterrassen schimpfen lassen. Der Meister des kurzen Kalauers, Markus Krebs, wird gleich mehrfach in der Region seine Pointen setzen: bei der Vorpremiere im Kulturzentrum, in der Weisweiler Festhalle und im Aachener Eurogress.

„Diese großen Events ermöglichen es uns, auch Nachwuchskünstlern eine Chance zu geben“, sagt Walter Danz. Wirtschaftlich rechnen sich Auftritte vor 20, 30 Zuschauern nicht. Dabei kommen diese Menschen oft schon früher in den Genuss, einen Künstler zu erleben, der später einmal große Hallen füllen wird. Mehr noch: Viele erinnern sich gerne an den Auftritt und kommen auch Jahre später aus Verbundenheit zum Talbahnhof.

In diesem Jahr gibt es so ein Wiedersehen mit Gaby Köster, die nach überstandener schwerer Krankheit erstmals wieder auf Tour geht. Auch sie spielte in den 90er Jahren vor einem sehr überschaubaren Publikum im Talbahnhof, gewann durch Fernsehauftritte unter anderem in „Sieben Tage, sieben Köpfe“ an Bekanntheit und kehrt am 12. April wieder nach Eschweiler mit dem neuen Programm „Sitcom“ zurück.

Faisal Kawusl kommt mit seinem Programm „Glaub nicht alles, was du denkst". Foto: BRAINPOOL Live Entertainment GmbH / Guido Schröder. Foto: Guido Schröder

Weit über 60 Veranstaltungen stehen bis zum 1. Juli auf dem Spielplan des Talbahnhofs – so viele wie noch nie. Die Palette an Kleinkunst ist bunt. Sie reicht von klassischem Kabarett mit Altmeistern wie Thomas Freitag, Gerd Dudenhöffer, Jürgen Becker und Konrad Beikircher über Wissenschaftscomedy mit Konrad Stöckel, Chansons mit Fee Badenius, eine Magieshow, Jacques Stotzems Gitarrenkünste, Akrobatik mit dem Wallstreet Theater bis hin zur Vorpremiere des Springmaus-Ensembles.

Nicht jeder Name wird sofort Erwartungen wecken. Die Eheleute Danz informieren sich jedoch umfangreich über die Künstler und legen die Messlatte hoch. Seit Jahren beweisen sie ein gutes Näschen für aufgehende Sterne am Comedy-Himmel. Über Jahre hinweg ist auch die Verbindung zu den Künstleragenturen gewachsen. Dies alles führt dazu, dass Eschweiler in der Kleinkunstszene einen guten Ruf genießt.

Sebastian Pufpaff tritt in Aachen auf. Foto: Manuel Berninger

Bei der Planung und Organisation der Veranstaltungen hat sich das Wirtepaar Unterstützung mit ins Boot geholt. Ralf-Christopher Eßer unterstützt das Talbahnhof-Team seit einiger Zeit. „Da wir auch die Gastronomie stemmen müssen, wurde es alles etwas viel“, gesteht Agnes Danz. Die zahlreichen unterschiedlichen Spielorte führen ebenfalls dazu, dass der Aufwand gestiegen ist. Nicht zu unterschätzen ist ebenfalls die Künstlerbetreuung, denn sie entscheidet darüber, ob sich ein Akteur auf der Bühne wohlfühlt und wiederkommt. „So können sogar freundschaftliche Verbindungen entstehen“, weiß Walter Danz. Einige bleiben Unterstützer der Kleinkunstbühne. Wie Dieter Nuhr. Der Gradwanderer zwischen Comedy und Kabarett sagte einmal: „Ich unterstütze den Förderverein Talbahnhof Eschweiler, weil er die letzte Kulturtankstelle vor der Grenze ist.“ Wo manche Karriere Schwung nahm.

www.talbahnhof.de

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