Eschweiler: Literarische Reise: Eine Eisenbahnfahrt der etwas anderen Art

Eschweiler: Literarische Reise: Eine Eisenbahnfahrt der etwas anderen Art

Nächster Halt: Stadtbücherei Eschweiler. Anlässlich des Jubiläums „175 Jahre Eisenbahn in Eschweiler“ unternahmen zahlreiche Interessierte eine literarische Eisenbahnfahrt mit Horst Schmidt in der Stadtbücherei. Die Lesung wurde vom Förderverein der Stadtbücherei Eschweiler unterstützt.

Den Anfang machte Schmidt mit einem Text Siegfried Schenkers, der zum 150-jährigen Jubiläum 1991 in der Eschweiler Lokalpresse erschien und über die Anfänge und die Entwicklung des heutigen Eschweiler Hauptbahnhofs informierte. Auch ein Gedicht Erich Kästner durfte nicht fehlen sowie Ernst Stadlers 1914 erschienenes Gedicht „Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht“.

In Joseph Roths Feuilleton „Eisenbahn“ erfahren die Zuhörer von der „Knipszange“ der Eisenbahnschaffner. Da die gelöste Fahrkarte nicht genug war, machte der Schaffner ein Loch in die Karte, um zu bestätigen, dass der Reisende zur Fahrt berechtigt ist.

Alfred Polgar widmet sich in seinem Feuilleton einem allseits beliebten und zugleich verhassten Thema: dem Schlafwagen, genauer der quälenden Schlaflosigkeit im Schlafwagen. Anstatt bei seiner elfstündigen Reise zu schlafen, lauscht der Reisende dem Geratter und Geschüttel, sowie dem Geräuschegewirr auf jedem Bahngleis, an welchem der Zug hält, beobachtet seine Hose, die im Takt am Nagel an der Wand pendelt und fühlt sich wie ein Tier im Käfig, das von Wand zu Wand läuft.

Auch Axel Hacke, zeitgenössischer Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, scheint diese Erfahrungen bereits gemacht, jedoch auch eine Lösung parat zu haben: eine Schlaftablette, denn zum ersten Mal will er im Schlafwagen schlafen. Doch gerade, als er die Tablette in den Mund nimmt, packt ihn Unsicherheit. Was, wenn er, weil er noch nie zuvor eine solche Tablette nahm, einen Herzanfall bekommt? Er spuckt sie wieder aus.

„Der Zug rumpelte und pumpelte, Bremsen kreischten, an den Bahnhöfen krähten Stationssprecher. Der Zug fuhr bergauf, ich auch, dann legte er sich in eine Kurve, ich auch, dann hielt er an, ich auch. Mein Körper war Teil des Zuges, sein Rhythmus war in mir, ich war schlaflos wie der Zug.“ Wenig später kreisen seine Gedanken dann doch wieder um die verführerische Schlaftablette: „Es wurde kalt. Ich drehte am Heizungsrad. Es blieb kalt. Jetzt die Tablette? Und wenn wir in Eis und Schnee am Brenner stecken blieben? Die Zeitung am nächsten Tag: ‚Schlaftabletten! Mann erfror im Zugabteil! Verzweifelter Schaffner konnte ihn nicht wecken!‘“

Wiglaf Droste, Kabarettist, beschreibt in „Ohrengeiselnahme im ICE“ schließlich ein Phänomen, das wohl jeder Bahnreisende heutzutage kennt. Einen einzelnen Mann, der drei Stunden lang in sein Handy brüllt und dabei wenig geistreich wirkt, jedoch das gesamte Abteil unterhält. Die anderen Fahrgäste äffen ihn nach. Als er aussteigt, klatschen sie, doch selbst das merkt er nicht.

Horst Evers, ebenfalls Kabarettist, thematisiert ebenfalls ein aktuelles Thema, nämlich das Rauchverbot in Zügen, während Andreas Martin Hofmeir, Professor für Tuba in Salzburg, die Diskriminierung seiner Tuba thematisiert, da sie als Gepäckstück nirgends Platz findet. Stattdessen braucht sie einen eigenen Sitzplatz, womit man sich nicht unbedingt Freunde macht.

Den Schluss bildete ein nachdenklicher Text von Michael Dös: „Der Zug des Lebens“. Eine tolle Auswahl verschiedenster Texte, fanden auch die vielen Zuhörer.

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