Lisa Eckhart tritt im Talbahnhof Eschweiler auf

Lisa Eckhart im Talbahnhof : Heidenspaß der guten Christen

„Seien Sie neidisch auf andere, doch anstatt ihnen nachzueifern, ziehen Sie sie auf Ihr Niveau. Seien Sie maßlos in allem, nur niemals der Mittelmäßigkeit“, so hielt Lisa Eckhart im Eschweiler Talbahnhof jetzt ein begeisterndes, äußerst unterhaltsames Plädoyer für die sieben Todsünden. In ihrem neuen Programm lobt Eckhart die „Vorteile des Lasters".

Die Frau, die als eine Grenzgängerin zwischen Kabarett und Poetry Slam gilt, ist Trägerin des Deutschen Kabarettpreises und gibt sich auf der Bühne gern als „dunkle Diva“.

Auch in Eschweiler kam sie als schwarzer Engel mit markantem Wiener Akzent, machohafter Arroganz und provokantem Selbstbewusstsein super an vor ausverkauftem Haus. „Es war ja nicht alles schlecht unter Gott. Gut war zum Beispiel, dass alles schlecht war. Denn alles, was man tat, war Sünde“, erklärte Eckhart. Alle seien gute Christen gewesen und hätten einen Heidenspaß gehabt – und Ablässe waren das perfekte Last-Minute-Geschenk, wenn einem mal sonst nichts einfiel.

Die Ursünde und die Frage, warum die Hölle wegen Renovierungsarbeiten geschlossen wurde waren weitere Themen der Kabarettistin. Und sie hatte viele brandaktuelle Beispiele aufzubieten: Polyamorie etwa versaut die Unzucht. Die All-You-Can-Eat-Buffets in Restaurantketten und Urlaubsparadiesen nehmen die Völlerei komplett auf die Schippe. Und Facebook als Soziales Medium beschämt die Eitelkeit. „Es ist ja heute alles nicht so einfach in Zeiten, in denen der Zorn durch ein allgemeines Beleidigt-Sein ersetzt wurde und der Schmollmund vom Duckface in den Selfies der Sozialen Medien nicht mehr zu unterscheiden ist“, verdeutlichte Lisa Eckhart, die derzeit auf Tournee über die Kabarettbühnen ist um die Sünden neu zu erfinden. Dabei widersetzt sie sich der Spaßgesellschaft, ohne den eigenen Spaß einzubüßen und empört ihre Umwelt nur zu gerne – und wird dafür als Künstlerin gefeiert.