Eschweiler: Licht führt in eine andere Welt

Eschweiler: Licht führt in eine andere Welt

Dieses tiefblau leuchtende, sich wandelnde Videobild an der Wand - natürlich versucht man zuerst einmal, zu erkennen, was das eigentlich darstellt. Einen Flur? Bäume an einem Kanal? Eine Mansarde?

So ist der Mensch beschaffen, dass er in Allem ein Muster, einen Sinn erkennen möchte. Manchmal steht der Versuch, das Muster zu entschlüsseln, dem Sinnfinden im Weg. An diesem Punkt setzt die Kunst von Diana Ramaekers ein. Sie zeigt nicht den Flur, die leere Mansarde, den Baum. Sie zeigt Licht. Und wenn man sich auf dieses Licht einlässt, beginnt das Kunstwerk, die Videoschleife, auf eine meditative Art zu atmen, zu leben, sich mit Sinn zu füllen.

Am Freitagabend eröffnete Galeristin Anita Engert als letzte Ausstellung in diesem Jahr - das kommende Jahr 2012 ist aber bereits wieder komplett mit Ausstellungen durchgeplant - in der Galerie Art Engert, Wilhelmstraße 73g, eine Schau mit Zeichnungen und Videos der Lichtkünstlerin Diana Ramaekers aus Kerkrade.

„Licht und Raum” hat Diana Ramaekers ihre Ausstellung genannt. Das Licht, mit dem sie arbeitet, schafft und erkundet neue, imaginäre Räume. „Ich will Bruchstücke einer anderen Welt erkunden und entdecken, die sich hinter dem sichtbaren Raum um uns herum befinden”, versicherte sie bei der Ausstellungseröffnung am Freitag. Das klingt mystisch, ist aber ganz praktisch gemeint, wie etwa an ihren 2009 geschaffenen Licht-Graffiti vor der Kirche St. Barbara im niederländischen Dorf Scheulder deutlich wird. Im Turm der Kirche entdeckte sie Jahrhunderte alte Einritzungen im weichen Mergelgestein. Bewohner des Ortes hatten sich da verewigt. Diana Ramaekers hat diese verborgenen Zeichnungen fotografiert und daraus Lichtfliesen geschaffen, die nun vor der Kirche im Boden eingelassen sind. Von innen sind diese gläsernen Bilder-Fliesen mit LED-Licht beleuchtet und strahlen im warmen gelben Farbton von Mergelgestein.

Während in Scheulder Licht und Zeichen zusammen das Kunstwerk bilden, abstrahiert die Künstlerin in ihren Videos das abgebildete Interieur immer mehr. Das Licht selber schafft den Raum und wird zur Kunst. Ramaekers am Freitag im Gespräch mit Galeristin Anita Engert: „Ich bin zum Licht gekommen während meines Studiums in Maastricht an der Kunstakademie. Ich hatte damals den Wunsch, Musik in Bilder umzusetzen.” Dabei habe sie schnell Licht als optimales Ausdrucksmittel entdeckt, um „die Dynamik und die Komposition der Musik zu übersetzen.” Im Lauf ihrer Arbeit trat die Musik dabei immer mehr in den Hintergrund, „und letztlich ist das Licht übrig geblieben.” Ihre Lichtinstallation „Sacred Sounds” von 2003, die man im Internet finden kann, macht aber deutlich, dass auch Kunstwerke aus Licht und Musik zusammen faszinierend wirken.

Unter den Preisen, mit denen Diana Ramaekers ausgezeichnet wurde, ist der „Prix de Rome” als größter niederländischer Kunstpreis sicher der bedeutendste. Wichtig auch ihre Teilnahme an der Internationalen Lichtkunst-Biennale bei „Ruhr 2010” mit „Open Light in Private Spaces”. Ramaekers: „Das heißt, das Werk wurde in privaten Räumen gezeigt. Das Licht hat dadurch an Kraft gewonnen, es gab auch viele Dialoge zwischen den Leuten, die da waren - die Schwelle zum Museumsbesuch ist ja ziemlich hoch, aber wenn man das in privaten Räumen zeigt, ist das nicht so.” Doch unabhängig von dieser Erfahrung tendiere sie immer mehr dazu, ihre Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen. Die Ausleuchtung eines Parkhauses in Venray in der niederländischen Provinz Limburg seit 2009 ist ein Beispiel.

Eines der beiden Videos, die in der Galerie Art Engert gezeigt werden, ist derzeit auch sehr weit entfernt von Eschweiler zu sehen. Am vergangenen Wochenende, gleich nach der Eröffnung der Ausstellung, reiste die Künstlerin nach China ab. In Zhengzhou (Hauptstadt der Provinz Henan, sieben Millionen Einwohner) ist sie mit der Video-Installation „Photo Motion Daylight” auf einer Ausstellung mit moderner Kunst aus aller Welt vertreten. Über die Einladung des Henan-Museums freut sie sich sehr: „Die Chinesen mögen das Arbeiten mit Licht.”

Das jüngste Projekt der Lichtkünstlerin ist die Teilnahme an einem Wettbewerb zur Gestaltung eines großen Kirchenfensters für den Neubau einer katholischen Kirche in Leipzig. Zehn international renommierte Künstlerinnen und Künstler, darunter Rebecca Horn, Angela Bulloch und eben auch Diana Ramaekers, wurden eingeladen. Am 7. Januar entscheidet eine Jury, wer den Auftrag bekommt. Anita Engert: „Wir alle, die wir hier sind, drücken Ihnen die Daumen!”.

Mehr von Aachener Zeitung