Eschweiler: Lesung in Villa Faensen: Jörg Drescher unterhält mit Gedichten

Eschweiler: Lesung in Villa Faensen: Jörg Drescher unterhält mit Gedichten

Wenn Jörg Drescher seine Stimme erhebt, dann beginnen Buchstaben zum Leben zu erwachen. Dann tanzen die Lettern, und von jeder Seite Papier steigen die Geschichten hoch. Denn nicht nur als Händler bringt der Eschweiler Romane, Erzählungen und andere Literatur unter das leselustige Volk — auch mit der Stimme kann er was.

Bewiesen hat er das in Zusammenarbeit mit der Frauen-Union Eschweiler und deren Vorsitzender Renée Grafen bei einer Lesung mit überwiegend klassischen Gedichten und Balladen in der Villa Faensen, dem Städtischen Seniorenzentrum an der Marienstraße.

Mehr als zweieinhalb, lediglich von einer Pause mit köstlichem Büffet unterbrochene Stunden lang holt Drescher vor Publikum ein um das andere Juwel aus der prall gefüllten Schatzkiste der deutschsprachigen, mehr oder minder gereimten Literatur. Mit seiner klangvollen, tiefen Stimme zieht der gebürtige Dürwißer seine Zuhörer immer tiefer in die Texte hinein — ganz so wie die See die Helden von Georg Ernsts 1901 veröffentlichter Ballade „Nis Randers“ oder die Reisenden in Theodor Fontanes „John Maynard“ noch Meilen vor Buffalo umspült.

Zum Erlebnis wurde die Lesung in der Villa also zum einen durch die ausgeprägt suggestive Art, wie Jörg Drescher aus toten Buchstaben lebendige Geschichten macht. Auch die Texte an sich, darunter Schillers „Der Taucher“, Eichendorffs „Schläft ein Lied in allen Dingen“ und andere Perlen der Dichtkunst, waren nur die halbe Miete.

Zwischen dieses und jenes Gedicht streute der Gastgeber immer wieder Erklärungen und kleine Plaudereien ein, fragte, welche nach Dichtern benannte Straßen es in Eschweiler gebe und klärte über das (von Bedrohlichkeit geprägte) Naturbild der Romantiker auf. Kleine Einordnungshilfen gab es gleich gratis dazu.

Zum Beispiel diese: „Balladen zeichnen sich durch ewige, allgemein gültige Wahrheiten aus.“ Ein- und Ansichten, fröhlich gemixt und augenzwinkernd kredenzt: Die machten die Stärken dieses Programms aus. Ein Erlebnis, selbst (oder gerade) wenn es makaber wird. Wie etwa die Weimarer nach der Leiche Schillers gesucht haben: Das werden die Teilnehmer nicht so bald vergessen.