Eschweiler/Stolberg: Leser lernen Dingo und „Luna“ hautnah kennen

Eschweiler/Stolberg: Leser lernen Dingo und „Luna“ hautnah kennen

Gemeinsam mit den drei Aachener Bundeswehr-Standorten Lützow-, Dr. Leo Löwenstein- und Theodor-Körner Kaserne beherbergt die Donnerberg-Kaserne das „Ausbildungszentrum Technik Landsysteme“ der deutschen Streitkräfte.

Doch was verbirgt sich eigentlich genau hinter dem Eingangstor des Areals, das ab dem Jahr 1946 zunächst von der belgischen Armee genutzt wurde, bevor im Jahr 1958 die Bundeswehr das damalige „Lager Donnerberg“ übernahm, das 1978 schließlich den Namen Donnerberg-Kaserne erhielt? 20 Leser unserer Zeitung nahmen am Mittwochnachmittag die Gelegenheit wahr, im Rahmen der Aktion „7 x Sommer in Eschweiler“ dieses Buch mit sieben Siegeln zumindest ein wenig zu öffnen und hinter die Fassade zu blicken.

Pünktlich um 13.50 Uhr begrüßte Oberstabsfeldwebel Joachim Petersen die Gäste aus Eschweiler und Stolberg vor eben diesem Eingangstor. Für einige Teilnehmer stellten die folgenden zweieinhalb Stunden einen Blick in die eigene Vergangenheit dar, hatten sie doch vor mehr oder weniger Jahrzehnten Dienst in der Donnerberg-Kaserne geleistet. Dass sich seitdem in der Bundeswehr nahezu alles verändert hat, wurde schon während der Ausführungen von Oberstleutnant Andreas Tessin deutlich.

Der stellvertretende Lehrgruppen-Kommandeur und Chef der II. Inspektion begrüßte die Besuchergruppe und unterstrich zunächst eine Besonderheit des Standorts der Kaserne, die auf dem Gebiet zweier Städte liegt. „Die Grenze ist unschwer an den Müllcontainern zu erkennen“, so der Offizier schmunzelnd. Unbestritten sei, dass ein Bundeswehr-Standort für die Kommunen vor Ort ein keinesfalls zu vernachlässigender Wirtschaftsfaktor sei. „In den vier Kasernen des Ausbildungszentrums tun mehr als 600 Personen, Soldaten und Zivilangestellte, ihren Dienst.

Mit den Lehrgangsteilnehmern befinden sich praktisch durchgehend mehr als 1000 Menschen im Dienstbereich“, betonte Oberstleutnant Andreas Tessin. Apropos Ausbildung: Insgesamt 262 verschiedene Lehrgangstypen werden im „Ausbildungszentrum Technik Landsysteme“ angeboten. Pro Jahr durchlaufen rund 5500 Soldaten diese Lehrgänge, deren Länge von einem Tag bis zu zwei Jahren variiert.

„Wir bilden unter anderem für die gesamte Bundeswehr die Instandsetzung und Wartung von Landfahrzeugen samt deren technischer Ausrüstung aus. In dieser Hinsicht müssen wir uns äußerst flexibel aufstellen, schließlich finden die Einsätze der Bundeswehr in den unterschiedlichsten Klimaregionen statt“, ließ der Inspektionschef abschließend wissen, bevor es für die Leser unserer Zeitung „in medias res“ ging.

Leben und Tod

In Gruppen aufgeteilt, erhielten sie Einblicke in drei der zahlreichen Bereiche der Donnerberg-Kaserne, in denen in Sachen Instandsetzung und Wartung ausgebildet wird. Und wurden dort schnell mit der Tatsache konfrontiert, dass der Dienst in der Bundeswehr auch abseits unmittelbarer Kampfhandlungen immer von den Themen Leben und Tod beherrscht wird. So in der Ausbildungswerkstatt „EloKa“ (Elektronische Kampfführung), wo Hauptmann Martin Schulze den Lehrgangsteilnehmern die Fähigkeit vermittelt, unter anderem das Allschutz-Transport-Fahrzeug Dingo zu warten und zu reparieren.

Der Werkstattleiter demonstrierte, wie das Patrouillen- und Spähfahrzeug vor per Fernsteuerung ausgelösten Sprengstoffanschlägen geschützt werden kann. „Dabei gilt es, die Funkwellen zu unterbrechen. Dazu verfügt der Dingo über Antennen, die störend wirken und Funkimpulse unterdrücken“, so Hauptmann Martin Schulze, der schlussfolgerte, dass eine Bedrohung durch Fernsteuerung kaum noch vorhanden sei.

Unterbau in V-Form

Was jedoch keinesfalls bedeute, dass Patrouillenfahrten im Dingo ungefährlich seien. „Gefahren durch andere Arten von Sprengstoff-Anschlägen sind real!“ Dennoch handele es sich beim Dingo um eines der sichersten Fahrzeuge. „Sein Unterbau ist in V-Form konzipiert, um die Energie des Sprengsatzes ableiten zu können. Darüber hinaus ist das Fahrwerk vom Fahrerhaus getrennt. Letzteres dient ähnlich wie in der Formel 1 als Schutzzelle für den Fahrer“, erklärte der Offizier.

Dessen Werkstattleiter-Kollege Dietmar Oraschewski führte seine Zuhörer anschließend in die Technik des unbemannten Aufklärungssystems „Luna“ ein: „Die Ausbildung zur Instandsetzung und Wartung dieser Drohne verläuft in zwei Stufen“, so der Hauptmann. Zunächst stehe in einem fünfwöchigen Lehrgang die Systemtechnik auf dem Lehrplan. „Fünf Wochen sind für diese anspruchsvolle Thematik wirklich nicht viel“, unterstrich der Referent die hohen Anforderungen, die nur mit einem günstigen Ausbilder-Schüler-Schlüssel zu bewältigen seien.

„Eine Klasse besteht aus vier Lehrgangsteilnehmern, für die zwei Ausbilder zur Verfügung stehen. Da kann sich niemand verstecken“, verdeutlichte Dietmar Oraschewski, der ausdrücklich darauf hinwies, dass der praktische Teil der Ausbildung 80 Prozent ausmache.

Während des zweiten Lehrgangs, der vier Wochen dauere und von Feldwebeln, die im Besitz eines Meisterbriefs sind, belegt werden könne, stehe dann das Systemverständnis im Mittelpunkt der Ausbildung. „Das System ‚LUNA‘ ist unter anderem auch in Mali im Einsatz. Es gewährleistet die heutzutage unabdingbare Echtzeitaufklärung. Das System arbeitet bei geringem Personaleinsatz sehr effektiv“, so die Bewertung des Werkstattleiters.

Oberstabsfeldwebel Robert Jakobschy und Stabsfeldwebel Thomas Stachorra widmeten sich abschließend unter anderem der Wartung von Wärmebildgeräten, mit denen die Panzerabwehrlenkwaffe MILAN ausgestattet ist. „Wobei klar sein muss, dass derjenige, der etwas instandsetzt, das Gerät, in diesem Fall die Waffe, beherrschen muss. Ein Kfz-Mechaniker sollte ja auch ein Kraftfahrzeug lenken können“, machten die beiden Unteroffiziere unmissverständlich deutlich.

Ein kleiner Ausschnitt

Gegen 16.15 Uhr trafen sich die drei Besuchergruppen wieder am Ausgangspunkt des Rundgangs. „Wir konnten heute natürlich nur einen kleinen Ausschnitt des Gesamtpakets präsentieren. Um die gesamte Donnerberg-Kaserne kennenzulernen, wären Wochen vonnöten“, erklärte Hauptmann Jürgen Egl, der die Leser genauso wie Oberstabsfeldwebel Joachim Petersen und Stabsunteroffizier Marius Metzmacher während des Rundgangs begleitet hatte.