Eschweiler: Leichtathletin Sorina Nwachukwu: Mauritius statt Rio de Janeiro

Eschweiler: Leichtathletin Sorina Nwachukwu: Mauritius statt Rio de Janeiro

Einen Moment lang hält sie inne und blickt durch das Fenster des Cafés auf den Aachener Marktplatz. Viele Erinnerungen kommen in diesen Augenblicken hoch. Unter anderem die Olympischen Spiele 2008 in Peking, bei denen sie mit der 4x400-Meter-Staffel Achte wurde.

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin, bei der sie auf der blauen Bahn bis ins Halbfinale lief. Aber sie denkt auch an die Rückschläge. Die Verletzungen, die etwa die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 in London verhinderten. Die ihr beim Kampf zurück auf die Tartanbahn auch mental viel abverlangten. Und die Sorina Nwachukwu schließlich dazu zwangen, ihre Leichtathletikkarriere im Jahr 2014 im Alter von 27 Jahren zu beenden.

Das Leben nach der Leichtathletikkarriere: Sorina Nwachukwu blickt optimistisch in die Zukunft. Foto: Sport/Schreyer

„Es sind auch ein paar Tränen geflossen“, gibt sie zu. Allerdings sei sie mit der Entscheidung jetzt zufrieden. Aber der Reihe nach. 1987 wird Sorina Nwachukwu in Witten geboren, wächst in Eschweiler auf und tritt in den Verein LSG Eschweiler ein. 2002 wechselt die Tochter eines ehemaligen nigerianischen Leichtathleten und Fußballers sowie einer Deutschen zu Bayer Leverkusen. Die Erfolge stellen sich schnell ein — aber auch Verletzungen.

Kurz vor den Olympischen Spielen 2012 verletzt sich die Leichtathletin und kann in London nicht an den Start gehen. Vier Monate fällt sie aus. Den Rückschlag steckt sie weg und will nochmal angreifen. Sie zieht nach Leverkusen, ihr Bundestrainer nimmt sie unter seine Fittiche. „Ich wollte einen neuen Reiz setzen“, blickt sie zurück. Ihr Fernziel: Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

Anfangs läuft es auch sehr gut. Sie baut langsam auf und erreicht im Jahr 2013 wieder ein stabiles Niveau. Bei der Deutschen Meisterschaft wird sie über die 400-Meter-Strecke Fünfte. Für das Jahr 2014 lautet der Plan: voll angreifen. Auch das läuft zunächst „hervorragend“, wie die 27-Jährige sagt. Sowohl im Training als auch in Wettkämpfen steigert sie sich stetig.

Bis plötzlich Schmerzen im rechten Fuß auftreten. „Ich bin dann eine Weile mit Schmerzen gelaufen“, sagt sie. Die Ursache ist zunächst unerkannt. Bis ein Arzt feststellt, dass sich Sorina Nwachukwu einen Ermüdungsbruch zugezogen hat. Es ist bereits die vierte Verletzung am Fuß. Die Leichtathletin verpasst die Deutsche Meisterschaft und entscheidet sich, ihre Karriere zu beenden.

Natürlich hätte sie gerne die Olympischen Spiele in Rio mitgenommen, allerdings gibt sie auch zu, dass die ganz große Leidenschaft einfach nicht mehr da gewesen sei.

Inzwischen lebt Sorina Nwachukwu in Aachen und studiert in Köln Jura. Im fünften Semester ist sie und will das Studium so schnell wie möglich durchziehen.

Ganz ohne Sport geht‘s natürlich jetzt auch nicht. Sie joggt regelmäßig, als Zuschauerin schaut sie hin und wieder noch in Leverkusen vorbei. Und sie hat sich dem Kitesurfen verschrieben. „Das ist Adrenalin pur“, sagt sie und lächelt. Die Schwester ihres Freundes hat gar eine Kiteschule auf Mauritius, Sorina Nwachukwu war dort bereits einige Male zu Gast (kürzlich erst für zwei Monate) und hat mitgeholfen. An diesem Hobby hat sie großen Spaß. Da sie sich zudem sehr für Mode interessiert, arbeitet sie an Kleidung für diese Sportart.

Als Leichtathletiktrainerin zu arbeiten, kommt für die 27-Jährige übrigens überhaupt nicht in Frage. Aber sie hat ja auch genügend Alternativen...

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