Landesjagdgesetz: Sind Jäger in Eschweiler Rambos oder Naturschützer?

Landesjagdgesetz sorgt für Diskussionen : Wilde Rambos? Oder Naturschützer?

Hans-Josef Vöpel war lange Jahre kaufmännischer Angestellter der RWE. Seit einigen Jahren ist er Vorsitzender des Hegerings Eschweiler. Ein blutrünstiger Rambo? Günther Plum war bis zum Ruhestand Marketingchef einer internationalen Softdrinkfirma. Heute ist er Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Ein rücksichtsloser Killer?

Hans-Josef Vöpel war lange Jahre kaufmännischer Angestellter der RWE. Seit einigen Jahren ist er Vorsitzender des Hegerings Eschweiler. Ein blutrünstiger Rambo? Günther Plum war bis zum Ruhestand Marketingchef einer internationalen Softdrinkfirma. Heute ist er Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Ein rücksichtsloser Killer? Nicht erst, seit die Novellierung des Landesjagdgesetzes Jäger und Naturschützer entzweit, sehen sich Vöpel, Plum und ihre Jagdgenossen heftigen Angriffen ausgesetzt. Sind Jäger wirklich die, als die sie von einigen Tierschützern dargestellt werden: Zeitgenossen mit Vergnügen an Ballerei, bei denen der Spaß am Töten im Vordergrund steht?

100 Mitglieder in Eschweiler

Gut 100 Mitglieder hat der Hegering Eschweiler, etwa 1200 sind es in den insgesamt zehn Hegeringen des Altkreises Aachen. Sie verteilen sich zumeist auf die 160 Jagdreviere in der Städteregion, deren Pächter auf die Mithilfe von Gastjägern angewiesen sind, weil sie die Arbeit in den Revieren allein kaum bewältigt bekämen. Denn ein Revier zu bewirtschaften, so betont Hans-Josef Vöpel, „ist weit mehr als Jagen. Da geht es darum, mit Weitblick Bestände zu hegen und pflegen, aber auch Fledermauskästen und Nistkästen für zahlreiche Vogelarten zu bauen, wie unser Mitglied Fred Vonden, der eine Jagd- und Naturschutzorganisation bei Wenau (JUNOW) unter anderem zu diesem Zweck gegründet hat, oder auch Hochsitze zur Jagd zu installieren.“

Die sind wichtig, damit Schüsse aus erhöhter Position schräg in den Boden geleitet werden, statt unter Umständen Menschen zu gefährden. „Und geschossen wird nur das an Wild, was der Revierpächter vorgibt. Ein wildes Ballern auf alles was sich bewegt, wie von einigen angenommen, ist undenkbar.“ Für einige Wildarten gibt es sogar eine Abschussvorgabe durch die Untere Jagdbehörde.

Beispiel: Rehe. Gebe es in einem Revier davon 100, so verdoppele sich die Zahl ohne regulierenden Eingriff der Jäger jedes Jahr. Ein Überbestand führe dazu, dass die Tiere, die junge Bäume anfressen, dem Waldbestand auf Jahre schweren Schaden zufügen. Also müsse man die Zahl der Rehe stabil halten und dabei auch auf ein Gleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Tieren achten, um den Bestand nachhaltig zu sichern.

Weiteres Beispiel: Füchse. 500.000 davon wurden im vergangenen Jahr deutschlandweit erlegt. „Und es hätten durchaus mehr sein könne“, sagt Günther Plum. Aus gutem Grund: Füchse jagen unter anderem Bodenbrüter wie Fasan und Rebhuhn, aber auch bedrohte Arten wie den Kiebitz, deren Bestände dadurch erheblich dezimiert wurden. Elstern räubern jedes Nest von Singvögeln, deren Ausbleiben in unseren Gärten von vielen beklagt wird.

„Es regelt sich nicht mehr von allein“

„Natur einfach Natur sein lassen, das funktioniert seit langem nicht mehr“, sagt Günther Plum. „Das regelt sich eben nicht mehr alles von allein. Wo Überpopulationen bestehen, geht dies immer auf Kosten anderer Arten.“ Das habe man selbst im 11.000 Hektar großen Nationalpark Eifel eingesehen, wo der Bestand an Rotwild auf etwa 1000 Exemplare gehalten werde, um Schäden am Wald selbst einzugrenzen. „Das heißt, hier im Nationalpark müssen jedes Jahr rund 500 Stück Rotwild geschossen werden .“

Noch ein Beispiel: Wildschweine. Die richten zwar im Wald selbst keine Schäden an, wohl aber in angrenzenden Feldern. Schäden, für die der jeweilige Revierpächter aufkommen müsse. Ganze Rotten von Wildschweinen, so berichtet Vöpel, durchstreifen z.B waldnahe Maisfelder und zerstören die Ernte, dringen sogar bereits in Wohngebiete vor wie in die Luisenstraße am Eschweiler Stadtwald, wo Grünanlagen umgepflügt wurden. „Die Bestände explodieren geradezu, weil wir Jäger da zum Bejagen nicht oder nur schwer rankommen, berichtet Vöpel.

Wer sind sie, die Jäger? „Menschen, die Freude daran haben, draußen zu sein, im Wald. Menschen, die Interesse an der Natur haben“, sagt Hans-Josef Vöpel. Die Zeiten, in denen die Jagd ein Privileg Vermögender war, seien längst vorbei. Hatten die Hegeringe lange Zeit ein Altersproblem, so fänden auch zunehmend jüngere Leute Interesse an der Jagd. Günther Plum leitet Jagdscheinkurse. 56 Teilnehmer zählte er in diesem Jahr: „von Schülern und Studenten über Hilfsarbeiter und Handwerker bis hin zu Hausfrauen und Professoren“. „Schicki-Micki-Jäger“ suche man vergebens: „Denen ist die Ausbildung viel zu aufwendig und das Ausharren auf dem Hochsitz viel zu langweilig.“ Sechs Monate dauert die Ausbildung – zweimal pro Woche je zweieinhalb Stunden wird Wissen über Tiere, Pflanzen,Naturschutz vermittelt. Hinzu kommen Schießübungen, Waldbegehungen und last not least das Erlernen, wie man ein Wildschwein fachgerecht „aufbricht“. Zuverlässigkeit wird ganz groß geschrieben: „Wer in der Prüfung den kleinsten Fehler bei der Handhabung der Waffe macht, der fällt durch“, betont Plum. Und wer vorbestraft ist, wird erst gar nicht zugelassen.

Das Wild, das die Jäger erlegen, landet nicht nur in den eigenen Kochtöpfen: Jeder kann es bei ihnen zu fairen Preisen erwerben. Bestes Fleisch. „Mehr Bio als Wild geht nicht“, sagt Vöpel. Allerdings: Den Aufkleber „Bei mir gibt’s Wild aus der Region“ hat kaum einer der Jäger mehr am Auto. Aus böser Erfahrung: Einige fanden ihre Wagen zerkratzt, mit eingetretenen Türen und zerschlagenen Scheinwerfern vor.

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