Eschweiler: Läufer kämpfen sich durch den Matsch

Eschweiler: Läufer kämpfen sich durch den Matsch

„Das ist hier der größte Matsch”, schallte es gleich zu Beginn des 42. internationalen Volkslaufs von der Startlinie des Waldstadions. Die 43 Teilnehmerinnen der Bambini hatten sich als erste Gruppe in Position gebracht.

Eine in den Matsch der Laufbahn gegossene blaue Linie entpuppte sich zügig als Versammlungsort für viele kleine nervöse Läufer, die geradezu darauf brannten, sich für eine Strecke von 300 Metern wie kleine Sprint-Stars zu fühlen. Sie sprangen wild umher, hüpften, dehnten ihre Beinchen und waren gewillt, ihre kleinen Körper binnen Sekunden zur Höchstleistung anzutreiben.

Ein Hindernis stand den jungen Sprintern allerdings noch im Wege: der Startschuss. Der war lauter als gedacht und kam zudem scheinbar völlig unerwartet. So versuchten die Bambini nicht nur, einen schnellen Start hinzulegen, sondern hielten gleichzeitig die Ohren zu und rissen ihre Augen ganz weit auf, um in dem Wirrwarr von Matsch, Turnschuhen und bonbonfarbener Sportbekleidung den richtigen Weg zu erkennen. Das wiederum klappte erstaunlich gut und ist ein Beweis dafür, dass auch junge Damen durchaus multitasking-fähig sind. Denn die siebenjährige Alina Switula der Laufgemeinschaft Ameln erreichte nach nur 1:04 Minuten als erste Siegerin des Tages das Ziel. Ihr männliches Pendant Jonas Patri (7) von der Aachener TG schaffte es sogar in 57 Sekunden.

Die Läufer ließen es sich ohnehin nicht nehmen, den Tag zu genießen, völlig unbeeindruckt dessen, was sie erwartete. Es war kalt und nass. Das war nicht nur für viele der Teilnehmer unangenehm, sondern scheinbar auch für die Technik. Das Mikrofon zeigte sich von seiner wetterfühligen Seite und auch das gesamte Netzwerk kränkelte zuweilen. Aus den mit Müllbeuteln eingepackten Musikboxen jedoch erklang derBest-of Gute-Laune-Sommer-Mix, der sowohl Läufer als auch Zuschauer beflügelte. Mit einem heißen Kaffee und einem Muffin war das schlechte Wetter schnell vergessen.

Und kaum feierten die Bambinis und Schüler ihren Sieg, knallte es ein weiteres Mal aus der gefürchteten Startschuss-Pistole. Der 10-Kilometer-Volkslauf forderte seinen Tribut. Stolze 220 Teilnehmer standen in den Startlöchern. Einer von ihnen setzte sich gleich in den ersten Metern von allen anderen Läufern ab: Cedric Vanaschen (32) vom LAC Eupen schien förmlich zu schweben. Mit seinen langen Beinen hatte er scheinbar die besten Voraussetzungen, um die 10 Kilometer in nur 34:12 Minuten zu absolvieren. Mit einem Ergebnis von 81:05 Minuten traf auch der letzte Läufer im Ziel ein: Josef Krammer vom TV Siersdorf war mit seinen 84 Jahren der älteste Teilnehmer und dennoch fit wie ein Turnschuh.

Und auch wenn sich die Zeiten der Läufer und das jeweilige Alter zum Teil doch sehr unterschieden, so hatten sie allesamt eines gemeinsam: Sie waren über und über mit Matsch befleckt. Die Sportschuhe waren nach dem Lauf einheitlich matsch-braun gefärbt und einst winterlich weiß schimmernde Beine nun dunkelbraun.

Zudem trat ein vorher so nicht absehbare Sonderheit auf: ein schneeweißer Hund lief mit. Weiß war dieser nach den 10 Kilometern allerdings nicht mehr. „Ich frage mich, wie ich den Hund jemals wieder sauber kriegen soll!?” Eine berechtige Frage aus dem Munde der Besitzerin.

Nun ist es bekannterweise jedoch so, dass sich ein Veranstalter das Wetter nicht aussuchen kann. Doch ohne all den Matsch hätte es wahrscheinlich auch nur halb so viel Spaß gemacht. Die Leichtathlethik-Sportgemeinschaft (LSG) Eschweiler verteilte munter Urkunden und Medaillen, damit jeder Teilnehmer auch ein Andenken an den Lauf im und rund um das Waldstadion mit nach Hause nehmen konnte.

In diesem Jahr war die Sopranistin Rosa Sucher (1847-1927) auf der Medaille zu sehen, die als „Isolde” große Erfolge verbuchte. Erfolge feierten nun auch die Teilnehmer des 42. Volkslaufs. Und sollte das Ergebnis nicht zufriedenstellend sein, so kann es ein jeder im nächsten Jahr wieder versuchen. Dann vielleicht auch ohne Matsch.