Eschweiler: Kunterbunte Lebensfreude beim Afrika-Festival am See-Ufer

Eschweiler: Kunterbunte Lebensfreude beim Afrika-Festival am See-Ufer

„I bless the rains down in Africa“, sang die Kultband Toto vor Jahren. Am Blausteinsee war das anders: Dort verwünschten die Afrikaner den Regen, der am Sonntag immer wieder aus dem meist grau verhangenen Himmel niederfiel und das Publikum vom Besuch der zahlreichen bunten Stände fernhielt. Die Beteiligten nahmen es dennoch gelassen.

„Na, wie geht‘s?“, fragte ein Händler einen vorbeischlendernden Kollegen. Der breitete die Arme aus: „Wir sind alle in Gottes Hand!“

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Aus halb Afrika stammten die Akteure des zweiten Afrika-Festivals am Blausteinsee, das trotz der Schauer am Sonntag ein voller Erfolg war. Aus ganz Nordrhein-Westfalen, weiteren Bundesländern und aus dem benachbarten Ausland hatte das Festival ungezählte Besucher an den Blau-steinsee gelockt. Dort erwartete sie auf der Grünfläche vor der Seebühne eine bunte Zeltstadt mit einem reichen Angebot an kunsthandwerklichen Dekoartikeln, Stoffe und Kleidungsstücken. „Dieser Platz ist optimal“, strahlte ein Händler. „Wir haben hier eine tolle Bühne, die nicht extra auf- und abgebaut werden muss, und sind in einer wunderschönen Umgebung. Und wenn‘s mal etwas lauter wird, gibt es hier keine Nachbarn, die das stört!“

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Zumba, Rumba, Gospel

Artistische Show am See-Ufer: Die Aktobaten des Jabukla-Africa-Circus beeindruckten die Besucher ebenso wie Sängerin Mercy Maurice oder Tänzer Lawrence Odoo (unten). Bunte Stoffe, Kulinarisches aus verschiedenen Ländern und Trommelworkshops für Groß und Klein sorgten für eine fröhliche Festivalatmosphäre.

Am durchweg sonnigen Samstagnachmittag waren Parkplätze in Seenähe Mangelware. Hunderte Festivalgäste drängten sich vor der Bühne, auf der ihnen ein buntes Programm geboten wurde — viele das sogar zum Mitmachen. So wechselten sich Tanzworkshops für begeistert mitmachende Kinder mit Michael-Jackson-Double Lawrence Odoo ab mit Trommelworkshops für Groß und Klein, die in die Beine gehende Rhythmen über dem See-Ufer erschallen ließen. Auf einen Zumba- und HipHop-Workshop folgten folkloristische Klänge und Tänze aus Ghana, denen sich wiederum „Talking Drums“ aus dem Senegal anschlossen. Auf orientalische Tänze folgten Shows der Jabula Africa Band, ehe auf Rumba-Tanzdarbietungen die „Dschungelnacht-Party“ begann.

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„Action“, die Kräfte zehrt. Abhilfe schafften gleich mehrere Stände mit afrikanischen Delikatessen, an denen sich die Besucher reichlich gütlich taten.

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Was am Samstag fröhlich begonnen hatte, das drohte am Sonntag im Regen unterzugehen. Auf den für 12 Uhr angekündigten Gottesdienst auf der Seebühne mussten die Besucher, die dem Regen trotzten, eine gute Stunde warten.

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Dann aber wurde gefeiert: Nicht allein ein Gospelchor mit Sängerin Mercy Maurice riss die inzwischen zahlreichen Besucher mit. Mercy Maurice, in Aachen lebendes Model, ist das amtierende „Gesicht Kenias in Deutschland“, tritt mit verschiedenen Bands auf und fungierte auch als Moderatorin des Afrika-Festivals am See. Sie und ihre Mitstreiter boten den musikalischen Rahmen für Reverend Dr. J.E. Nii Clottey. Der aus Ghana stammende Priester war aus Essen angereist, wo er im christlichen Kerygma-Zentrum tätig ist. Schon bei der Festivalpremiere im vergangenen Jahr hatte der Reverend in einer mitreißenden Predigt seine Zuhörer beeindruckt, und das tat er auch diesmal wieder. Sein Appell: „Gott hat uns viel geschenkt, hat uns alle Möglichkeiten gegeben — jetzt ist es an uns, sie zu nutzen, das Beste daraus zu machen!“

Erlös für Kulturzentrum

Mercy Maurice war es später auch, die der ghanaischen Band Otumfuo ihre Stimme lieh. Danach gehörte die Bühne den Artisten des Jabula Africa Circus, die hier Kostproben ihres Könnens boten. „Jabula Africa — Circus der tanzenden Trommeln“ ist das neueste Show-Projekt von Festival-Veranstalter Joe Mvurah, der zuvor bereits mit Shows wie „Hot Africa“ europaweit erfolgreich unterwegs war. Der in Düren lebende Ghanaer stellt das Afrika-Festival am Blausteinsee in den Dienst einer guten Sache: Der Erlös aus Standgeldern und Essensverkauf soll ein internationales Kulturzentrum in Düren finanzieren helfen. Dort, in einer ehemaligen Lagerhalle, sollen ab September kostenlose Workshops unterschiedlichster Art angeboten werden.

Einiges von dem, was interessierte Besucher demnächst in Düren erwartet, konnten die Festivalgäste schon jetzt erleben: Tänze aus Kenia, Limbo- und Feuershows, Geschichtenerzähler, Stelzenläufer und vieles mehr inmitten einer bunten, lebendigen Kulisse, die es sicherlich nicht zum letzten Mal am Blausteinsee-Ufer gegeben hat.

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