Eschweiler: Kunstgießerei: Modell der Innenstadt schon gegossen

Eschweiler: Kunstgießerei: Modell der Innenstadt schon gegossen

„Weiße Blasen seh‘ ich springen; wohl! Die Massen sind im Fluß.“ Ganz so wie in Friedrich Schillers Gedicht von der Glocke war es nicht, aber dennoch spannend. Am Dienstag wurde in der Kunstgießerei Schwab in Münster das Modell der Eschweiler Innenstadt gegossen, das künftig an der Ecke Marktstraße/Indestraße stehen soll.

Eine Delegation des Eschweiler Geschichtsvereins war dabei, als die flüssige Bronze in die Form floss. Das Modell stellt die Eschweiler Innenstadt im Zustand von 1954 dar, also vor der Indestraßensanierung. Sehen und anfassen lassen sich, wenn es fertig ist, dort dann auch die Häuser der heute verschwundenen Straßen Knickersberg, Judenstraße, Bachstraße und der nördlichen Uferstraße.

Armin Gille, Autor „Eschweilers verschwundene Straßen“ und maßgeblicher Ideengeber, Gießereileiterin Marion Schwab, Felix Brörken, Stadtmodellkünstler, Franz-Josef Surges, Projektverantwortlicher EGV (v.l.). Nicht im Bild Kurt Manthey, Vorsitzender des EGV. Foto: Kurt Manthey, Vorsitzender des EGV.

Die Idee zu dem Kunstwerk hatte Armin Gille, Autor des Buchs über die verschwundenen Straßen der Innenstadt. Er, der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Kurt Manthey, und der Projekt-Verantwortliche, Franz-Josef Surges, fuhren am Dienstag nach Münster, um eine der entscheidenden Entwicklungsphasen des Stadtmodells Eschweiler mitzuerleben.

Bei ihrer Ankunft hatten die Mitarbeiter der Gießerei bereits alles für den Guss vorbereitet. Seit Schichtbeginn hatten sie in einem Ofen rund 150 Kilo Bronze auf die für den Guss notwendigen 1200 Grad Temperatur gebracht. Die Besucher aus Eschweiler konnten den Behälter begutachten, in dem der aus Schamotte bestehende Negativabdruck der Altstadt Eschweiler vorbereitet worden war.

Zu sehen war das Modell selber allerdings nicht, da der Behälter aus produktionstechnischen Gründen fest verschlossen war. Mit Ausnahme der Gussöffnung natürlich. Dann musste alles ganz schnell gehen. Aus dem Ofen wurde die flüssige Bronze in einen Transportbehälter umgefüllt, um im glühenden Zustand in die bereitstehende hohle Schamotteform gegossen zu werden. Nach wenigen Minuten und vielen Schweißtropfen war das faszinierende, feurige Schauspiel vorbei. Der Guss ist zwar der wichtigste, aber nur einer von 14 Arbeitsgängen bei der Anfertigung eines Bronze-Kunstwerkes im Wachsausgussschmelzverfahren.

Die angereisten Eschweiler nutzten die Gelegenheit, sich den aufwendigen Prozess von Miriam Schwab, der Leiterin der Kunstgießerei, erklären zu lassen. „Unsere Arbeit ist vor allen Dingen qualifizierte, aufwendige Handarbeit. Der Materialpreis ist fast unerheblich“, erfuhren die Besucher. Von der künstlerischen Modellerstellung bis zum Patinieren werden in der Münsteraner Werkstatt ausschließlich Unikate gefertigt. Miriam Schwab ist selbst Kunstgießerin und freut sich über den Kontakt und den Austausch mit bekannten Künstlern. Unter Anderen arbeitete sie mit dem Designer Luigi Colani zusammen. Nach dem Gießen muss das Eschweiler Stadtmodell nun in seiner Form langsam abkühlen. Das dauert ein paar Tage.

Anschließend bekommt der Eschweiler Geschichtsverein ein Foto vom Produktionsstand nach dem Guss. Dann müssen noch einige Nacharbeiten am Modell durchgeführt werden. Luftblasen und Unebenheiten werden beseitigt, die Ansätze der Gusskanäle werden entfernt. Dann wird das Modell von einem Kunstgießer ziseliert.

Wenn alles passt, kann das Modell der Eschweiler Altstadt Anfang August in Eschweiler eingeweiht werden. Der Findling, auf dem das Modell befestigt werden soll, liegt bereits seit einigen Wochen an der Ecke Indestraße/Marktstraße.

(fe)