Eschweiler: Kultur ist so viel mehr als ein Haufen alter Steine

Eschweiler: Kultur ist so viel mehr als ein Haufen alter Steine

Im vergangenen September machten sich 18 Schüler der neunten Jahrgangsstufe der Bischöflichen Liebfrauenschule auf in das französische Carquefou in der Nähe von Nantes, um dort eine Woche mit gleichaltrigen Schülern des College Gerard Philipe zu verbringen.

In den vergangenen Tagen folgte nun der Gegenbesuch der jungen Franzosen. Begleitet von ihren Lehrerinnen Emmanuelle Südholt und Anne Hervé lernten die Schüler Eschweiler, Aachen und Köln kennen, nahmen am Unterricht an der Bischöflichen Liebfrauenschule teil und erfuhren den Alltag in ihren deutschen Gastfamilien. Bereits seit fünf Jahren läuft das Projekt des regelmäßigen Schüleraustauschs zwischen dem College Gerard Philipe und der Liebfrauenschule.

Lehrer Lars Sonntag inserierte damals auf einer Internetseite des Deutsch-Französischen-Partnerwerks, E-Mails wurden ausgetauscht, persönliche Treffen folgten. „Alles verlief recht unbürokratisch“, erinnert sich Emmanuelle Südholt, die an ihrer Schule in Carquefou Deutsch unterrichtet. „Meine Schüler lernen nun im vierten Jahr Deutsch als erste Fremdsprache“, erklärt sie. Leider habe das Interesse französischer Schüler, die deutsche Sprache zu lernen, nachgelassen. „Spanisch ist eine große Konkurrenz“, so die Pädagogin. Eine Woche in Deutschland sei natürlich kurz, bringe den Schülern aber dennoch eine ganze Menge. „Sowohl sprachlich als auch in Sachen Verständnis für die Lebensweise des jeweils anderen. Die Schüler bekommen die Gelegenheit, etwas neues zu entdecken. Wir Lehrer wollen den Anstoß dazu geben, das Interesse der Schüler wecken“, nennt Emmanuelle Südholt Ziele. Ihre deutsche Kollegin Stephanie Heinze stößt ins gleiche Horn.

„Auch unsere Schüler profitieren augenscheinlich vom Austausch. Dies ist im Unterricht deutlich zu bemerken. Sprachbarrieren und -hemmungen werden eindeutig abgebaut“, betont die Latein-, Geschichts- und Religionslehrerin. Wichtig sei vor allem, dass die Gastschüler nicht nur am Unterricht teilnehmen, sondern auch das Leben in ihren Gastfamilien kennenlernten. Die Kultur dürfe natürlich nicht zu kurz kommen, doch das Programm sehe eben mehr als „nur“ alte Steine vor. So stand beim Besuch von Köln nicht nur die Besichtigung des Doms auf dem Programm, sondern auch ein Abstecher ins Schokoladenmuseum.

„Kultur, Geschichte und Sozialleben“, nennt Stephanie Heinze Eckpunkte des Austauschprojekts, an dem auf deutscher Seite neben Koordinator Lars Sonntag auch die Französischlehrer Claudia Jansen, Martin Sellmann, Barbara Dick, Eva Maria Thürwächter, Christine Egerland, Britta Brech, Ingrid Claßen, Herbert Thomé und Gunther Jansen beteiligt sind. Nach einer wie im Flug vergangenen Woche hieß es nun am Dienstag, Abschied zu nehmen. Doch vielleicht nur auf Zeit, denn bleibende Kontakte außerhalb des offiziellen Austauschprogramms sind keine Seltenheit. Und im kommenden September werden sich die nächsten Schüler der Bischöflichen Liebfrauenschule in den Westen Frankreichs aufmachen.

(ran)