Von Hausfrauen und Heldinnen: Kristina Kanders stellt im Talbahnhof Werke über ihre persönlichen Ikonen aus

Von Hausfrauen und Heldinnen : Kristina Kanders stellt im Talbahnhof Werke über ihre persönlichen Ikonen aus

Auf Einladung des Eschweiler Kunstvereins wurde jetzt die Ausstellung von Kristina Kanders im Talbahnhof eröffnet. Die Einführung ins Thema hatte Alexandra Simon-Tönges, Kulturhistorikerin aus Aachen übernommen, die auch für den Katalog der Künstlerin verantwortlich ist.

Dank ihrer detaillierten Erklärung zum Titel „Kanders mal(t) anders“ ermöglichte sie den Kunstinteressierten an diesem Nachmittag ein besonderes Kunsterlebnis.

Kristina Kanders hat in Eschweiler 52 Werke ausgestellt. In vier Serien zeigt sie ihr großes Spektrum an Collagen, Assemblagen, Reliefs und Malerei. Das Einzelbild „Coffeeshop“ ist eine Hommage an ihre Zeit in New York, wo sie zwanzig Jahre in einer Männerdomäne am Schlagzeug musiziert hat. Jetzt wohnt sie in Köln und ist seit 2012 auch darstellende Künstlerin. Im  Talbahnhof erinnern die „Borders“ (2016) an die Öffnung der Grenzen 2015 und das damit verbundene Chaos.

Die Bilder in „You are what you eat“ sprechen für sich und sind mehr ironisch gemeint. Wie wir essen, schlägt sich in unserem Körper nieder. Adam und Eva haben das gegessen, was die Natur freiwillig gibt und somit keinen Schaden genommen. Das sieht beim „süßen Kind“ und dem „Fleischfresser“ ganz anders aus. Der „wilde Bernd“ ist Vegetarier und die „Allesfresserin“ liebt die deutsche Hausmannskost. Die „Food People“ sind hochaktuell, haben einen ernsten Hintergrund und Humor zugleich.

Der rote Faden durch die Bilder der „Disappearing Housewives“ sind Strukturen und Muster von Tapeten, auf denen Menschen in Öl aufgemalt sind und in Tätigkeit gezeigt werden. Hierbei spielt Kanders mit der Seherfahrung des jeweiligen Betrachters. Mal mehr oder weniger lässt sie die Frauen im Muster der Tapeten aufgehen oder im Hintergrund verschwinden.

„Hausfrauen“ sprechen jeden an

Bis in die 1960er Jahren waren deutsche Frauen hauptberuflich Hausfrauen. Die Hausherrin und ihre unterbewertete Arbeit war so selbstverständlich wie die Tapete an den Wänden: dekorativ, schmückendes Beiwerk und hatte wenig zu sagen. Mit der Beschränkung auf die Vornamen sprechen die Bilder jeden an. Rhonda kehrt zum Beispiel die Krümel weg, Helen staubsaugt und Irene bügelt. Muster, Stil und Farbigkeit verschmelzen mit der Figur. Dabei geht es auch um die Frage, wie es heute um das „bisschen Haushalt“ und die Emanzipation steht. Innerhalb von zwei Jahrzehnten brachte die Technisierung des Haushalts zwar gewonnene Zeit zutage, die aber nicht genutzt wurde und eher in die Einsamkeit und Langeweile geführt hat.

Kanders persönliche „Heldinnen und Ikonen“ haben gewaltlos ihre Meinung vertreten. Ihre Gesichter haben sich ins kollektive Bewusstsein eingebrannt und stehen in der Tradition des Charakterbildes. So wie die antiken Porträts wichtige Fragestellungen vor Augen führen, sind es bei Kanders Ikonen der Film- und Musikbranche oder mutige Menschen aus der Politik und dem Alltag, die Unmögliches möglich gemacht haben. Kanders hat Licht und Schatten auf extreme hell-dunkel Kontraste reduziert und sie auf Wellpappe übertragen, wobei die Deckschicht teilweise entfernt ist. Manche Porträts erschließen sich daher erst auf den zweiten Blick, was zum Suchen und Finden einlädt.

Mit der Ausstellung, die bis zum 14. April, jeweils am Wochenende von 15 bis 18 Uhr geöffnet ist, hat die Künstlerin den Nerv der Zeit getroffen. Zum Abschluss der Ausstellung am 14. April wird Gitarrist Bernd Gast zu ausgesuchten Bildern von Kristina Kanders ein Konzert geben. Um 16 Uhr erwartet die Gäste ein kurzes Künstlergespräch, und im Anschluss werden zwei CDs sowie ein signierter, limitierter Siebdruck im Wert von 150 Euro verlost.