Eschweiler/Hilversum: Kriegsverbrecher aus Eschweiler verklagt Reporter

Eschweiler/Hilversum: Kriegsverbrecher aus Eschweiler verklagt Reporter

Zwei niederländische Fernsehjournalisten müssen sich vor einem deutschen Gericht verantworten, weil sie den SS-Verbrecher Heinrich Boere aus Eschweiler mit einer versteckten Kamera interviewt haben.

Den Reportern Jan P. und Jelle V. werde Hausfriedensbruch und Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes vorgeworfen, teilte das öffentlich-rechtliche TV-Magazin „Een Vandaag” am Donnerstag mit. Die Verhandlung finde am 9. Februar beim Amtsgericht Eschweiler statt. Den Journalisten drohe eine Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren.

P. und V. hatten den gebürtigen Niederländer Boere im September 2009 in einem Altenheim in Eschweiler bei Aachen mit einer versteckten Kamera interviewt. Sie hätten zu diesem „letzten Mittel” gegriffen, nachdem sowohl Boere als auch dessen Anwalt alle Interviews abgelehnt hatten, hieß es. Nach der Ausstrahlung im Fernsehen erstattete Boere Strafanzeige und beschwerte sich beim niederländischen Presserat. Dieser wies die Beschwerde jedoch mit der Begründung ab, das gesellschaftliche Interesse wiege in diesem Fall schwerer als die Persönlichkeitsrechte Boeres.

Boere, 90, wurde in Deutschland 2010 wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Er gehörte während des Zweiten Weltkrieges einem SS-Kommando an und ermordete drei niederländische Nazi-Gegner.

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