Eschweiler/Kreis Heinsberg: Kreissynode: Für raschen Ausstieg aus dem Braunkohletagebau

Eschweiler/Kreis Heinsberg: Kreissynode: Für raschen Ausstieg aus dem Braunkohletagebau

Rund 100 Synodale aus den 19 Mitgliedsgemeinden waren zur Tagung der Kreis­synode des Kirchenkreises Jülich in das evangelische Gemeindezentrum in Hückelhoven an der Haagstraße gekommen.

In seinem Bericht wies Superintendent Jens Sannig auch auf grundsätzliche Themen hin: „Der politische Lebensraum in Deutschland verändert sich.“ Damit einhergehend würden auch Grundrechte, welche die Würde des Menschen schützen würden, von Teilen der Bevölkerung anders bewertet. Sannig hinterfragte die Rolle der evangelischen Kirche in „richtungsweisenden gesellschaftlichen Debatten“.

Aufgabe der Kirche sei es, sich an der Zukunftsgestaltung der Gesellschaft zu beteiligen. Als Herausforderungen nannte er Umwelt- und Energiefragen, die gerechte Verteilung von Arbeit und Reichtum, die Begegnung der Religionen und die Sicherung des Friedens. „Wir akzeptieren nicht, dass Ängste zum Maßstab politischen Handelns gemacht werden“, betonte er. Toleranz und Vielfalt seien „das Selbstverständnis einer offenen Gesellschaft“.

Der Einsatz militärischer Gewalt zur Schaffung von Frieden sei abzulehnen, ebenso der Raubbau an der Natur und der übermäßige Verbrauch der Ressourcen. Ein weiteres Feld sei eine solidarische Gesellschaft, in der die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auseinanderklaffen dürfe und der Mensch der ethische Maßstab für Arbeit sei. Unter dem Stichwort „Arbeit 4.0 — Arbeit weiter denken“ verwies Sannig auf das Fehlen sozialer Sicherungssysteme in der zunehmend digitalisierten Arbeitswelt. „Gesellschaftlich stehen wir vor neuen Herausforderungen“, erklärte Sannig. Dazu gehöre auch die Sicherung der Ausbildung von Kindern aus einkommensschwachen Familien. Eine „große Transformation zur solidarischen Gesellschaft“ bedürfe vieler kleiner Schritte.

Ein Zeichen will der Kirchenkreis auch in der Region setzen. So solle der Rest des Hambacher Forstes erhalten bleiben. Dies sieht ein jedenfalls Antrag vor, der auf der Kreissynode beschlossen wurde. Von dem einstmals 8000 Hektar großen Waldgebiet sind noch rund 850 Hektar übrig, die es als Symbol zu erhalten gelte. Die Synode sprach sich für einen raschen und planvollen Ausstieg aus dem Braunkohletagebau aus und forderte einen geförderten Strukturwandel für die Region. Der Tagebaubetreiber müsse verpflichtet werden, für die Folgelasten des Tagebaus aufzukommen.

In Initiativanträgen forderten die Synodalen zum einen die Unvereinbarkeit kirchlicher Haupt- und Nebenämter mit einer Kandidatur um ein Mandat für die AfD bei der kommenden Landtagswahl sowie mit der Mitgliedschaft in fremdenfeindlichen, rassistischen oder antisemitischen Parteien und Gruppierungen. Zudem plädierten sie für eine nachhaltige Anlagepolitik und einen Rückzug aus Investitionen in Branchen der fossilen Energieträgergewinnung und Energieerzeugung.

(hewi)