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Kreis Aachen: Erhoffter Schulz-Effekt bleibt bei der SPD aus

Kreis Aachen: Erhoffter Schulz-Effekt bleibt bei der SPD aus

Kreis Aachen. Gehofft hatte er schon auf einen Schulz-Effekt. Dass der Spitzenkandidat der Bundes-SPD für die Europawahl, der seine Heimstatt in Würselen, im Kreis Aachen hat, doch einige Wähler mehr an die Urne bewegen könnte, die ihre Stimme den Sozialdemokraten geben würden.

Schließlich sei Martin Schulz im Kreis ja besonders bekannt. Aber jetzt ist Josef Stiel enttäuscht. „Sehr enttäuscht” sogar. Nachdenklich sitzt der SPD-Kreistagsfraktionschef nach Veröffentlichung der Ergebnisse im Kreishaus und stellt „an einem traurigen Tag” fest: „Der Wähler ist der Souverän, und der Wähler hat gesprochen.”

Und nicht zu knapp: Mehr als zwölf Prozent hat seine Partei im Kreis verloren, auf weniger als 29 Prozent ist die SPD gerutscht. Aus den Ergebnissen, meint Stiel, gelte es für die Kommunalwahl am 26. September zu lernen. „Wir müssen mehr Bürger mobilisieren.” Und: „Wir müssen bei der Wahl die kommunalen Themen in den Vordergrund stellen.” Damit es nicht wieder einen Denkzettel für die Bundespolitik gebe.

Ansonsten gibt es nur Gewinner an diesem Wahlabend. Zufriedene, fröhliche und strahlende Gesichter.

Die Zufriedenen: die CDU. „Wir sind mit Abstand die führende politische Kraft”, stellt Kreisparteichef Axel Wirtz sachlich fest. Kein Anlass zum Überschwang auch bei Landrat Carl Meulenbergh und Kreistagsfraktionschef Klaus Dieter Wolf. Das Ergebnis mit mehr als 45 Prozent und geringfügigen Verlusten gebe mit Blick auf die Kommunalwahl „Grund für Optimismus”, sagt Wolf. Und auch Meulenbergh sieht darin „eine gute Ausgangslage”.

Dennoch: „Keiner sollte glauben, dass der Erfolg programmiert ist. Wir müssen weiter hart arbeiten.” Dass dies in der Vergangenheit geschehen sei, betont Wolf. Denn: „Nur wer gut arbeitet, erzielt auch gute Ergebnisse.” Gut sei die Wahl auch in anderer Hinsicht verlaufen, ergänzt Meulenbergh als Kreiswahlleiter: „Es gab keine Probleme.” Nur die Wahlbeteiligung, die bereitet ihm wie auch den Politikern der anderen Parteien Sorge. Für Wolf ist der Rutsch auf 41,9 Prozent „eine Katastrophe für die Demokratie”.

Die Fröhlichen: die Grünen, die mit über neun Prozent fast eine Verdoppelung des Ergebnisses von 1999 erreichen. „Es wäre klasse, wenn wir das Ergebnis auch in drei Monaten hätten”, hofft Landratskandidatin Aggi Majewsky. Über die Gründe des grünen Europaerfolgs ließe sich nur spekulieren, doch sie hofft, dass es die Themen gewesen seien, die ihre Partei besetzt habe: Gentechnik etwa. Und so soll die inhaltliche Profilierung auch bei der Kommunalwahl Prozentpunkte bringen. Majewsky: „Auch kommunal werden wir eine Alternative zu den festgefahrenen Parteien sein.”

Die Strahlenden: die FDP. Europakandidat Werner Pfeil aus Würselen bekommt die Mundwinkel gar nicht mehr herunter. Die erste Sektflasche ist schon kurz nach 18 Uhr geköpft. Jubel bei den Liberalen über einen Zuwachs von mehr als vier Prozent. „Das ist ein Wahnsinn”, sagt Kreisparteichef Franz-Josef Zwingmann: „Wo früher Diaspora war, haben wir jetzt fünf Prozent.” Das Ergebnis ist, natürlich, ein Ansporn für die Kommunalwahl.

Das sieht auch Olaf Seiler für seine Partei. Ein Prozent vor fünf Jahren, jetzt 1,6. Die PDS werde immer tot geredet, sagt der Kreistagsabgeordnete. Aber die Wahl habe gezeigt: „Auch im Kreis Aachen leben wir noch.”