Eschweiler: Krankheit der Welt macht Künstler zu schaffen

Eschweiler: Krankheit der Welt macht Künstler zu schaffen

Er gilt als kultureller Botschafter der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (DG) - der Künstler Christian Silvain.

Seit Freitag präsentiert nun der Europaverein Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft (GPB) in Kooperation mit der DG im Rahmen des Europaforums „Belgien - Partner in Europa” im Bistro des Hotels „de Ville” einige der Werke des 1950 in Eupen geborenen Malers.

„Von seiner Tante großgezogen und von ihr in seinem Drang zu malen gefördert, begann er bereits als Kind die Ränder der Tageszeitungen mit seinen Zeichnungen zu füllen”, führte mit Ursula Kreusch ein Mitglied der „Stiftung Christian Silvain” in die Werkschau ein.

Sehr früh führte der Weg des Künstlers in die belgische Hauptstadt Brüssel. „Dort lebte er zunächst so, wie man sich ein Künstlerleben vorstellt. Nämlich von der Hand in den Mund, unter einer Brücke schlafend”, so Ursula Kreusch.

Seine Malkunst erarbeitete sich Silvain autodidaktisch, indem er die alten Meister kopierte. So sind seine surrealistischen Werke auf Holz gemalt. Bereits in seiner ersten Schaffensphase spielen die Themen Liebe und Tod, aber auch Kinder eine wichtige Rolle.

„Sein Umfeld in Brüssel machte ihm zu schaffen. Die anhaltende Zerstörung schöner, wertvoller Häuser und der Brüsseler ?Fassadismus brachten ihn dazu, dies in seinen Bildern anzuklagen”, erklärte Ursula Kreusch.

Vermutlich führte die Bekanntschaft mit dem Leiter einer psychiatrischen Anstalt und die Gelegenheit, mit psychisch kranken Menschen in Kontakt zu treten und Beziehungen aufzubauen, zu einem Bruch in seinem künstlerischen Schaffen.

„Die Zwänge und Vorstellungen der Kranken sind inzwischen Gegenstand seiner Werke geworden”, verdeutlichte das Stiftungsmitglied. Doch auch die eigene Kindheit spielt mehr und mehr eine entscheidende Rolle. „Diese Elemente vermischen sich in seinen Collagen”, so Ursula Kreusch, deren Mann Norbert Kreusch Kurator der „Stiftung Christian Silvain” ist.

Diese wurde 1992 gegründet und umfasst 460 Werke des Künstlers, der heute sehr zurückgezogen in Flandern lebt. Seine Arbeiten waren bereits in Erfurt, Peenemünde, Eisenhüttenstadt, im „Centro das Artes Cas das Mudas” in Calheta auf Madeira sowie auf der alten Burg der Grimaldis in Cagnes-sur-mer an der Cote d´Azur zu sehen.

„Wir sind besonders stolz, das sich mit Androulla Vassiliou die Europäische Kommissarin für Kultur und Erziehung ein Bild von Christian Silvain für ihr Büro in Brüssel ausgesucht hat”, schloss Ursula Kreusch ihre Ausführungen.

Zuvor hatte Peter Schöner, Vorsitzender der GPB, neben zahlreichen weiteren Gästen der Vernissage Gudrun Hunold begrüßt, die innerhalb des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich zeichnet. Anita Kloth, Direktorin des Hotels „De Ville”, hieß ebenfalls die zahlreichen Kunstinteressierten willkommen. „Ich freue mich, dass dieses Haus ein ?Haus der Kunst geworden ist”.

Bis Donnerstag, 28. Juli, sind die Werke von Christian Silvain im Bistro des Hotels ausgestellt. Wer weitere Bilder bewundern möchte, kann dies vor Ort in Eupen tun. Dort unterhält die Stiftung ein Haus, in dem rund 50 Werke des Künstlers an jedem ersten Sonntagnachmittag im Monat zu sehen sind.

Nähere Informationen sind bei Gudrun Hunold unter gudrun.hunold@dgov.be zu erhalten.