Kostümsitzung Rote Funken: Ein Abend im karnevalistischen Dreiklang

Kostümsitzung der Roten Funken: Ein Abend im karnevalistischen Dreiklang

Die nächste große Nummer folgt zugleich. Den jecken Sitzungsmarathon setzte nun die größte der Eschweiler Karnevalsgesellschaften fort. Erstmalig in die Festhalle Dürwiß lud die Rote Funken Artillerie Eschweiler e.V. 1913 zur alljährlichen Kostümsitzung – ein Abend, der sich dem karnevalistischen Dreiklang, Musik, Bütt und Tanz widmete.

Bevor die jecke Sitzung so richtig an Fahrt aufnahm, waren die Jüngsten an der Reihe. Die Funkepute, die Pänz der Gesellschaft waren der Eisbrecher. Kinderpräsident Hannes Ortmann animierte zum danze, schwade, fiere und ließ die rot-weiße Schar tanzen. Kindertanzmarie Annabell Dohmen, Jugendtanzmarie Sophie Zimmermann und die Showtanzgruppe waren mit ihren Tänzen die Eisbrecher, bevor die Großen an der Reihe waren.

Potpourri zeitloser Lieder

Und sie kamen in ihrer vollen Stärke. Unzählig die Männer, die mit Säbel und anderen Rangzeichen die Bühne in der Dürwißer Festhalle füllten. Am Ende passten dann doch nicht alle nach oben, so nahm man Platz zum Spalier am Bühnenrand. Der Kommandant Jürgen Rößler und Spieß Dirk Heutz erstatten ihrem Präsidenten Marco Zimmermann Bericht, die Funken waren angetreten und wurden traditionell übergeben. Nachdem die Musikeinheiten der Funken schon beim Einzug Ausdauer bewiesen hatten, gaben sie sodann ein Potpourri zeitloser kölscher Lieder zum Besten. Anschließend stellte sich der tänzerische Funkenblock auf.

Ins Programm stieg zunächst die Stippeföttche Boygroup ein. Getreu ihres Vereinsmarsches ist jeder Mann eine Perle, eine weitere, aber weibliche schritt sodann zur Tat. Tanzmarie Paula Eßers Auftritt mündete in jubelnde Ovationen, als eines der Aushängeschilder vereinte sie in ihrem Auftritt tänzerisches Können, eine besondere Ausstrahlung und akrobatische Elemente.

Esther Münch als „Die singende Putzfrau“ entpuppte sich als Verwandlungskünstlerin. Foto: Manuel Hauck

Trotz kurzer verletzungsbedingter Auszeit wagte sich Shalina Müller mit ihrem Offizier Tim Kothes auf die Bühne. Von den Beschwerden ließ sich das Tanzpaar nichts anmerken, am Ende ihres Auftritts, der mit geworfenen Hebefiguren gespickt war, ertönte sogar „Herzbeben“, ehe das applaudierende Beben folgte. Fließend ging der Block über in die Funkentöchter. Tänzerisch anspruchsvoll präsentierten sich die jungen Damen und auch ihnen brandete Jubel entgegen. Nachdem schließlich die Marketenderin Carina Bauer mit ihren Quespels das Tänzchen zu kölschen Hits wagte, folgte das große Abschlussbild. Nach ihrem viertelstündigen Auftritt als Einheit hatten die Funken ihren Gästen somit die Ehre ehrwiesen.

Weitere Eigengewächse, wie Präsident Zimmermann sie nannte, sollten folgen, doch zunächst begrüßte er die zahllosen Gäste, angefangen bei den Ehrenmitgliedern des Vereins, über politische und kulturelle Vertreter bis hin zu den karnevalistischen Besuchern aus Eschweilers Partnerstädten.

 Anschließend kam ein Engel in den Saal geflogen. Engel Hettwich war weder zart, noch leise. Schon beim Einmarsch übertönte sie alle und ließ auch im Laufe ihres Vortrages keine Zweifel offen, dass sie taff durchs Leben schwebt, auch wenn das Gewicht ihr es nicht immer leicht macht.

Begeisterungsstürme

Bohei machte Bohei. Nach 30 Minuten Vollgas mit ihren eigenen Liedern wie „Süchtig noh Kölsch“ und „Plan B“, aber auch gecoverten Liedern des Kölsch-Rocks, hoffte Zimmermann, dass sie nicht von Köln weggenommen und ihrer Heimatstadt Eschweiler treu bleiben.

Der Gastverein kam in diesem Jahr aus der Indestadt selbst. Das Dorp met H war gekommen, Hastenrath schickte seine Eefelkank auf die Bühne, die mit ihren Aktiven für Begeisterungsstürme sorgten. Zunächst die Eefelmarie Lea Engels, die Killewittchen-Kompanie, das Tanzpaar Sophia Miessen und Manuel Willms sowie die MädcVom hässlichen Entlein zum Schwanhengarde. Mit stehenden Ovationen wurde die Darbietung vom Tanzpaar bedacht, sportlich, akrobatisch und gewiss tänzerisch.

 Musikalisch ging es im Anschluss weiter. Die Original Eschweiler, aus den Roten Funken heraus geboren und das bereits vor 67 Jahren, statteten der Kostümsitzung auch in diesem Jahr einen Besuch ab. Die Big Band mitsamt ihres Bläserensembles und den drei Sängern brachte die Menge zum Tanzen und Singen, auch „Leev Linda Lou“ durfte zum Abschluss nicht fehlen.

Ein weitere eigene Kraft betanzte dann die Bühne. Die Showtanzgruppe „Can’t Stop“ zeigte zu ihrem Motto „Der Traum beginnt! Gut oder Böse – wer gewinnt?“ einen Tanz, der Verschiedenstes verband: Solo- und Gruppenparts, Würfe, Tanzschritte in farbenfrohen Outfits und mit Leuchtröhren. Kunterbunt ging es weiter, der Prinz machte seine Aufwartung, musste allerdings erst einmal durch den Regen von Konfetti und Luftschlagen den Weg zur Bühne finden. Oben angekommen gab es die obligatorischen Geschenke an die und von den Roten Funken, ehe zu den Prinzenliedern gefeiert wurde.

Damit lange nicht genug. Eine Überraschung hatte die folgende Büttenrednerin im Gepäck. Als Putzkraft fortgeschrittenen Alters unterhielt sie die aufmerksamen Gäste bereits bestens, doch als sie sich dann „auszog“ war kein Halten mehr. Vom hässlichen Entlein zum Schwan mutierte sie und präsentierte ihre Stimmgewalt im noblen Abendkleid.

Zu fortgeschrittener Stunde stand ein weiterer Dauergast auf der Bühne. Stabelsjeck, bodenständig und dennoch mitreißend, ließen die Pompons im Elferrat fliegen, vom neuen Räuber-Hit bis Cordula Grün, alle sangen mit.

Das Finale der Sitzung wurde schließlich einerseits theatralisch und andererseits mit vergleichsweisen leiseren Tönen begangen. Die Showtanzgruppe Dancefire aus Lamersdorf zeigte musicalartig einen Totentanz, die Vampire waren erschreckend authentisch auferstanden. Eine moderner Trompetensound inklusive Lasershow erklang am Ende durch Lutz Kniep, der nur mit seinem Instrument darauf verzichtete, die ganz große Bühne zu erklimmen. Er positionierte sich in der Mitte des Saales auf einem Stuhl, das Licht war gedimmt und die Jecken bekamen jene Lieder zu hören, die allseits bekannt und mitsingbar sind.

(mah)
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