Konzert der Städtischen Musikgesellschaft

Konzert der Städtischen Musikgesellschaft : „Mit Dramatik und Tiefgang“

Alt ist sie, die Städtische Musikgesellschaft, deren Grundstein bereits 1862 gelegt worden ist. Alt an Jahren, aber nichtsdestotrotz jung an Ideen und ambitioniert in der Umsetzung derselben. Und einzigartig.

Einzigartig, weil die Städtische Musikgesellschaft der einzige Musikverein weit und breit ist, der über einen großen gemischten Chor und ein eigenes Orchester verfügt. Benachbarte Kommunen schauen daher mitunter ein wenig neidisch nach Eschweiler, sagen die Chorverantwortlichen.

Unvergessen ist unter anderem die Aufführung der Bach’schen Matthäuspassion im März und im Juni das gelungene Open-Air-Experiment „Eschweiler musiziert“, das nächstes Jahr im Juli seine Fortsetzung finden wird. So lange brauchen die Eschweiler Musikfreunde aber nicht auf klassische Musik zu verzichten. Am Samstag, 17. November, beginnt um 19 Uhr in der Pfarrkirche St. Peter und Paul das Jahresabschlusskonzert der Städtischen Musikgesellschaft mit zwei Meisterwerken der klassischen Musik. „Zwei Meisterwerke zwar kontrastierend, aber jeweils mit Dramatik und Tiefgang“, so fasst Jeremy Hulin, der musikalische Leiter der Städtischen Musikgesellschaft das Konzert zusammen. Mit der „Unvollendeten“ von Franz Schubert (1797-1828) und der „Nelsonmesse“ von Joseph Haydn (1732-1809). Ernst und existentiell geht es in Schuberts „Unvollendeter“ zur Sache. „Die Bezeichnung ‚unvollendet’ finde ich persönlich unpassend“, meint Hulin. „Unvollendet ist das Werk nur insofern, als Schubert die formale Grundstruktur einer Sinfonie seiner Epoche ignoriert. Aber musikalisch: vollendet. Denn was könnte noch folgen nach diesen zwei Sätzen visionärer und abgründiger Musik, die das musikalische Genie Schubert mit gerade mal 25 Jahren komponiert hat?“, lässt Hulin keinen Zweifel an seiner Einschätzung dieses Werks.

Das zweite Stück des Abends wird die „Missa in angustiis“ (Messe in Bedrängnis) von Joseph Haydn sein, die Haydn 1798 in seiner letzten Schaffensperiode außergewöhnlich ausdrucksvoll und dramatisch komponierte. Bekannt wurde das Werk, das stark vom Eindruck der napoleonischen Kriege beeinflusst wurde, unter dem Namen „Nelsonmesse“. Als Solisten konnte Jeremy Hulin die Mezzosopranistin Anna Heymann und den bekannten Bassisten Götz Seitz gewinnen. Die Sopranistin Mami van Mulken-Kamezaki und der Tenor Luke Mitchell sind in Eschweiler keine Unbekannten. Man kennt sie von ihren Auftritten in Brittens St. Nicolas voriges Jahr und Bachs Matthäuspassion im März.

Zur Nelsonmesse hat Jeremy Hulin übrigens eine ganz persönliche Beziehung. „Die Nelsonmesse war das erste Werk, das ich als Musikstudent dirigieren durfte. Das ist schon ein paar Jahre her, aber so ganz vergisst man sie nie: die ersten nervösen Schritte zum Dirigentenpult“, erinnert sich Hulin schmunzelnd. Dass aus dem nervösen Studenten von damals ein reifer und souveräner Musiker geworden ist, der es versteht Orchester, Chor und Solisten auf den Punkt fit zu machen, davon sollte man sich am 17. November überzeugen. Karten könnten unter thomas.graff@t-online vorbestellt oder beim Büroausstatter Weyermann in der Grabenstraße erworben werden. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt.

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