Eschweiler: Kommunion: Trockenübung vor dem großen Auftritt

Eschweiler : Kommunion: Trockenübung vor dem großen Auftritt

Der Einzug in die Kirche muss vier-, fünfmal wiederholt werden, damit auch alle Kommunionkinder wissen, wo sie am Sonntag langgehen sollen, um ihren richtigen Sitzplatz in der ersten Reihe zu finden. Dafür sind die Proben wie diese schließlich da. Es ist die erste für die sieben Kinder in Röhe, die am Weißen Sonntag in St. Antonius ihre Kommunion feiern werden.

Pfarrer Michael Datené und Claudia Lausberg haben die Kinder und ihre Familien im letzten halben Jahr inhaltlich auf den großen Tag vorbereitetet. Wenige Tage vor der Kommunion geht es nun um den konkreten Ablauf während des Gottesdienstes. Feinheiten werden geklärt und wichtige Hinweise gegeben: „Haltet die Kerze schön gerade und denkt an den Abstand zum Vordermann, damit wir hier keine lebendigen Fackeln haben“, betont Claudia Lausberg mit einem zwinkernden Auge. Die Kinder lachen und sind gut gelaunt, auch wenn sie bei der Probe nicht wirklich eine Kerze in der Hand halten und nur so tun müssen. Aber die Haltung sitzt.

Pfarrer Michael Datené probt mit den Kindern, die Ausgabe des Leib Christi, noch ohne Hostie (oben). Beim Einzug in die Kirche halten sie imaginäre Kerzen in der Hand (u.l.). Das Haus Gottes wird im Mittelpunkt stehen. Claudia Lausberg guckt gespannt zu (u.r). Foto: Anne Schröder

Angst vor dem Vorlesen

Pfarrer Michael Datené probt mit den Kindern, die Ausgabe des Leib Christi, noch ohne Hostie (oben). Beim Einzug in die Kirche halten sie imaginäre Kerzen in der Hand (u.l.). Das Haus Gottes wird im Mittelpunkt stehen. Claudia Lausberg guckt gespannt zu (u.r). Foto: Anne Schröder

Als alle ihren finalen Sitzplatz gefunden haben, erklärt Pfarrer Datené mit dem Programmbuch in der Hand das weitere Vorgehen am Sonntag. Dazu gehören auch viele Lieder, die ebenfalls geübt werden, wobei die Motivation zum Singen vor allem von den beiden Betreuern kommt. In seinem Amt als Priester begleitet Datené seit 18 Jahren die Erstkommunion, seit 2015 in Röhe. „Ich mache mit euch den Führerschein“, scherzt er vor den Kindern, wobei er schon viele Jahre zuvor Feiern wie diese begleitet hat. „Die Erstkommunion ist immer etwas ganz besonderes. Ich selber bin auch immer noch aufgeregt. Ein bisschen Lampenfieber gehört dazu“, erklärt er.

Auch die Kinder sind nervös und können Hände und Füße bei den Proben nicht immer still halten. „Wenn ihr nicht wisst, was ihr mit den Händen machen sollt, dann faltet sie einfach zusammen“, sagt Datené. Besonders das Vorlesen vor der ganzen Gemeinde am Sonntag macht einigen noch ein bisschen Sorgen, wie sie sagen. Nicht nur Fürbitten werden vorgelesen, sondern auch bei der Aktion der Kommunionkinder während des Gottesdienstes ist ein bisschen Lesetalent gefragt.

„Jesus, wo wohnst du?“

Als Thema für die Erstkommunionfeier steht das Haus im Mittelpunkt. Die Drittklässler stellen die Frage „Jesus, wo wohnst du?“ und zeigen, was für ein stabiles Haus (Gottes) wichtig ist. Dazu verteilt Claudia Lausberg während der Proben kleine Kärtchen mit Texten, die von den Kindern dann vorgelesen werden sollen. Alles wird so geprobt, wie es am Sonntag ablaufen soll. Zwei Kinder kommen dann immer nach vorne, während ein Kind liest, hält das andere ein Bauteil aus Pappe, bevor dieses an das Haus aus Karton geklebt wird.

„Lest die Texte siebenmal laut euren Verwandten vor und nervt sie ruhig damit. Danach sitzen die Sätze“, gibt ihnen der Priester mit auf den Weg. Claudia Lausberg hat bei der Probe immer wieder mitgeschrieben und den Ablaufplan verfeinert. Sie kennt viele „ihrer“ Kommunionkinder schon seitdem diese laufen können. „Ich muss mich in der Messe zusammenreißen, dass ich dann nicht weine. Es ist hoch emotional, wenn man die Kinder so gut kennt“, sagt Lausberg. Auch bei den Vorbereitungstreffen haben sie und Pfarrer Datené die Kinder und ihre Familien noch besser kennengelernt.

Die Struktur ist vor ein paar Jahren umgestellt worden. Seit Herbst vergangenen Jahres fanden an jeweils drei Samstagnachmittagen Treffen statt, in denen es um die Themen Taufe und Gemeinde, Licht und Dunkelheit sowie um Brot ging. Die Konzentration der Vorbereitung auf die Samstage sei vor allem hinsichtlich der wenigen freien Zeit am Nachmittag unter der Woche aufgrund der Ganztagsschulen sinnvoll, erklärt Lausberg. „Das kommt der Familie also sehr entgegen. Sie verbringen dann außerdem einen schönen gemeinsamen Nachmittag zusammen“, ergänzt sie. Zweiwöchige Briefe, die weitere Informationen und Ideen zum Glauben und Kirche vermitteln, konnten die Kommunionsvorbereitung zusätzlich von zu Hause aus ergänzen.

Gerade die halbjährige Vorbereitung vor dem eigentlichen Gottesdienst ist eine besondere Zeit für die beiden Betreuer. „Mir macht es Spaß, den Kindern zu helfen, den Glauben zu entdecken und Begegnung mit Jesus zu ermöglichen“, erklärt Pfarrer Datené. Auch den Kindern scheint dieser Schritt in ihrem Leben besondere Freude zu bereiten, auch wenn es nicht ausschließlich nur mit Gott zu tun hat: „Ich freue mich auch auf das Essen am Sonntag“, erklärt Jens, der dieses Jahr als einziger Junge am Weißen Sonntag in St. Antonius Kommunion feiert. Dort werden die Sieben auch zum ersten Mal an der Eucharistie teilnehmen und den Leib Christi gereicht bekommen.

Auch hierbei gibt es ein paar Regeln zu beachten, die Pfarrer Datené den im Halbkreis aufgestellten Kindern zeigte und vor allem die Haltung der Hände erklärt hat. Dann kam die Trockenübung: Reihum stellte er sich vor die Kommunionkinder, aber statt eine Hostie zu reichen, tippte der Priester erstmal nur mit dem Zeigefinger in die Handinnenfläche der Kinder. Trotzdem saß das „Amen“ der Kinder danach — gelernt ist gelernt.

Finale Probe am Freitag

Nach einer Stunde war die erste Probe vorbei, das Grundgerüst steht so weit. Am Freitag gibt es die finale Probe, in der die Texte noch einmal gelesen, die Lieder geübt und die Sitzordnung verinnerlicht werden kann. „Ich wünsche den Kindern, dass sie einen unvergesslich schönen Tag haben, viel mitnehmen und beim Glauben bleiben. Vielleicht sehen wir sie ja auch danach als Messdiener wieder“, sagt Claudia Lausberg und blickt in die Zukunft.