Interview : Komiker Kalle Pohl präsentiert „Best of“-Programm

Interview : Komiker Kalle Pohl präsentiert „Best of“-Programm

Wäre er in seinem ursprünglichen Beruf geblieben, könnte er nun seine Pension genießen. Der bekannte Komiker Kalle Pohl arbeitete schließlich als Polizist. Heute ist der inzwischen 67-Jährige dankbar dafür, sich für einen anderen Berufsweg entschieden zu haben.

Am 06. Oktober tritt er im Eschweiler Kulturzentrum Talbahnhof auf, das der gebürtige Merzenicher als seinen „Heimathafen“ bezeichnet. Dort wird er ab 20 Uhr sein neues „Best of“-Programm präsentieren. Es ist jedoch mehr als eine Zusammenfassung der vergangenen Jahrzehnte auf der Bühne. Im Gespräch mit Redakteur Patrick Nowicki schildert Kalle Pohl, warum er noch lange nicht ans Aufhören denkt, was er von den Protesten am Hambacher Forst hält und wie sein bekannter Alter Ego Hein Spack die aktuelle politische Lage beurteilt.

Sie haben mit 67 Jahren das offizielle Rentenalter erreicht. Denken Sie schon an Ruhestand?

Pohl: Ich bin mit Leib und Seele Spaßhandelsreisender, da kann ich nicht so einfach aufhören.

Also das Best-of-Programm ist nicht als Abschluss gedacht…

Pohl: Ich sage am Ende des Programms, dass dies die letzte Tournee nach einem langen, erfüllten Bühnenleben sei. Danach kommt dann die allerletzte, dann die definitiv allerletzte, es folgt die ultimativ, definitiv allerletzte und so weiter…

Sie stehen manchen Fernsehformaten kritisch gegenüber, dabei kennen Sie viele aus der RTL-Show „Sieben Tage, sieben Köpfe“. Sehen Sie die Teilnahme an dieser Fernsehsendung in Nachbetrachtung als Segen oder als Fluch?

Pohl: Überwiegend ist es ein Segen, auch wenn ich dadurch in eine Schublade gesteckt wurde. Für viele war ich der kleine Witzeerzähler. Wenn ich zurückdenke, dann erinnere ich mich an die Anfangsjahre, wo man im Anschluss nach der Aufzeichnung dermaßen tolle Abende erlebt hat, die man besser auch aufgezeichnet hätte. Beim Soloprogramm meinten viele damals: Wo sind die anderen von „Sieben Tage, Sieben Köpfe“? Deutschland ist halt ein Schubladenland. Deswegen wird man wahrscheinlich nie erleben, dass ein Komödiant mal einen Mörder in einem Tatort spielt.

Würden Sie das gerne machen?

Pohl: Warum nicht? Das wäre doch mal etwas: ein humorvoller Mörder mit Witz. Allerdings dürfte das schwierig werden. Ich spiele derzeit viele Komödien im Boulevard-Theater. Für die Theaterschaffenden an den subventionierten staatlichen Bühnen ist das natürlich ganz unten. Solche Unterschiede gibt es nur bei uns, die bestehen weder in den Vereinigten Staaten, noch in England, noch in Frankreich. Aus Frankreich stammen die besten Komödien überhaupt. Was dort nebenbei eingebaut wird, sieht man hier nicht selten in einem kompletten deutschen Stück.

Haben Sie sich als Komiker auf der Bühne im Laufe der Jahre verändert?

Pohl: Ich möchte immer noch die Menschen zum Lachen bringen und unterhalten. Der Hauptschreiber der Münchener Lach- und Schießgesellschaft sagte schon in den 60er Jahren: Die drei wichtigsten Dinge im politischen Kabarett sind Witze, Witze, Witze. Ich bin vielleicht ein bisschen politischer im neuen Programm geworden, weil mir eine Partei im Bundestag ziemlich auf den Keks geht. Dies ist mir wichtig.

Was würde denn Ihre vielleicht bekannteste Figur, Ihr Vetter Hein Spack zur aktuellen politischen Lage in Deutschland sagen?

Pohl: Er wird sich in einer Talkrunde zum Diesel-Skandal äußern. Darin spiegelt sich der ganze Irrsinn wider: Zunächst war VW am Pranger. Das Unternehmen musste dann in den USA — nicht in Deutschland — Strafe zahlen und hat das Problem ausgesessen. Jetzt ist der Dieselfahrer der Böse. Ich wohne in Köln-Porz und erlebe täglich, wie viel Dreck Flugzeuge ausstoßen. Ein Kreuzfahrtschiff verursacht genau so viele Schadstoffe wie fünf Millionen Dieselfahrzeuge. Da spricht kein Mensch drüber.

Mit wem sitzt Hein Spack denn in der Runde?

Pohl: Mit Horst Seehofer und Franz Walter Steinmeier, die leere Worthülsen von sich geben. Mit Verlaub, ich habe Herrn Steinmeier noch nie etwas abgewinnen können. Der hat als Außenminister in etwa so was von sich gegeben wie: Es kann nicht sein, dass es keinen Frieden gibt. Da wäre ich im Leben nie drauf gekommen. Am Ende meldet sich Hein Spack dann zu Wort und sagt nur drei Worte: Dumm Säu alle! Recht hat er, wir werden schließlich tagtäglich überschüttet mit Geschwätz. Da wundert es nicht, dass die Menschen gefrustet sind und manche eben AFD wählen. Wenn man allerdings dort genauer hinschaut, erkennt man: Die von der AFD haben so gut wie keine Ahnung von Wirtschaft, Finanzen, Sozialpolitik und anderen wichtigen Gebieten. Ich sehe da vorwiegend Trittbrettfahrer, die Karriere machen auf Kosten der Steuerzahler!

Das klingt auch nach Medienkritik.

Pohl: Ich habe das Gefühl, dass eine galoppierende Verdummung stattgefunden hat. Das hat mit vielen Dingen zu tun. Ich finde, dass Menschen, die eine Sendung wie die „Geißens“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ entwickeln, bestraft werden müssten. Da werden den Leuten Hirngespinste eingepflanzt. Dies alles trägt zur Verblödung bei.

Was tun Sie dagegen?

Pohl: Ich will mich nicht als Heilsbringer auf die Bühne stellen. Meine Vorbilder sind Stan Laurel und Oliver Hardy. Sie halten wie Till Eulenspiegel den Menschen einen Spiegel vor. Ich versuche auch über meine eigenen Fehler zu lachen. Die Zeiten, dass ich wie in den 70er Jahren die Welt radikal verändern will, sind vorbei.

Sie stammen aus Merzenich, waren früher Polizist: Was sagen Sie zu den Vorfällen in ihrer alten Heimat am Hambacher Forst?

Pohl: Die machen mich sauer und auch ratlos. Ich bin heute sehr froh, nicht mehr als Polizist arbeiten zu müssen. Das ist ein sehr schwerer Job. Gut, die Pension eines Polizeibeamten hätte ich jetzt gerne. Ich habe Verwandte in Merzenich wohnen, deren Haus sich verschoben hat. Man kann auch dort wieder den Diesel-Skandal heranziehen: Erst werden die Diesel-Fahrzeuge alle verschrottet, demnächst dann die Benzin-Fahrzeuge und wir kaufen brav Elektrofahrzeuge. Aber wo soll dafür der Strom herkommen? Wahrscheinlich werden wir dann die Atomkraftwerke in Frankreich und Polen anzapfen. Das ist der Wahnsinn!

Gibt es Freundschaften im Komiker-Geschäft?

Pohl: Ich fürchte, das ist wie bei den Autokonzernen. Wenn einer den anderen rausschubsen kann, dann macht der das. Es besteht vielleicht die eine oder andere Freundschaft. Aber wenn man Freunde finden will, dann sollte man nicht in der Medienlandschaft suchen.

Zum Eschweiler Talbahnhof haben Sie jedoch eine besondere Beziehung…

Pohl: Ja, das ist mein Heimathafen. Seit den 90er Jahren bin ich regelmäßig dort auf der Bühne, ich gehöre auch dem Verein an. Ich gehe immer wieder gerne dahin. Das tut meiner Seele gut. Ich habe inzwischen den Vorteil, mir die Bühnen aussuchen zu können. Da ich zudem viel Theater spiele, bin ich bis 2020 ausgebucht. Dies ist als Freiberufler ein riesiger Luxus. Deswegen werde ich mit meinen Soloprogrammen nur dort auftreten, wo ich mich wohl fühle.

Wenn Sie den Kulturwirt des Talbahnhofs, Walter Danz, am 6. Oktober wiedersehen, was werden Sie ihm als erstes sagen?

Pohl: Ich werde ihn anmahnen, weil er mir im vorigen Jahr versprochen hat, dass er zu mir nach Köln kommt und wir eine Kleinigkeit trinken. Das hat noch nicht stattgefunden. Aber vielleicht kommt er mit seiner lieben Frau Agnes im Dezember nach Bonn ins Contra-Kreis-Theater zu meiner Premiere mit Charlys Tante — eingeladen sind die beiden dann auf jeden Fall.

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