Kohle: Eschweiler Bürgermeister fordert Sachlichkeit

Diskussion um Braunkohle: Bürgermeister Bertram: Grabenkämpfe gefährden die „Riesenchance“

Die Diskussionen um den Hambacher Forst sind auch in Eschweiler, einige Kilometer entfernt, ein großes Thema. Kein Wunder, arbeiten doch viele Indestädter beim Energiekonzern RWE, der in Weisweiler das Kraftwerk und den Tagebau Inden betreibt.

Bürgermeister Rudi Bertram machte in den vergangenen Tagen immer wieder klar, dass das Ende der Braunkohleverstromung absehbar sei. Er kritisiert die ideologisch geführte Debatte.

Dem schloss sich auch der Betriebsrat des Kraftwerks Weisweiler an. „Wir wollen alle die Energiewende positiv begleiten, aber sie muss so gestaltet werden, dass sie für alle Beteiligten Sinn macht“, sagt Dietmar Krauthausen vom Betriebsrat.

Am Donnerstag waren zahlreiche Vertreter aus dem Rheinischen Revier an einer Demonstration in Weißwasser beteiligt. In der Lausitz tagten die Mitglieder der Strukturkommission, die den Strukturwandel vorbereiten und bis Ende des Jahres es Ausstiegsszenario aus der Braunkohleverstromung zeichnen soll. Die Kumpel aus dem Revier wollten ein Zeichen setzen. Am 24. Oktober steht der Besuch der Kommission im Westrevier an, auch dazu rufen die Gewerkschaften und Kumpel zu Protesten auf.

In Sozialen Netzwerken prallen die Positionen seit Wochen aufeinander. Als die Fraktionsvorsitzende der Grünen im NRW-Landtag, Monika Düker, bei Twitter ein Plakat mit dem Titel „Ob Nazis oder Kohle - braun ist immer scheiße“ veröffentlichte, reagierte Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram: „Ihr Tweet ist für jeden Kumpel und dessen Familie ein Schlag ins Gesicht! Entschuldigen Sie sich und treten Sie sofort zurück!“, schrieb Eschweilers Verwaltungschef bei Facebook. Die Grünenpolitikerin reagierte auf ihrer Homepage: „Bei der Anti-Kohle-Demo am 6. Oktober am Hambacher Wald habe ich ein Transparent abfotografiert und über Twitter verbreitet, dessen Aussagen geeignet sind, Mitarbeiter in der Braunkohleförderung zu diffamieren und sie in ihren Gefühlen zu verletzen. Dass das so wahrgenommen werden konnte, habe ich in diesem Moment nicht erkannt. Dafür entschuldige ich mich, insbesondere bei allen Beschäftigten im Rheinischen Revier und in der Lausitz. Es war ein großer Fehler, diesen Tweet so abzusetzen.“

Bertram selbst wehrt sich dagegen, dass Eschweiler nur als Braunkohle-Stadt wahrgenommen werde. „In Eschweiler steht einer der größten Windparks in der Städteregion Aachen. Die Installation des Windparks wurde übrigens von Bündnis 90/Die Grünen abgelehnt, da der Energiekonzern RWE beteiligt war“, sagt Bertram. Er kritisiert die ideologischen Grabenkämpfe, die derzeit im Zusammenhang mit dem Hambacher Forst und der Energiewende geführt werden. Dies führe zur Polarisierung und stärke die AfD, die dem Klimawandel populistisch begegne und nur verkünde, dass alles so bleiben solle, wie es ist.

Im Eschweiler Rathaus setzt man auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit RWE. Bertram selbst ist Mitglied des Aufsichtsrats von RWE Power. „Der Konzern ist verpflichtet, die Flächen und die Landschaft nach dem Kohleausstieg so zu gestalten, dass hier eine Nutzung für die Menschen, aber auch für die Natur, sowie eine räumliche Entwicklung sichergestellt ist“, stellt Bertram klar. Einige Projekte habe man in Eschweiler schon umgesetzt. Als Beispiele nennt er die Faktor-x-Siedlung und Gewerbegebiete wie das interkommunale mit der Gemeinde Inden. Den Strukturwandel bezeichnet es als „Riesenchance“ für die Stadt.

Dieses Gewerbegebiet liegt unmittelbar neben dem Weisweiler Kraftwerk. Dort erklärte der RWE-Power-Vorstand den Mitarbeitern das weitere Vorgehen des Konzerns. Tenor: „Wir wollen weiterhin sachlich und friedlich unsere Argumente vorbringen“, teilt Krauthausen mit.

(pan)
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