Eschweiler: Kölsch Tön‘ bei Sommerhitze

Eschweiler: Kölsch Tön‘ bei Sommerhitze

Karneval bei tropischen Temperaturen — das gibt es nicht nur in Rio, sondern auch in der Indestadt. Zum ersten Mal fand am Samstag die Veranstaltung „Sommerjeck — Die Karnevalsparty“ im Talbahnhof statt, bei der bekannte und neue Künstler aus dem Rheinischen Karneval ihr Talent zeigten.

„Sommerjeck ist für Jecken, Literaten und Programmgestalter aber auch für alle, die auf gute Unterhaltung und Live-Musik nicht verzichten wollen“, begrüßte Moderator René Bäcker das Publikum.

Die Gruppe „6 Kölsch“ rundete mit ihrem Auftritt die Veranstaltung im Talbahnhof ab und erntete viel Applaus. Foto: Sonja Essers

Veranstaltet wurde die jecke Party von den Rheinland-Gastspielen Ludes und der Agentur Indeland-Event um Andreas Bergs. Auf Titel wie „Am Bickendorfer Büdche“ und „Du be Kölle“ stimmten sich die Gäste auf den Abend ein, klatschten und schunkelten bereits vor Beginn der Veranstaltung fleißig. Zwar platzte der Talbahnhof nicht aus allen Nähten, jedoch stellte sich heraus, dass die Anwesenden allesamt echte Sommerjecken und keine Schönwetterkarnevalisten waren. Das bemerkte nicht nur Moderator René Bäcker, der an diesem Abend souverän und charmant durch das bunte Programm führte.

Über die tolle Stimmung im Saal freuten sich auch die Auftretenden selbst. Sie machten kein Geheimnis daraus, dass sie vom Eschweiler Publikum mehr als angetan waren. Und dieses zeigte sich von seiner besten Seite. Kaum ein Künstler verließ die Bühne ohne Zugabe. Zwar verschob sich der angesetzte Zeitplan so immer weiter nach hinten, jedoch war dies für Publikum und Künstler eher zweitrangig. Auch nach ihren Auftritten blieben viele Auftretende noch, um gemeinsam mit dem Publikum zu feiern.

Als „Eisbrecher“ fungierte an diesem Abend die Gruppe „Joker Colonia“, die das Publikum mit bekannten Liedern wie „Sulang die Botz noch hält“ zum Mitmachen animierte. Anschließend hatte Roland Paquot, der in der Karnevalssession als „Tulpenheini“ unterwegs ist, die Lacher auf seiner Seite. Besonders angetan waren die Gäste von der 6-köpfigen Formation „Altreucher“. Ihre Songs gingen unter die Haut und lösten bei dem ein oder anderen Gänsehaut pur aus. Für ihren tollen Auftritt wurden sie vom Publikum mit besonders viel Applaus belohnt.

Dass Applaus das Brot eines jeden Künstlers ist, weiß auch Kai Kramosta. Als „Ein Pfundskerl“ eroberte er mit seiner selbstironischen Rede die Indestädter im Sturm und löste Lachtränen aus. „Applaus ist wie ein BH. Man braucht ihn nicht unbedingt, aber er hebt die Sache ungemein“, meinte der 29-Jährige. Auch mit seinen Parodien von Reiner Calmund und Ottfried Fischer konnte er begeistern, sodass das Publikum gar nicht genug von ihm kriegen konnte.

Fastelovend mit Gänsehaut

Eine Gruppe, die bereits seit vielen Jahren im Karneval unterwegs ist, sind die „3 Söck“. Mit ihren Titeln „Wie kommt der Affe auf die Giraffe?“ und einer kölschen Version von Andreas Gabaliers Hit „I sing a Liad für di“ brachten sie den Talbahnhof zum Beben. Doch sie konnten auch anders. „Fastelovend hat auch etwas mit Gänsehaut und Sentimentalität zu tun“, meinte Frontmann Detlef Lauenstein, der sich bei einem „verdammt aufmerksamen Publikum“ bedankte.

Auch der nächste Programmpunkt war etwas ganz Besonderes. „Nach dieser Veranstaltung können sie sagen, dass es ein hochkultureller Abend war“, kündigte Moderator René Bäcker den nächsten Künstler an. Tino Selbach betrat als „Der Kölsche Tenor“ die Bühne und zeigte den Zuhörern, dass sich Karneval und Oper gut miteinander verbinden lassen. In Liedern wie „Ich ben ene kölsche Jung“ und „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ konnte Selbach seine außergewöhnliche Stimme präsentieren und zeigte, dass er auch die Hüften schwingen kann.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Gruppe „6 Kölsch“, die eigene Titel wie „Drink met“ und „Männer mit 50“ im Gepäck hatten. Auch nach der Veranstaltung zeigten sich die Besucher begeistert. Nicht nur aus der Indestadt, sondern auch aus Stolberg, Jülich und sogar aus Köln waren die Gäste angereist. Diana Fluch kommt aus Jülich. „Die Stimmung war toll und die Künstler waren wirklich super“, meinte sie. Auch der Indestädter Guido Streußer lobte die Veranstaltung, die seit drei Jahren in verschiedenen Städten in Nordrhein-Westfalen gastiert. „Es war eine super Veranstaltung, die nächstes Jahr hoffentlich wieder stattfindet“, sagte er und fügte hinzu: „Ich finde es nur schade, dass nicht nur wenig, sondern so gut wie gar keine Vereine aus Eschweiler anwesend waren — die haben wirklich etwas verpasst.“

(se)
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