Kneipengottesdienst mit Bischof Helmut Dieser

Kneipengottesdienst in Eschweiler : An Tagen mit Dieser...

Wie unterhaltsam und gleichzeitig ernsthaft Kommunikation zwischen Kirche und Gläubigen aussehen kann, bewies am Sonntag die zweite Auflage von „Heute bei Dir“. In Michael Essers Kneipe „Mexi & Co“ am Markt fanden sich erneut rund 200 Menschen ein, die einmal einen Gottesdienst der anderen Art erleben wollten.

Als besonderer Clou wirkte diesmal gar der Besuch von Bischof Helmut Dieser, der sich dieses Begegnungs-Ereignis nicht entgehen lassen wollte. Nach einem gut 20-minütigen Wort-Gottesdienst hatten die Besucher der Veranstaltung Gelegenheit zum Talk mit dem Bischof.

Gemeindereferentin Petra Minge, Diakon Günter Schiffeler und Pfarrer Michael Datené kreierten einen Gottesdienst ganz nach dem Geschmack der Gäste, die sich zwischen einem kühlen Bier und musikalisch bestens begleitet von den Inde-Singers dennoch mit allem notwendigen Respekt auf ein kirchliches Thema einließen. Und das begann mit einem Crash-Kurs in Griechisch. „Oikos“, das hellenische Wort für Haus, bezeichnet gleichzeitig auch die unmittelbare Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft des Menschen, in dem er sich befindet.

Selbst entfernte Kulturen, wie etwa die japanische, unterscheiden fein säuberlich in ein Sozial-System des eigenen „Hauses“ und der weiteren Umgebung. Wie wichtig die eigene unmittelbare Umgebung jedes Gläubigen mit Familie, Arbeitsplatz, Freundeskreis oder Verein ist, darum drehte es sich am Sonntag im Kern von „Heute bei Dir“. Mithilfe kurzer Geschichten, Gleichnisse und einem kurzweiligen Animationsfilm gaben Pfarrer Datené und sein Team Denkanstöße zum christlichen Verständnis der Begriffe Haus und Lebensumfeld.

Bischof Helmut Dieser, warmherzig begrüßt vom Publikum, gab zu, dass er an einer Premiere teilnahm: Es war sein erster Kneipen-Gottesdienst. Er lobte die Idee und Authentizität der Initiative und wünschte sich „mehr davon“. „Heute bei Dir“ sei ein Prozess des Aufbruches, in dem auch mal Neues gewagt wird. Das Evangelium, so Bischof Dieser, gehöre mitten hinein in die Lebenswirklichkeit. Die wichtigen Fragen des Daseins, mithin die Fragen nach der eigenen Identität, stellten sich jedem Menschen auf seiner Reise durchs Leben. Was also tun, wenn man bei dieser Reise Schiffbruch erleidet?

Mauern überwinden

Hier liefere das Evangelium die passenden Antworten. Und diese Antworten gebe man am besten, indem man die Mauern der Kirche und Pfarrhäuser überwindet und in den „Oikos“ der Menschen eintritt. Die aktuelle Aktion „Heute bei Dir“, erläuterte der Bischof, sei zunächst einmal auf drei Jahre ausgelegt. In einer zweiten Phase gelte es, möglichst viele Chancen einer modernen Kirche zu erkennen. In Phase Drei heißt es dann, die notwendigen und gewünschten Veränderungen auch zu realisieren. Das sei schon ein großes Abenteuer, denn es gehe ja um ein ganzes Bistum.

Das Bistum Aachen ist zurzeit immerhin die Heimat von einer Million Katholikinnen und Katholiken. Einige der Gläubigen hatten schließlich auch die Gelegenheit zur direkten Fragestellung an Helmut Dieser. Sie drehten sich unter anderem um Ökumene, Riten und Traditionen und das Verhältnis der Kirche zu ihren vielen ehrenamtlichen Helfern.

Die Idee von „Heute bei Dir“ funktioniert wohl deswegen, weil es reichlich Berührungspunkte zwischen Kirche und Kultur im Rheinland gibt. Singen, Feiern, Gemeinsamkeit erleben sind keine exklusiven Domänen von Kirche oder Karneval. In einer ungezwungenen Atmosphäre wie der Kneipe ließ sich dies alles bestens miteinander verknüpfen. Vielleicht liegt es daran, dass die liturgischen Zwänge und das strenge Korsett der gewohnten Messe einmal bewusst aufgebrochen wurden.

Bischof, Organisationsteam und Besucher waren sich einig: das war nicht nur ein bloßes Experiment, sondern hoffentlich der Startschuss für eine nachahmenswerte Reihe weiterer guter Ideen, um Brücken zwischen Menschen zu schaffen.

(psi)
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