Kneipe "Zur Bunten Maus": Olaf Göhler organisiert CSD in Weisweiler

LGBTQ-Community : Kneipenbesitzer organisiert Christopher Street Day in Weisweiler

Olaf Göhler betreibt in Weisweiler seit Beginn des Jahres die Kneipe „Zur Bunten Maus“. Gemeinsam mit Bernd Uecker hat er sich dort etwas einfallen lassen, was ganz Weisweiler in einen bunten Ort verwandeln soll: einen Christopher Street Day (CSD).

Der aus Großstädten bekannte Tag richtet sich vor allem an Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen (LGBTQ), aber auch jeder Heterosexuelle ist eingeladen, mitzufeiern und für die Rechte dieser Gruppen zu demonstrieren.

„Ich bin selbst homosexuell und weiß, dass es hier wenig Angebote für uns gibt“, sagt Göhler. Als Wirt habe er mit Uecker überlegt, welche Events Menschen in seine Kneipe, aber auch nach Weisweiler locken könnten. Seit Eröffnung am 23. Februar bietet Göhler einmal monatlich einen Abend „Gay & Friends“ (Deutsch: Schwule & Freunde) an. Dort habe er bereits viele aus der LGBTQ-Gemeinschaft kennengelernt – und war erstaunt über den Zulauf. „Ich wusste gar nicht, dass es hier im Umkreis doch so viele von uns gibt“, sagt Göhler. Da habe er die Idee mit dem CSD gehabt.

Seit März haben Göhler und Uecker intensiv an der Planung gearbeitet. „Wir möchten den Menschen hier zeigen, dass wir da sind und eine Gleichberechtigung für alle wollen“, betont Uecker. Deshalb haben sie einen Umzug durch Weisweiler geplant, für den sich schon rund 300 Interessierte gemeldet haben. Die Genehmigung dazu liegt bereits vor. Die Planung hat Göhler und Uecker aber häufiger vor Schwierigkeiten gestellt. „Wir sind ja Anfänger in diesen Sachen, deshalb wurden wir von Albert Borchardt unterstützt“, erzählt Uecker lachend.

Borchardt ist Fraktionsvorsitzender der Linken und kommt aus Weisweiler. Deshalb hat er sich engagiert und mit seinen Kontakten geholfen. Unter anderem konnte er Bürgermeister Rudi Bertram als Schirmherrn gewinnen. Die Weisweiler Bürger will er ebenfalls mitnehmen. Er habe mitbekommen, dass viele sich unter dem CSD nichts vorstellen könnten. Deshalb stellt Borchardt klar: „Wichtig ist: Es ist kein Karnevalsumzug. Es gibt einen politischen Teil mit dem Demonstrationszug und das anschließende Straßenfest mit Partyprogramm.“

Vor dem Umzug werden Göhler, Uecker und Borchardt eine Ansprache halten. Das anschließende Programm findet hauptsächlich hinter der Kneipe von Olaf Göhler statt. Dort werden bekannte Musiker aus der Szene auftreten. Zudem sind Travestiekünstler angekündigt, unter anderem Miss Oranija – die Kunstfigur von Kneipenwirt Olaf Göhler höchstpersönlich. Er möchte die Leute damit berühren, wie er sagt.

„Mein Leben ist kunterbunt, und das spiegelt sich auch in der Kneipe und dem CSD wider“, betont Göhler. Aber häufig werde man in eine Schublade gesteckt, ohne über Probleme zu reden. Um das zu ändern, hoffen er und seine Mitstreiter nach dem ersten CSD auf eine Fortsetzung im kommenden Jahr. „Es soll keine einmalige Veranstaltung sein“, sagt Borchardt, „ich hoffe auf eine Initialzündung im Dorf.“

Beim CSD-Umzug das Gespräch suchen

Damit die Menschen in Weisweiler das auch wollen, hat Uecker sich für den Tag schon viele Gespräche vorgenommen. Beim Umzug will er mit durch die Straßen gehen und mit vielen Leuten Kontakt aufnehmen. „So eine Veranstaltung ist für ein Dorf erst mal seltsam, aber ich bekomme schon einiges an Interesse mit“, sagt er. Deshalb wolle er auch Leute motivieren, ein bisschen zu dekorieren oder vielleicht sogar spontan mitzugehen.

Das erhofft sich auch Albert Borchardt, der sich freut, dass im Dorf etwas passiert. „Der Weisweiler ist schon ein neugieriger Mensch“, sagt er. Mit dem CSD wolle er noch mehr zeigen, dass die Welt bunt ist. „Weisweiler ist ein lebendiger und vielfältiger Ortsteil.“

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