Eschweiler: Klein-Lilly haut den künftigen Prinz Patrick I. um

Eschweiler: Klein-Lilly haut den künftigen Prinz Patrick I. um

Die Erfüllung des Kindheitstraumes rückt immer näher! Noch sechs Wochen, dann regiert die designierte Tollität Patrick Nowicki mit seinem Zeremonienmeister Michael Körfer das äußerst närrische Völkchen der Indestadt.

Am Freitagabend überstellten die Jecken der Narrengarde Dürwiß ihren Präsidenten samt „Zerm“ im Rahmen einer tollen Kürung vor vielen Gästen in der Festhalle Dürwiß an das Karnevalskomitee der Stadt Eschweiler. Ein knapp fünfstündiges Programm gespickt mit Tanz und Spaß, aber auch mit bewegenden Momenten sowie Redebeiträgen, die darauf hinwiesen, dass es mehr als ausschließlich „Jux und Dollerei“ bedeutet, für fünfeinhalb Wochen die Insignien der „Fastelovends-Macht“ zu tragen, gab einen Vorgeschmack, der Lust auf mehr machte.

„Für uns stellt dieser Abend ein ganz besonderes Ereignis dar. In der 81-jährigen Geschichte der Narrengarde Dürwiß gab es erst vier vergleichbare Momente“, erinnerte Thorsten Schnitzler, Vizepräsident der Narrengarde, zur Begrüßung der Gäste an die jeweils vier „innergesellschaftlichen“ Vorgänger des designierten Prinzengespanns.

Dieses hielt nur Momente später gemeinsam mit den besseren Hälften Dagmar (Nowicki) und Susanne (Körfer) Einzug in die Festhalle, die sich augenblicklich in ein Tollhaus verwandelte. „Die beiden werden die Stadt rocken! Wir übergeben euch ein tolles Team! Lieber Norbert, sie gehören euch!“, vollzog Thorsten Schnitzler die Trennung (auf Zeit) mit Freude.

„Herzog Tareblatt“

Der angesprochene Komiteepräsident bedankte sich breit schmunzelnd und gab einen humorvollen Lebenslauf der Tollität in spe zum Besten: 17316 Tage (plus nun drei) sei es her, dass diese im St.-Antonius-Hospital zu Eschweiler das Licht der Welt erblickt habe.

„Damals war dies dort tatsächlich noch möglich. Und schon unmittelbar nach dem ersten Schrei soll bei dem einen oder anderen der Verdacht aufgekommen sein, dass das Mündchen von Patrick ein wenig vergrößert sein könnte“, wusste der Komiteepräsident aus dem Nähkästchen zu plaudern. In St. Silvester Lohn habe dann die karnevalistische Laufbahn begonnen, die beim FKK (Förderkreis Kinderkarneval) in Kinzweiler weiter Fahrt aufgenommen und den gebürtigen Dürwisser schließlich zurück in den Schoß der Narrengarde geführt habe, bei der er seit inzwischen 15 Jahren das Amt des Präsidenten „hervorragend“ ausübe.

Beruflich gehöre er nicht der redenden, sondern der schreibenden Zunft an. „Ein Grund, er hasste schon immer das Aufstehen zu früher Stund“, erklärte Norbert Weiland, ohne die Quelle dieser unumstößlichen Wahrheit preiszugeben. Den früheren Meier-König vom Schneckes habe dann in einer Domstadt Amors Pfeil getroffen, worauf er ein echt kölsches Mädchen mit an den Indestrand gebracht habe. Nun erfülle sich mit der Proklamation zum „Prinz Karneval“ am 6. Januar des kommenden Jahres ein von Kindesbeinen an gehegter Lebenstraum Patrick Nowickis.

„Die darauffolgenden fünfeinhalb Wochen werden für dich eine Traumreise darstellen“, prophezeite Norbert Weiland, der der designierten Tollität einige wohlgemeinte Ratschläge mit auf den Weg gab. „Vermeide unnötige Schlagzeilen und schenke auch und vor allem den Kleinanzeigen Beachtung. Schreibe deine Geschichte mit Herz und Seele. Halte nicht nur die vermeintlichen Titelhelden im Blick, sondern schenke den unzähligen sogenannten Nebenrollen und Statisten die Aufmerksamkeit, die sie verdienen“, so der Komiteepräsident, der die angehende Tollität mit der Verleihung des Titels „Herzog Tareblatt - van de Kaffemöll bes nom Broicher Hof“ schonmal vorsorglich in den Adelsstand erhob, um sich anschließend dessen treuestem Begleiter in Sachen Fastelovend zu widmen.

„Ohne Zeremonienmeister seit jeher kein Prinz“, rief Norbert Weiland seinen Zuhörern die Bedeutung des Amts, das bald von Michael Körfer ausgefüllt werden wird, ins Gedächtnis. „Als Fußballer der Germania habt ihr beide den Ball drangsaliert. Wobei du, Michael, als Anhänger des 1. FC Köln unter Beweis stellst, dass du Fußballer mit Herz und noch mehr Verstand bist“, erntete Norbert Weiland zustimmendes Kopfnicken im Auditorium. Über die Stationen Kinderpräsident und Gardetanz habe sich Michael Körfer zum gestandenen Mann und bald schon gestandenen Zeremonienmeister entwickelt. Dem kinderlieben Industriemechaniker, den RWE seit langem an der Backe habe, verlieh Weiland den närrischen Adelstitel „Graf Nanny - vam Eischwiele Pättche bes am IGP“ verlieh.

Bürgermeister Rudi Bertram bat das zukünftige Prinzengespann eindringlich, alle Indestädter und womöglich auch Menschen über die Stadtgrenzen hinaus „mitzunehmen“. Gerade dies zeichne die Eischwiele Fastelovend aus. „Geht mit offenen Herzen auf die Menschen zu“, so der Wunsch des Verwaltungschefs, dem in Richtung Patrick Nowicki noch etwas mehr einfiel.

„Mir ist eben bewusst geworden, dass du nun mir als Komiteemitglied unterstellt bist. Und wenn ich dir am 6. Januar den Stadtschlüssel übergebe, dann trägst du die Verantwortung. Eigentlich könnte ich ja dann mal in der Redaktion vorbeischauen...“, so ein Gedanke von Rudi Bertram. Die Antwort von „Herzog Tareblatt“ ließ (natürlich) nicht lange auf sich warten: „Ab dem 6. Januar ist der Bürgermeister mein Angestellter. Eine verantwortungsvolle Entscheidung meinerseits könnte sein, den Aschermittwoch diesmal ausfallen zu lassen!“

Dem zuvor als „Bühnenprofis“ bezeichneten angehenden Prinzengespann sei aber bewusst, dass die nahe Zukunft einen einmaligen Traum darstelle. „Uns kommt es so vor, als fielen ein Pontifikalamt, der Geburtstag, die Taufe und die Hochzeit auf einen einzigen Tag“, erklärte Patrick Nowicki. „Michael und ich stellen in den kommenden Wochen die Zeiger einer Uhr dar, die sich drehen. Dies geschieht aber nur, wenn im Hintergrund unzählige Rädchen ineinandergreifen. Wir freuen uns auf eine wunderschöne Zeit mit all diesen Rädchen, mit euch“, betonte die designierte Tollität unter dem Beifall der Gäste.

Dann folgte ein Programm, das vor Einfallsreichtum nur so sprühte: Die Musiker des Trompetenkorps „Die Kaafsäck“ ließen unter der bewährten Leitung von Dieter Kaltenbach unter anderem die weltberühmte Melodie „Ich bete an die Macht der Liebe“ im Funk-Rhythmus hören.

Redner-Legende Josef „Jupp“ Körfer verkündete nicht nur, mit dem Gedanken zu spielen, sich für das Prinzenamt im Jahr 2048 zu bewerben, sondern riss das Publikum mit dem Lied „Eischwiele, met Prenz en Zerm“ stimm- und quetschbüllgewaltig zu Beifallsstürmen hin. Kinderpräsident Fabian Wings präsentierte die tänzerisch überzeugende Jugendgarde und ließ auch das Jugendtanzpaar Theresa Getz/Philipp Martinett von der Leine. Die Leistung des Duos bezauberte bei weitem nicht nur, aber auch Norbert Weiland. Der Komiteepräsident nutzte die Gelegenheit, Theresa Getz und Philipp Martinett zum Rathaussturm am Karnevalssamstag einzuladen.

Besondere „Boy-Group“

Den mit Abstand emotionalsten und berührendsten Moment des Abends bereitete dann Lilly Nowicki allen Gästen, allen voran aber ihrem Papa: Unterstützt von Laura Wings und Florian Offer an der Gitarre stimmte die Neunjährige zunächst den Fastelovend-Hit „Stääne“ an, bevor sie das selbstverfasste Lied „Du bist mein bester Prinz“ präsentierte und bei so manchem Zuhörer für Gänsehaut sorgte. Ehrensache, dass Papa Patrick auf die Bühne stürmte, um seiner Tochter sichtlich stolz und gerührt auf Augenhöhe zu danken.

Eine besondere „Boy-Group“ ließ kurz darauf die Bühne der Festhalle erbeben. Unter der musikalischen Quetschbüll-Leitung von Josef „Jupp“ Körfer boten die ehemaligen Narrengarde-Prinzen und -Zeremonienmeister Hans-Peter Schnitzler, Dieter Lenz, Walter und Willi Münchow sowie Alfred und Gregor Wings ihren Nachfolgern einen Ohrwurm vom Feinsten.

Gratulationen der Gesellschaften, der Narrengarde-Korporalschaften, der „Deftigen Bürger“ sowie zahlreicher weiterer Institutionen und Vereine folgten, bevor mit Ralf Hesselmann und Georg Auzinger das Prinzengespann der zurückliegenden Session die Komitee-Standarte an das Nachfolgeduo überreichte, das das traditionsreiche Symbol an Standartenträger Paul Wolf weitergab.

Zu vorgerückter Stunde defilierten dann die Musiker von Brass & Spass am Prinzenduo und dessen Ehefrauen vorbei, um anschließend die Bühne zu stürmen und dort mit unter anderem „Dicke Mädchen“ sowie „Leev Marie“ ihrem Namen alle Ehre zu bereiten. Es ist angerichtet! Die Session kann (nach einer hoffentlichen besinnlichen Weihnachtszeit) beginnen!

(ran)
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