Eschweiler: Kirchenhistoriker und Bestseller-Autor Hubert Wolf in Eschweiler

Eschweiler : Kirchenhistoriker und Bestseller-Autor Hubert Wolf in Eschweiler

Für eine Reform der katholischen Kirche braucht es gar keine rasend neuen, futuristischen Ideen. Die Geschichte der Kirche bietet Anregungen genug. Es gibt wohl niemanden, der das besser weiß und begründen kann als der Kirchenhistoriker, Priester und Bestseller-Autor Hubert Wolf.

Am 12. April (19.30 Uhr, Jugendheim Peter-Paul-Straße 12) spricht er in Eschweiler. „Kollege Papst, Frau Kardinal? Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte“ ist das Thema seines Vortrags, zu dem das Forum Gott und die Welt der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul eingeladen hat.

Jeder neue Papst steigt am Tag seiner Amtseinführung hinunter in die Krypta unter dem Petersdom, dorthin, wo sich das Grab des Apostels Petrus befinden soll, um den Ursprüngen der Kirche und ihren Traditionen ganz nah zu sein. Diese Symbolik greift Professor Dr. Hubert Wolf in seinem Buch „Krypta — Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte“ auf. Der Buchtitel ist mehrdeutig. Eine Krypta ist in alten Kirchen der Raum unter dem Altar, im Chor des Kirchengebäudes. Sie ist sozusagen das Fundament. Ein Raum, der später oft zugeschüttet oder zugemauert wurde. Krypta bedeutet aber auch geheimnisvoll, versteckt, verborgen. Die Kryptologie ist die Lehre von der Ver- und Entschlüsselung von Informationen.

Dem Professor der Universität Münster geht es also um das Aufspüren verborgener Fundamente, um die verschütteten oder oft auch unterdrückten Traditionen der Kirchengeschichte. Denn die Traditionen, sagt Hubert Wolf, können hilfreich sein bei den Reformen, vor denen die katholische Kirche steht. Wolf ist da ganz bei der wörtlichen Bedeutung von Reform, denn re-formare bedeutet „zurückformen“. Ihm erscheint die Geschichte der Katholischen Kirche wie ein breiter Strom, der sich stets neu ein Bett sucht. Vieles, was an der Kirche heute eng und dogmatisch erscheint, sei gar nicht uralt, sondern entstamme den Bemühungen im 19. Jahrhundert, den Strom der Kirche einzuengen und zu kanalisieren.

In seinem Buch „Krypta“ beschreibt Professor Wolf zehn solcher unterdrückten Traditionen. Es gab eine Zeit, in der Bischöfe von allen Gläubigen gewählt wurden. Es gab eine Zeit, in der Äbtissinnen von Frauenklöstern den männlichen Bischöfen gleich waren in vielen Rechten, vom Einsetzen der Pfarrer bis zur Erteilung der Vollmacht zur Vergebung der Sünden. Und Bischöfe waren auch nicht immer vergleichbar mit absolutistischen Monarchen, über denen nur noch der Papst stand — es gab auch kollegiale Modelle für die Leitung eines Bistums. Diese und weitere Beispiele verborgener oder unterdrückter Traditionen sind in den 2015 erschienenen Buch „Krypta“ genannt. Einige davon wird Hubert Wolf in dem Vortrag am 12. April erläutern.

Wolf, geboren 1959 in dem kleinen Ort Wört am Rand der Schwäbischen Alb, wo man ihn inzwischen zum Ehrenbürger ernannt hat, studierte Katholische Theologie in Tübingen und München, er wurde 1985 zum Priester geweiht. Seit 2000 lehrt er an der Universität Münster. Als Nachfolger der renommierten Historikers Arnold Angenendt ist es ihm gelungen, das lange Zeit wenig beachtete wissenschaftliche Fach Kirchengeschichte neu zum Strahlen zu bringen — nicht nur durch seine populären Fachbücher, sondern durch seine Forschungen unter anderem in den Archiven des Vatikans und durch seine Arbeit in vielen Gremien. Unter anderem setzt er sich für die wissenschaftliche interreligiöse Zusammenarbeit ein und sieht auch im Islam Möglichkeiten, an eine liberalere Vergangenheit anzuknüpfen. Unter seinen Büchern ist „Die Nonnen von Sant‘Ambrogio“ von 2013 am bekanntesten, es wurde sogar ins Koreanische übersetzt. Seine Arbeit wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.

In dem Vortrag am Donnerstag, 12. April, um 19.30 Uhr im Jugendheim der Pfarrer St. Peter und Paul (Peter-Paul-Straße 12) wird Prof. Dr. Hubert Wolf Beispiele aus der bunten Geschichte des „breiten Stroms Kirche“ nennen und deren Bedeutung für heute notwendige Reformen der Katholischen Kirche untersuchen. Anschließend steht er für Nachfragen und zur Diskussion zur Verfügung. Moderiert wird der Abend von Carl Pistor vom Arbeitskreis „Forum Gott und die Welt“. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, Spenden sind gern gesehen.

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