Eschweiler: Kinder zeigen Verkehrsrowdys die Rote Karte

Eschweiler: Kinder zeigen Verkehrsrowdys die Rote Karte

Es ist eine deutliche Aufforderung: „Hey, aufpassen beim Fahren!!!” hat ein junger Bewohner des Bereichs Gutenbergstraße in bunten Buchstaben auf sein Plakat geschrieben. Und diese eindringliche Bitte mit drei Ausrufezeichen gekennzeichnet.

Am kommenden Freitag, 1. Juni, wird dieses an Autofahrer adressierte Plakat ab 15 Uhr im Viertel deutlich sichtbar am Straßenrand aufgehängt werden - gemeinsam mit zahlreichen weiteren Plakaten und Zeichnungen, aber auch mit lebensgroßen Figuren, die spielende Kinder und einen Polizisten symbolisieren.

Direkte Botschaften

Mehr als 40 Grundschüler und Kinder des Kindergartens Jahnstraße hatten sich im Gemeindezentrum St. Michael eingefunden, um sich Botschaften an die älteren Verkehrsteilnehmer auszudenken und diese Ideen auch in die Tat umzusetzen.

„Es sind direkte Botschaften von Kindern an Autofahrer. Kein Erwachsener hat ihnen vorgegeben, was sie zeichnen oder malen sollen. Die Autofahrer sollen darauf aufmerksam gemacht werden, dass im Bereich der Gutenbergstraße zahlreiche Kinder leben und sich im Straßenverkehr bewegen”, erklärt Mariethres Kaleß, Vorsitzende des Eschweiler Ortsverbands des Kinderschutzbundes und Mitglied des Gemeindezentrums St. Michael, die seit seiner Gründung vor rund einem Jahr auch am „Runden Tisch Eschweiler West” Platz nimmt.

Diesem von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul ins Leben gerufene Gremium, dass sich unter anderem die Verbesserung der Lebensverhältnisse im Bereich Gutenbergstraße und Umgebung zum Ziel gesetzt hat, gehören inzwischen mehr als 30 Einrichtungen, Institutionen und Gruppen an. Eine der ersten Initiativen des „Runden Tischs” war die Organisation eines Kinder- und Familienfestes im vergangenen September, bei der das Kennenlernen und Kontakte knüpfen im Vordergrund standen. „In vielen Gesprächen wurde deutlich, dass den Bewohnern vor allem die Verkehrssicherheit in ihrem Wohnbereich am Herzen liegt”, erinnert sich der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Erich Schröder. Genau dort soll nun unter der Überschrift „Kids im Viertel sicher unterwegs” der Hebel angesetzt werden.

Und so trafen sich die jungen Nachwuchskünstler, um bei strahlendem Sonnenschein auf der Wiese, auf dem Boden und auf Tischen vor dem Gemeindezentrum St. Michael zu schneiden, zu malen und zu zeichnen, sprich, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Dabei wurden ebenso spezielle Lob- und Tadelkarten angefertigt, denn am kommenden Freitag gilt es nicht nur, unvorsichtige Autofahrer zu ermahnen, sondern auch, vorbildliche Fahrzeugführer zu belohnen.

Sozialer Effekt

„Neben dem rein praktischen Nutzen, den wir uns von dieser Aktion erhoffen, nämlich dass die Autofahrer in Zukunft rücksichtsvoller agieren, hat das Projekt auch einen hohen sozialen Effekt, denn es bringt Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen”, betont mit Gisela Corsten ein weiteres Gemeindemitglied sowie eine ehemalige Bewohnerin des Viertels. Ein Aspekt, den Ulrike Hochheim-Toporowski, stellvertretende Leiterin des Kindergartens Jahnstraße, ausdrücklich unterstreicht: „In unserer Einrichtung werden 80 Kinder aus 21 Nationen betreut”, nennt die Koordinatorin des Familienzentrums beeindruckende Zahlen.

In wenigen Tagen wird die Farbe endgültig getrocknet sein, dann geht es daran, die Botschaften im Viertel an exponierten Stellen anzubringen. Dort werden sie dann mehrere Wochen lang die stärkeren Verkehrsteilnehmer daran erinnern, dass es auch Schwächere gibt: „Hey, aufpassen beim Fahren!!!” Dem ist nichts hinzuzufügen.

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