Blausteinsee: Kinder setzen sich bei „Plant-for-the-Planet“ für Klimaschutz ein

Blausteinsee : Kinder setzen sich bei „Plant-for-the-Planet“ für Klimaschutz ein

Christopher trat so feste auf den Spaten, wie er nur konnte. Die übrigen Kinder stützten ihn, als er immer wieder hochsprang, um das Gartengerät Stück für Stück in den trockenen Boden zu bringen. Angefeuert von lauten „Hey“-Rufen legten sich die Kinder mächtig ins Zeug — und erreichten schließlich gemeinsam das Ziel.

Nur wenige Minuten später hatten sie den ersten Baum gepflanzt. Eine Esskastanie, den Baum des Jahres 2018, um genau zu sein. Und warum haben die Kinder das getan? 35 Mädchen und Jungen aus der gesamten Region haben am Samstag an einer Akademie der Initiative „Plant-for-the-Planet“ teilgenommen, die sich für Klimaschutz einsetzt.

Und das kam so: Initiatoren der Akademie waren die beiden Brüder Henri und Anton Mommertz, die im Frühjahr 2018, im Alter von zwölf beziehungsweise acht Jahren, den Innogy-Indeland-Klimapreis entgegennahmen. Die beiden setzen sich schon seit einer Weile für diese Initiative ein, hielten Vorträge und machten auf dieses Projekt etwa beim Eschweiler Waldtag aufmerksam. Und mit dem Preisgeld lotsten sie die Initiative nach Eschweiler. Genauer gesagt mit einem Teil des Preisgeldes. 2500 Euro reichen nämlich bei Weitem nicht aus, den Rest (das Ganze kostet etwa 8000 Euro) deckten sie über Sponsoren, die sie zu Spenden überreden konnten.

Und so kamen nun am Samstag 35 Kinder am Blausteinsee zusammen, um über die Folgen des Klimawandels zu sprechen. Spielerisch erarbeiteten sie das Thema. Etwa mit dem Weltspiel, bei dem es unter anderem um die Verteilung von Ressourcen auf dem Planeten Erde ging. Einige Kinder hielten am Ende des Tages, als die Eltern ihren Nachwuchs, der zusätzlich mit jeder Menge Infomaterial eingedeckt wurde, wieder abholten, einen kleinen Vortrag zum Thema.

Unterstützt wurden die Kinder am Samstag von sogenannten Moderatoren. Das sind selbst ganz junge Erwachsene. Dieses Mal waren es Josephine „Josi“ Angr und Julius Karge aus Norddeutschland sowie Malina Nogossek aus Aachen.

Extrem trocken

Natürlich stand auch der zentrale Aspekt der Kampagne am Blausteinsee an: Das Pflanzen von Bäumen. Normalerweise werden bei den Akademien viele Bäume gepflanzt. In Eschweiler waren es dieses Mal „nur“ zwei. Der Grund: Wegen des sehr trockenen Sommers war auch der Boden am Blausteinsee extrem trocken und hart, Löcher buddeln somit eine sehr anstrengende Angelegenheit. Also entschied man sich für zwei bereits etwas größere Bäume, die symbolisch eine neue Heimat am Blausteinsee gefunden haben.

Das geschah — wie bereits beschrieben — mit gemeinsamen Kräften. Mit Spaten, langen Holzpflöcken und, wenn es sein musste, auch mit den Händen, schafften es die Jungen und Mädchen, ausreichend tiefe Löcher vorzubereiten. Die Bäume wurden hinein gestellt, mit Draht eingezäunt (zum Schutz vor Nagetieren) und mit den Pflöcken fixiert. Die Bäume tragen übrigens auch Namen. Zwar waren auch Namen wie etwa Beyoncé in der Verlosung, die Bäume heißen jetzt aber schlicht Karl und Otto. Sie stehen — für die, die einmal nachsehen möchten — auf der Wiese hinter dem Seezentrum, einer rechts und einer links des Auslegers der Aussichtsplattform.

Und wie fanden die Kinder die Akademie? Die neunjährige Jeanne aus Alsdorf ist schon länger Teil von „Plant-for-the-Planet“ und stellvertretend für ihre Mitstreiterinnen Vivien, Greta und Mirja, die sie zu dieser Akademie gelotst hat, sagte sie am Samstag: „Es ist die Umwelt der Kinder und auch der Erwachsenen und dafür muss man kämpfen.“ Um dann noch einen drauf zu setzen: „Ich finde es gut, dass wir Kinder uns für den Klimaschutz einsetzen. Die Erwachsenen reden ja immer nur darüber, tun aber nichts.“

„Stop talking. Start planting.“

Um die Initiative noch bekannter zu machen, gibt es inzwischen übrigens die Kommunikationskampagne mit dem Titel „Stop talking. Start planting.“. Die Motive mit prominenten Unterstützern wie Harrison Ford, apl.de.ap, Fürst Albert von Monaco und Michael Otto sind weltweit zu sehen. Diese Kampagne ist bei den Kindern längst in aller Munde. Im Wortsinn. Moderator Julius Karge brauchte nur die Worte „Stop talking“ zu rufen, schon schallte es aus 36 Kehlen: „Start planting.“

Und auch Jeanne, Henri und Anton sind bereits aktiv gewesen. Sie nahmen für die Kampagne Kontakt zur Band Kasalla auf, trafen sich mit den Musikern zu einem Kennenlernen und arbeiteten mit ihnen zusammen. Sie durften sie sogar im Proberaum besuchen und bei einem Konzert auf die Bühne und zum Publikum sprechen.

Initiator Henri war derweil hochzufrieden mit „seinem“ Projekt. Alles habe gut funktioniert. Mit der Akademie soll aber noch längst nicht Schluss. Auch das ist ein Ziel der Akademien. Die Kinder sollen sich überlegen, wie sie die Botschaft weiter verbreiten, etwa in der Schule oder in ihrem Verein. So sollen noch mehr Kinder ausgebildet werden.

Henri und Anton haben zum Abschluss am Samstag noch den Westzipfel-Club gegründet, der sich auch weiterhin in dieser Region für den Klimaschutz einsetzen wird.

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