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Eschweiler: Kinder in Not: Das Hochschulorchester hilft

Eschweiler : Kinder in Not: Das Hochschulorchester hilft

Seit 50 Jahren gibt das Friedensdorf international in Oberhausen schwer kranken und schwerstverletzten Kindern, die in ihren von Kriegen und Krisen heimgesuchten Heimatländern nicht behandelt werden können, eine Chance zu überleben. Seit 50 Jahren holt die Organisation, die sich nur aus Spenden finanziert, Kinder nach Deutschland, um sie hier behandeln zu lassen, ehe sie in ihre Heimat zurückkehren.

Eine Sisyphusarbeit: Nie gab es mehr Kriegs- und Krisengebiete auf der Welt als derzeit. Nie waren mehr Kinder auf Hilfe angewiesen.

Jetzt steht die Realisierung eines großen Projektes an: der Bau einer eigenen OP-Einheit im Friedensdorf. „Wir müssen zwingend bei uns eine Möglichkeit schaffen, zunächst kleinere Operationen, z.B. handchirurgische, kleinere orthopädische Eingriffe sowie Platten- oder Fixateur-Entfernungen, hier vor Ort vorzunehmen, denn die Entwicklung im Krankenhausbereich bereitet uns Sorgen“, sagt Friedensdorf-Sprecher Wolfgang Mertens. „Ohne die Bereitschaft der Kliniken, Kinder des Friedensdorfes kostenlos stationär zu versorgen, können wir qualitativ und quantitativ nicht so erfolgreich weiter arbeiten.

Diese Basis unserer Arbeit in dem notwendigen Ausmaß aufrechtzuerhalten, ist eine der größten Herausforderungen für das Friedensdorf in den nächsten Jahren. Die immer weniger werdenden Freibetten in Kliniken haben mit deren gestiegenen Hygienestandards und der Tatsache zu tun, dass sich Krankenhäuser Verbünden anschließen, die zunehmend kaufmännisch orientiert sind.“

Lions sammeln Spenden

Angesichts der (Krankenhaus-) politisch schwierigen Situation bemüht sich das Friedensdorf stärker denn je um „Freibetten“ in deutschen Kliniken. „Wir hoffen darauf, auch weiterhin den Stand der Betreuungszahlen von Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten hoch halten zu können. Das sehen wir als unsere Pflicht an“, betont Mertens. Insofern ist der geplante OP als Ergänzung und nicht als Kompensation für die notwendigen Krankenhaus-Freibetten zu verstehen.

Das OP-Projekt wird nach ersten Kostenschätzungen annähernd zwei Millionen Euro kosten Geld, das zusätzlich zur notwendigen Spende für das „Tagesgeschäft“ zur Verfügung gestellt werden muss. Die „Sternstunden“ des bayerischen Rundfunks haben bereits eine zusätzliche Förderung und Summe von 500.000 Euro zugesichert. Auch zahlreiche Lions-Clubs, seit jeher der Arbeit des Friedensdorfs eng verbunden, wollen ihr Teil beitragen.

So findet am 18. November in der Tenne des Golfclubs Kambach eine Kunstauktion statt, initiiert von Dr. Hanns-Joachim und Trude Vögeli (wir berichteten), deren Erlös dem Projekt zugute kommt. Schon tags darauf, am 19. November, lädt der Lions-Club Eschweiler Ascvilare unter Federführung von Johannes Gastreich zum Benefizkonzert zugunsten des Friedensdorfs ein.

Ein ganz besonderes Benefizkonzert, das der Club anlässlich des 100-jährigen Bestehens von Lions International in diesem Jahr veranstaltet. Mit hochkarätigen Künstlern: Unter der Leitung von Professor Herbert Görtz spielt das Orchester der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Abteilung Aachen, im Eschweiler Ratssaal Werke von Rodion Schtschedrin (Carmen Suite), Joaquin Rodrigo (Concierto de Aranjuez für Sologitarre und Orchester) sowie Juan Crisostomo de Arriaga (Sinfonie D-Dur).

Das Sinfonieorchester der Hochschule für Musik und Tanz setzt sich aus Studierenden aller Semester und Studiengänge der Hochschule zusammen. Es wird im Rahmen der Orchesterausbildung projektbezogen organisiert. Höhepunkte sind die regelmäßig stattfindenden Sinfoniekonzerte im Krönungssaal des Aachener Rathauses und in der historischen Stadthalle Wuppertal, sowie die seit 25 Jahren stattfindenden Opernaufführungen im Theater Aachen.

Bei seinem Leiter, Professor Herbert Görtz, sind gregorianische Gesänge, große Sinfonie con finale furioso, die breite Palette des Musiktheaters wie auch die komplexen Klangwelten der Neuen Musik in sicheren Händen: Seine Vielseitigkeit, seine riesige Erfahrung im Theaterbereich und seine stets hörbare Liebe zur Musik zeichnen den Dirigenten aus.

Klangkörper in Bewegung

Görtz, 1955 in Aachen geboren, absolvierte ein Dirigierstudium in Köln und Salzburg „mit Auszeichnung“, war Assistent beim Bundesjugendorchester, GMD-Assistent in Bonn, hatte Engagements als Kapellmeister am Theater Oberhausen, am Staatstheater Braunschweig sowie als stellvertretender Generalmusikdirektor in Münster und kann auf über 1000 dirigierte Theateraufführungen zurückblicken.

Bei ca. 170 Produktionen in allen Bereichen des Musiktheaters (Oper, Operette, Musical, Ballett, Kinderoper) war er dabei, ebenso wie bei Gala-Abenden mit Gundula Janowitz, Siegfried Jerusalem, Hermann Prey. Görtz leitete Konzerte u.a. in Italien, Polen, Niederlande, Belgien, Frankreich, Österreich, und der Ukraine.

Seit 1993 ist er Professor für Orchester-, Chor- und Ensembleleitung an der Hochschule für Musik Köln, Standort Aachen. Er ist musikalischer Leiter des Sinfonieorchesters der Hochschule wie auch der Opernschule in Aachen in Kooperation mit dem Theater Aachen. Der langjährige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende des Vereins „Freunde der Aachener Dommusik“ ist seit 2009 Direktor des Aachener Standorts der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Anders als der Dirigent eines städtischen Orchesters hat Prof. Görtz mit dem Hochschulorchester keinen festen Klangkörper vor sich. Das Hochschulorchester besteht aus Studierenden der jeweiligen Instrumentalklassen und setzt sich für jedes Projekt etwas anders zusammen: Denn nicht jeder junge Musiker spielt in jedem Orchesterprojekt mit und auch nicht immer in der gleichen Position: Wer bei diesem Programm hier in den ersten Geigen sitzt, kann schon im nächsten Projekt Stimmführer 2. Geigen sein; wer hier 1. Klarinette spielt, musiziert vielleicht im kommenden Konzert an der Bassklarinette.

Vom absoluten Studienneuling, der oder die mit diesem Programm das erste öffentliche Konzert der eigenen Studienzeit spielen wird bis zum erfahrenen Instrumentalisten kurz vor Studienabschluss und bestehend aus Musikern und Musikerinnen zahlreicher Nationen stellt das Hochschulorchester eine junge, bunte, hochmotivierte und begeisternde Gemeinschaft dar. Im Rahmen ihrer Ausbildung erhalten die Studierenden unterschiedlichste Orchestererfahrung: Sinfonische Projekte wechseln sich mit Chorprojekten und Opernproduktionen ab.

Zahlreiche CD-Veröffentlichungen

Als Sologitarrist im Ratsaal-Konzert ist Hans-Werner Huppertz zu erleben. Er hat sein Studium bei Prof. Tadashi Sasaki an der HfMT KölnAachen mit dem Konzertexamen abgeschlossen.

Zahlreiche Meisterkurse rundeten seine Ausbildung ab. Zu seinen wichtigsten Lehrern zählen Prof. Abel Carlevaro, Uruguay, Prof. Alexander Frauchi, Russland, Prof. Hubert Käppel und Prof. Thomas Müller-Pering, Deutschland.

Seine internationale Konzerttätigkeit begann mit dem Gewinn des 1. Preises beim internationalen Gitarrenwettbewerb „Seto Ohashi“ in Okayama/Japan und dem zweiten Preis beim 33. internationalen Gitarrenwettbewerb in Tokyo.

Huppertz ist zudem ein begeisterter Kammermusiker. Zu seinen Partner zählen u.a. die Blockflötistin Dorothee Oberlinger, das Vitus und Verdi Quartett, die Mezzosopranistin Mechthild Georg und das „who-is-who“ der internationalen Gitarrenszene.

Er hat zahlreiche neue Werke für Gitarre angeregt und uraufgeführt. Einen besonderen Platz nimmt hier sein Solopart in der ersten vom Komponisten autorisierten Choreografie der beiden Gitarrensonaten von Hans-Werner Henze ein.

Unter seinen zahlreichen CD-Veröffentlichungen finden sich neben vielbeachteten solistischen Einspielungen u.a. der Musik von Domenico Scarlatti, Manuel. M. Ponce, Francisco Tarrega, dem Gesamtwerk für Gitarre des Aachener Komponisten Herbert Nobis, auch Musik für zwei Gitarren und pädagogische Mitspiel-CDs.

Gemeinsam mit dem Kölner Gitarristen und Pädagogen Jens Kienbaum hat Hans-Werner Huppertz ein Lehrwerk für Gitarre veröffentlicht, das sowohl für den elementaren Anfangsunterricht als auch für Großgruppen und Klassenmusizieren geeignet ist.

Viele Jahre war er künstlerischer Leiter des Aachener Musikfestivals „AquisGranGuitarra“ und der Konzertreihe “guitar colours” in Krefeld. Seit 2007 ist er in dieser Funktion für die erfolgreiche Kammermusikreihe „Accordate“ in Aachen tätig. Er ist der Initiator des Jugendgitarrenwettbewerbs NRW und des Aachener Gitarrenpreises.

Ebenso seit vielen Jahren ist er ein gefragter Dozent bei Meisterkursen, Jurymitglied bei internationalen Wettbewerben und er hält Seminare und Vorträge zum Thema Klassenmusizieren, Unterricht und Motivation an Akademien und Musikschulen.

Ein sehr persönliches Steckenpferd ist seine Tätigkeit als Musikproduzent und Tontechniker mit zahlreichen CD-Publikationen in unterschiedlichster Besetzung für diverse Firmen, u.a. FSM, Opera Tres, Musicaphon und sein eigenes Label Aurea Vox.