Stolberg: „Kiebitze” spielen die Partien im Kopf mit

Stolberg: „Kiebitze” spielen die Partien im Kopf mit

„Der Schachspieler ist schon von Hause aus laut”, meint Alexander Meurer schmunzelnd. Seine Aussage mag im ersten Moment verwundern, blickt man auf die Tischreihen im Rolandshaus, an denen sich über 40 Schachspieler stillschweigend und grübelnd gegenüber sitzen.

Die Geräuschkulisse beim 11. offenen Indestadt-Turnier des Stolberger Schachvereins ist mit der bei anderen Sportarten kaum zu vergleichen - bis die ersten Spieler ihre Partie beendet haben. „Am Anfang, wenn die Bretter freigegeben sind, sind noch alle ganz ruhig”, erzählt Meurer. „Aber es sind natürlich nicht alle gleichzeitig fertig, und dann kommt das Gesellschaftliche beim Schachspielen hinzu”, erklärt der Turnierleiter das gesellige Naturell der Schachspieler, das beim traditionellen Indestadt-Turnier im Rolandshaus besonders zum Vorschein kommt.

Denn just nachdem die ersten Könige den gegnerischen Pferden, Läufern und Damen nicht mehr entkommen können, wird gerne schon einmal das ein oder andere Wort gewechselt. Ein gelegentliches „Schht” oder „Pssst” verrät gleichzeitig die Tische, an denen noch keine Entscheidung gefallen ist.

15 Minuten im Gegensatz zu zwei Stunden Bedenkzeit haben die Teilnemer beim Indestadt-Turnier nur, um den Kontrahenten Schachmatt zu setzen. Die Schnellschachvariante, von der neun Runden im Schweizer System gespielt wurden, verlangt dabei nicht nur höchste Konzentration, sondern gleichzeitig auch schnelle Entscheidungen.

Entscheidungen, die von anderen Spielern - sofern diese ihre Partie schon beendet haben - gerne mitverfolgt werden. „Kiebitze” nennt man die Spielbeobachter, die sich nach und nach um das Spielbrett versammeln, an dem sich eine lange und spannende Partie abzeichnet wird. „Man will ja etwas lernen”, erklärt Jürgen Wagemann, 1. Vorsitzender des Stolberger Schachvereins. „Und diejenigen, die am längsten spielen, liefern meistens die interessantesten Spiele.”

Auch Alexander Meurer „kiebitzt” regelmäßig von der Bühne im Rolandshaus, auf der er mit Laptop und Drucker die Spielergebnisse und Turnierstände verwaltet. „Von hier oben aus ist es natürlich ganz interessant, zu gucken”, weiß der Turnierleiter den Überblick zu schätzen. „Man spielt da im Kopf mit.”

Im kommenden Jahr kann Meurer auch wieder am Brett mitspielen. Das Indeland-Turnier, das der Stolberger Schachverein zusammen mit dem Eschweiler Schachclub ausrichtet, findet dann wieder in Eschweiler statt.