Eschweiler: „Kerngeschäft Kinderbetreuung” leidet unter der politischen Idee

Eschweiler: „Kerngeschäft Kinderbetreuung” leidet unter der politischen Idee

Die Idee ist gut, doch an der Umsetzung vor Ort haperts das eine oder andere Mal. „Nordrhein-Westfalen soll das kinder- und familienfreundlichste Bundesland in Deutschland werden”, hatte sich die Landesregierung bei ihrem Antritt 2005 selbst gehörig unter Druck gesetzt.

Ein Baustein, um das hoch gesteckte Ziel zu erreichen, sollten die Familienzentren werden. Nun gibt es in Eschweiler Probleme, weitere Einrichtungen zu finden, die den Schritt hin zum Familienzentrum wagen. Auf die Suche nach dem „Warum?” begab sich der Jugendhilfeausschuss.

„Neben der normalen Kita-Arbeit bedeutet ein Familienzentrum einiges an Mehrarbeit”, fand mit Gabi Baumann eine Expertin klare Worte. Die Leiterin der städtischen Einrichtung „Lollipop” (Alte Rodung) sprach stellvertretend für ihre Kolleginnen.

Vier Familienzentren gibt es in Eschweiler. Das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration mit Armin Laschet an der Spitze sieht für die Indestadt im Zeitraum 2006 bis 2010 die Weiterentwicklung von insgesamt sechs Tageseinrichtungen zu Familienzentren vor. Zwei Kontingente stehen also noch offen. Begeisterte Nachfrage oder gar Warteschlangen: Fehlanzeige. Viele Kindergärten scheuen den Zertifizierungsprozess und vor allem das Mehr an Arbeit.

Der Landeszuschuss von 12.000 Euro fällt da kaum ins Gewicht. „Ein Tropfen auf den heißen Stein”, weiß auch Edith Platau. Die Sozialpädagogische Fachberaterin der BKJ (Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche der Stadt Eschweiler AÖR) führt weiter an, dass gerade in einer Stadt wie Eschweiler nicht jede Kita dafür geeignet sei, um ein Familienzentrum zu werden.

Unzureichende Räumlichkeiten, aber auch das soziale Umfeld einer Einrichtung spielen eine Rolle. So bleibt es dabei: Die grundsätzlich gute Sache „Familienzentrum” benötigt zusätzliche Kapazitäten, die das vorhandene Personal kaum schultern kann. Darunter leidet letztlich das „Kerngeschäft”: die Kinderbetreuung.