Neue Verträge in den Eschweiler Awo-Kitas: „Keine verdeckte Preiserhöhung“

Neue Verträge in den Eschweiler Awo-Kitas : „Keine verdeckte Preiserhöhung“

In den fünf Awo-Kitas in Eschweiler sollen Mittagessen pauschal immer abgerechnet werden. Das Jugendamt hätte lieber eine andere Lösung.

Fünf Kindergärten der Arbeiterwohlfahrt gibt es in Eschweiler. Für alle gilt schon jetzt oder bald ein neuer Vertrag mit neuen Regelungen – die unter anderem die Abrechnung der Essenspauschalen und „Strafzahlungen“, wenn die Kinder zu spät abgeholt werden, betreffen. Eine, die Kita „Regenbogen“, läuft schon mit den neu aufgesetzten Verträgen, bei der Kita „Zauberhut“ wird aktuell umgestellt. Die anderen drei Einrichtungen sollen sie dann sukzessive bekommen.

Das sagen Guido Dohmen und Pia Rohn, beide Prokuristen bei der Awo Kisa gUG, dem Träger der Awo-Kindertagesstätten. Beim „Zauberhut“ sind die entsprechenden Vertragsänderungen zum 1. Januar 2019 vorgesehen. Und sie sehen im Detail so aus: Die Essensbeiträge der Kinder sollen pauschal abgerechnet werden – egal, ob das Kind überhaupt da ist und mitisst oder ob es im Urlaub oder krank ist. Der Verwaltungsaufwand für die bisherige Art der Abrechnung sei zu hoch, sagt Dohmen. In anderen Awo-Einrichtungen sei das bereits gang und gäbe. Und von den Eltern in Eschweiler habe er bislang lediglich zwei Nachfragen zu dieser Neuerung bekommen, sagt Dohmen.

„Verwaltungsgebühren einsparen“

Bislang haben die Eschweiler Awo-Kitas das Essensgeld für die Tage, an denen das Kind nicht in der Einrichtung war, zurückerstattet. Dafür müsse jeder Tag einzeln gezählt werden, und es sei zudem oft zu nachträglichen Reklamationen gekommen, sagt Dohmen. „Was die Verwaltung verursacht, fehlt außerdem bei der Zeit für die Kinder“, sagt Dohmen. Man spare also die Verwaltungsgebühren der Rückerstattungen ein und könne somit zum Beispiel Preiserhöhungen der Caterer auffangen.

Wie sieht es mit dem sozialen Gedanken hinter der Awo aus, wenn künftig keine Beträge mehr zurück erstattet werden? „Der soziale Gedanke ist, dass ich keinen Gewinn damit machen möchte“, sagt Dohmen dazu. Und trotzdem – wenn ein Kind mehrere Wochen im Urlaub ist, die Monatspauschale weiter gezahlt wird und die Verwaltungskosten für die Rückerstattung folglich entfallen, bedeutet das erst mal mehr Geld für die entsprechende Kita. „Wir kalkulieren nicht mit Gewinn“, sagt Dohmen noch einmal. „Es kann natürlich passieren, dass wir ein Plus machen. Es kann aber ebenso Verluste geben.“ So, wie es eben bei anderen wirtschaftlichen Unternehmen auch sei.

Die Essenspauschale in der Kita „Zauberhut“ betrug bislang 51 Euro im Monat, nun, nach den Anpassungen, sind es 48 Euro. „Das ist in etwa die Größenordnung, die wir auch bei den Rückzahlungen hatten“, sagt Dohmen. Es bliebe also so weit alles gleich – nur nicht unbedingt für den Einzelnen. „Das ist keine verdeckte Preiserhöhung“, betont Dohmen. Ausgenommen von der neuen Essenpauschalen-Regelung seien außerdem die, die sowieso schon einen Zuschuss aus dem Förderpaket „Bildung und Teilhabe“ bekommen. Für diese Kinder ändere sich nichts, sagt Dohmen.

Der zweite Punkt: die Gebühren fürs Zuspätabholen. Jede Viertelstunde kostet 15 Euro, für jede Rechnungslegung werden zusätzlich zehn Euro Verwaltungsaufwand eingefordert. Allerdings, betont Rohn, gehe es dabei explizit um das regelmäßige Zu-Spät-Kommen der Eltern. Das sei vertraglich auch so festgehalten. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es Eltern gibt, die immer wieder die Betreuungszeiten überschreiten“, sagt sie.

Ermahnungen und Gespräche hätten bislang keine Wirkung gezeigt. Von zwei bis drei Elternpaaren oder -teilen pro Einrichtung spricht Rohn. „Es geht nicht darum, wenn jemand im Stau steht oder einen Arzttermin hat“, sagt sie. Und Dohmen sagt: „Es kommt vor, dass das Personal mit einem Kind dasitzt und wartet.“ Das verursache Kosten. Bevor die Gebühr letztlich erhoben wird, werde die Familie noch einmal schriftlich darauf aufmerksam gemacht.

Von städtischer Seite gebe es keine rechtliche Handhabe bei Vertragsänderungen, sagt Jürgen Termath, Leiter des städtischen Jugendamtes. Das Jugendamt gestalte zwar die Trägerlandschaft aus und kümmere sich um den Rechtsanspruch der Eltern auf einen Betreuungsplatz. Die Träger seien aber in der Vertragsgestaltung frei, und die Eltern würden die Verträge wiederum mit der jeweiligen Kita abschließen.

Termath berichtet von Eltern, die sich ob der neuen Verträge an das Jugendamt gewandt haben oder an den Jugendamts-Elternbeirat – und der wiederum an das Jugendamt. Insgesamt sei er mehrfach angesprochen worden und sagt: „Ich kann nachvollziehen, dass das bei den Eltern Unmut hervorruft.“

Die Motivation des Trägers, die könne er nachvollziehen, sagt Termath. Aus Erfahrung wisse er, dass diese sogenannten Spitzabrechnungen bei den Mittagessen tatsächlich sehr arbeitsaufwendig seien. „Ich wünsche mir aber andere Lösungen.“ Als Beispiel nennt er eine Zentralisierung. Man könnte also die Spitzabrechnung in die Zentralverwaltung der Awo Kisa verlegen.

Ebenso hätte Termath beim Thema „Strafzahlungen“ für die Eltern lieber andere Regelungen gesehen. „Das macht ja deutlich, dass es einen Bedarf für flexible Abholzeiten gibt und man gucken muss, welche Bedarfe die Eltern haben.“

Andere Lösungen finden

„Diskussionswürdig“ findet er das gesamte Thema. Mit dem Träger gab es schon ein Gespräch, und Termath möchte auch weiter im Dialog bleiben, um andere Lösungen zu finden, sagt er. Zunächst möchte er die Sache in der kommenden Woche im Jugendhilfeausschuss diskutieren.

Den Fall, dass die Eltern den neuen Vertrag wegen der Änderungen nicht unterschreiben wollen, habe es bisher noch nicht gegeben, sagt Dohmen. Wobei sich an dieser Stelle die Frage nach den Alternativen stellt: Wollen Eltern einen neuen Vertrag verweigern und damit womöglich einen Kita-Platz aufgeben? „Die Betreuungssituation in Eschweiler ist gut, aber immer noch im Ausbau“, sagt Termath. „So groß ist die Flexibilität bei Eltern im Hinblick auf einen Kita-Platz nicht.“

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