Innenstadt und Immobilien, Teil 3: Keine validen Zahlen für Mietpreisspiegel

Innenstadt und Immobilien, Teil 3 : Keine validen Zahlen für Mietpreisspiegel

Stadt, Unternehmer und private Immobilienbesitzer können mit wenig Arbeit ihren Standort interessanter machen. Zwar wurde in der Stadt Eschweiler gute Arbeit geleistet, doch einige Möglichkeiten bieten sich noch. Dazu gehört auch Datentransparenz

Als Bürgermeister Rudi Bertram neulich auf seine Amtszeit zurückblickte, kam er auch auf den Industrie- und Gewerbepark zu sprechen. Dort sei „kein Quadratzentimeter“ Fläche mehr frei, die Stadt müsse Unternehmen absagen, die Interesse an dem Standort Eschweiler haben. Auf diese Situation ist der Bürgermeister stolz. Geht es in Sachen Wirtschaft an der Inde daher überhaupt noch besser?

Andrea Trebschuh, um die es sich im dritten Teil unserer Serie „Innenstadt und Immobilien“ dreht, bejaht diese Frage. Das ist bei einem Leerstand von knapp 20 Geschäftsflächen in der Fußgängerzone in der südlichen Innenstadt inklusive Marienstraße nachvollziehbar – denn auch Einzelhandel ist natürlich Wirtschaft. Den will die Stadt wieder ankurbeln.

Andrea Trebschuh vertritt ihre Meinung auch, weil sie seit einigen Jahren eine Datenbank erstellt, die einen Faktor ermittelt, der für Unternehmer maßgebend für eine Ansiedlung ist: den gewerblichen Mietpreisspiegel für Gewerbe- und Büroflächen. Diese Zahlen gibt der Verein „Initiative Aachen“, die unter anderem mit der Industrie- und Handelskammer kooperiert, jedes Jahr heraus. Trebschuh ist deren Geschäftsführerin.

Ist auf der Suche nach Zahlen von Kommunen und Unternehmen: Andrea Trebschuh von dem Verein „Initiative Aachen“. Foto: ZVA/Carsten Rose

„Die Zahlen sind gerichtsfest, das Finanzamt nutzt sie, auch weil es keine andere Erfassung gibt“, sagt sie. „Wir machen das, damit sich Auswärtige für unsere stetig wachsende Region – andere Regionen in NRW schrumpfen – interessieren und damit bestehende Firmen expandieren.“ Nur: Wirklich valide, verlässliche Zahlen gibt es seit Jahren nur von und aus der Stadt Aachen. Die übrigen Kommunen und Unternehmen in der Städteregion würden schleppend bis gar nicht liefern – ein Nachteil, findet Trebschuh. Deswegen steht in der Broschüre zum gewerblichen Immobilienmarkt bei Eschweiler eine Quadratmeterpreis-Spanne von fünf bis 20 Euro – für die Jahre 2009 bis 2018. „Mehr als anrufen und regelmäßig nachfragen kann ich nicht“, sagt Trebschuh.

Denn Unternehmen würden ihren Aussagen folgend nicht primär nach der Verlässlichkeit solcher Zahlen im Internet suchen, sondern schauen, ob es überhaupt Zahlen gibt. Und daran hapert es nun mal rund um Aachen.

Warum das so ist, erklärt Andrea Trebschuh mit dem fehlenden Verständnis dafür, dass „Datentranspararenz“ immer wichtiger werde, um Kommunen interessant zu machen. Dabei betont Trebschuh, dass die Zahlen der Firmen und Verwaltungen vertraulich behandelt und nur kumuliert zu einem Durchschnittswert veröffentlicht werden. Die Fülle an Informationen führt bei den Daten für die Stadt Aachen dazu, dass die Quadratmeterpreis-Analysen bis auf 2,50 Euro genau pro Straßenzug genannt würden.

Auch Projekte nicht veröffentlicht

Jedoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, das unterstreicht die Geschäftsführerin ebenfalls, dass vor allem große Unternehmen einerseits mehr Kapazitäten haben, ihre Zahlen zu sammeln und andererseits auch „davon leben“, wenn sie öffentlich zugänglich sind. In Eschweiler ist es in den Geschäftsstraßen Marienstraße, Neustraße, Grabenstraße und Englerthstraße überdies auch so, dass nur 3,8 Prozent der Ladenlokale Unternehmen gehören. Der Rest ist in der Hand von Privatpersonen. Welcher Nutzen die Datenerhebung für alle Bestandsimmobilien hat, sei hier nicht wirklich bekannt. Auch deswegen flehte Andrea Trebschuh förmlich vor fast einem Monat bei einer Informationsveranstaltung für Immobilienbesitzer im Rathaus: „Bitte denken Sie an uns und liefern die Zahlen.“

Für die Zahlen für Büroflächen sei die Lage – anders als bei Einzelhandelsflächen – übrigens sekundär, entscheidend sei die Qualität der Ausstattung.

Die jährlich erscheinende rund 60-seitige Hochglanzbroschüre der „Initiative Aachen“ beleucht nicht nur den gewerblichen Immobilienmarkt, sondern auch anstehende Großprojekte in der Region. Auffällig hierbei für Eschweiler: Das geplante Rathaus-Quartier ist nicht gelistet, sondern nur das privat geplante Hotel am Blausteinsee und das interkommunale Gewerbegebiet Inden/Eschweiler. Andrea Trebschuh kann das nicht verstehen, sind Großprojekte rund um „Wohnungen, Dienstleistung und Handel“ doch Magnete für auswärtige Interessenten an einem Standort. Für eine öffentlichkeitswirksame Veröffentlichung reiche schon, wenn der Bebauungsplan für eine Entwicklungsfläche feststeht. Als Beispiel: Das Einkaufszentrum „Aquis Plaza“ in Aachen wurde schon lange vorm Spatenstich dementsprechend beworben.

Ein weiterer Vergleich: Wer sich in der Broschüre über Stolberg informieren will, liest von gleich drei neuen Wohnquartieren.

Teil 1:  59 Prozent der Immobilien in den Einkaufsstraßen gehören Eschweilern

Teil 2: Aachener Studentin baut zwei Häuser in Eschweiler um

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