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Eschweiler: Kein Machtwort von Bertram

Eschweiler : Kein Machtwort von Bertram

Bürgermeister Rudi Bertram kann den Bürgern in Sachen Mobilfunkmast am Hehlrather Kindergarten nur „gemeinsame Suche nach Lösungen” versprechen.

„Wir werden uns mit allen Betroffenen weiter an einen Tisch setzen und nach einer einvernehmlichen Lösung suchen. Mehr kann ich Ihnen nicht versprechen.” Bürgermeister Rudi Bertram sah sich am Montag bei einer Informationsveranstaltung im Pfarrheim Hehlrath in die Ecke gedrängt.

Über 100 Hehlrather Bürgerinnen und Bürger, die der Einladung ins Pfarrheim gefolgt waren, verlangten von ihm und seinen Mitarbeitern, sie sollen verhindern, dass der von T-Mobile installierte Mobilfunksendemast in der Nähe des Kindergartens in Betrieb genommen wird.

Die Hehlrather, die bereits über 700 Unterschriften gegen den Sendemast gesammelt haben, befürchten, dass die vom Sendemast ausgehende Strahung die Gesundheit insbesondere von Kindern schädigen kann. „Unser Problem ist die medizinische Gefährdung der Kinder”, betonte Dechant Josef Wienand, der die weit über zweistündige Veranstaltung moderierte.

Nicht zu verhindern?

Juristisch sei die Inbetriebnahme des Senders wahrscheinlich nicht zu verhindern, erläuterte Dieter Kamp, Rechtsexperte der Stadt. Auch planungsrechtlich bestünden wenig Möglichkeiten, gegen den Mobilfunksender vorzugehen, schloss sich Planungs-Dezernent Wilfried Schulze an. „Wir dürfen nicht das Recht beugen, damit machten wir uns strafbar”, so Bürgermeister Bertram.

Der Neusser Jurist Cornel Hüsch, ein Fachanwalt für Verwaltungsrecht, sieht indes durchaus juristische Möglichkeiten, den Sender zu verhindern. Es handele sich um einen Schwarzbau, und es bestünden bauplanungsrechtliche Zweifel. Zudem seien alternative Standorte denkbar.

Bürgermeister Bertram, Dieter Kamp und Wilfried Schulze widersprachen Hüsch ganz entschieden. Er argumentiere populistisch und wider besseres Wissen. „Sie machen hier fishing for compliments, Herr Hüsch, und das ist nicht in Ordnung”, empörte sich Rudi Bertram.

Alternativer Standort

Weitgehende Einigkeit herrschte jedoch darüber, dass gemeinsam mit T-Mobile nach einem alternativen Standort gesucht werden müsse. Friedhelm Gehlen als Vertreter des Mobilfunkbetreibers T-Mobile hielt dagegen, ein alternativer Standort werde sich aus mobilfunktechnischen Gründen in Hehlrath nur schwer bestimmen lassen. Gehlen hatte zuvor erläutert, wie ein Mobilfunknetz funktioniert und wie die Planungen des Mobilfunkbetreibers für den Standort Hehlrath aussehen.

Für einen alternativen Standort sprach sich dagegen Dr. Hartmut Voigt vom Ecolog-Institut aus Hannover aus. Er versicherte, die gesetzlichen Grenzwerte böten keineswegs Schutz vor allen möglichen gesundheitlichen Risiken des Mobilfunks. Mediziner Prof. Dr. Eduard David vertrat jedoch den Standpunkt, dass nach dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand bei Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte - die in Hehlrath übrigens weit unterschritten werden - die Mobilfunkstrahlung keine nachweisbaren Gesundheitsschäden hervorrufe.