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Eschweiler: Keime im Wasser weg, Chlor bleibt

Eschweiler : Keime im Wasser weg, Chlor bleibt

Die Keime lauern am Grund des Wasserbehälters, noch unter dem fünf Zentimeter dicken Estrich. Kein Schrubben und Desinfizieren hat geholfen.

Der Estrich muss raus aus den beiden jeweils 2000 Kubikmeter fassenden Becken am Eschweiler Stadtwald. Für viele Kunden in Eschweiler bedeutet das: Bis Juni 2004 wird das Trinkwasser gechlort. Zwei gute Nachrichten: Seitdem eines der beiden Becken still gelegt ist, wurden keine Pseudomonas-Keime mehr im Behälterwasser oder im Wasserleitungsnetz nachgewiesen. Und: Der Wasserpreis steigt nicht.

„Eine „aus heutiger Sicht ungünstige Kombination von Baumaterialien” nennt die Energie- und Wasserversorgung (EWV) als Ursache der Keimbelastung. Sie informierte am Mittwoch über die Suche nach den Keimen und die Pläne zur Sanierung.

Anfang August waren erstmals Bakterien der Art „Pseudomonas aeruginosa” in hoher Konzentration im Eschweiler Trinkwasser festgestellt worden. Seitdem wird dem Wasser Chlor zugesetzt. Die Chlorkonzentration liegt derzeit bei 0,3 Milligramm pro Liter. Diese zulässige Höchstgrenze gilt auch langfristig als gesundheitlich unbedenklich.

Mehrmals hatte die EWV als Betriebsführer des Städtischen Wasserwerks beide Becken abgelassen und gereinigt. Der Entwarnung („keine Keime mehr”) folgte stets bald ein neuer Alarm. Anfang Oktober wurden Gutachter eingeschaltet. Sie fanden schließlich die Bakterien - in einem Kunststoff, der beim Bau vor 25 Jahren als Haftvermittler, eine Art Klebstoff also, zwischen Beton und Estrich aufgebracht worden war. In diesem Kunststoff haben sich die anspruchslosen Keime angesiedelt und gelangen durch Poren im Estrich in das Trinkwasser.

Gemeinsam mit dem Aachener Ingenieurbüro Kempen erarbeitet das Städstische Wasserwerk ein Sanierungskonzept. Die Sanierung wird öffentlich ausgeschrieben. EWV-Geschäftsführer Andreas Ihrig: „Die Bauarbeiten am ersten Behälter werden voraussichtlich im April 2004 beginnen und im Juni beendet sein.” Wenn alles klappt, kann das Chloren dann eingestellt werden. Die Sanierung des zweiten Behälters schließt sich an.

Der Kampf gegen die Pseudomonas-Keime wird nach Auskunft von Wasserwerk-Geschäftsführerin Claudia Gebhardt in diesem Jahr 200000 Euro kosten. Mit weiteren 50000 Euro sei im nächsten Jahr zu rechnen. Die Kosten der Sanierung schätzt EWV-Geschäftsführer Ihrig auf 50000 Euro pro Becken. Gebhardt: „Trotz der erheblichen Kosten werden wir den Wasserpreis halten können.”

Der Keim „Pseudomonas aeruginosa” ist ein Bakterium, das in geringer Anzahl überall in der Natur vorkommt, „ein so genannter Nass- oder Pfützenkeim”, sagt Dr. Cornelia Konteye vom Gesundheitsamt. Er kann sich in stehendem Wasser jedoch rasch vermehren und wird dann zu einer Gefahr besonders für Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Gefährdet sind Lungenkranke, Menschen auf Intensivstationen, Frühgeborene sowie geschwächte alte Menschen. Wenn Pseudomonas-Keime die Lunge besiedeln, kann das tödliche Folgen haben.

Mit dem bis Juni gechlorten Wasser aus dem Behälter am Stadtwald werden die Innenstadt, Bergmannssiedlung, Röthgen, Bergrath sowie Teile von Bohl und Röhe versorgt. Die Stadtteile Pumpe und Waldsiedlung erhalten Wasser von der Trinkwasseraufbereitung Binsfeldhammer (Stolberg). Neu-Lohn wird von Aldenhoven aus versorgt. Dürwiß, Hastenrath, Kinzweiler, St. Jöris, Hücheln, Weisweiler, Nothberg, Volkenrath, Scherpenseel und Teile von Röhe bekommen Wasser von der Aufbereitungsanlage Roetgen beziehungsweise der Wehebachtalsperre.