Eschweiler: Kantorei bringt Werke von Heinrich Schütz zu Gehör

Eschweiler : Kantorei bringt Werke von Heinrich Schütz zu Gehör

Das war alles Andere als ein leicht eingängiges Easy-Listening: Tief in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges entführten Gerhard Behrens sowie die Sängerinnen und Sänger der Kantorei ihr Publikum in der evangelischen Kirche an der Ecke Moltke-/Marienstraße in der Innenstadt von Eschweiler.

Auf dem Programm des Konzerts, das zum 15-jährigen Bestehen des Kammerchores stattfand, standen ausschließlich Werke von Heinrich Schütz (1585-1672). Und die entführten die Zuhörer in eine Zeit, in der die Klänge noch nicht glatt poliert waren, um dem hoch verehrten Publikum nur ja zu gefallen.

Denn Schütz‘ Werke, wie die 14 ausgewählten Motetten aus der „Geistlichen Chormusik“ aus dem Friedensjahr 1648, klagen, schreien, weinen und flehen. Sie schmeicheln den Ohren nicht, sondern krallen sich vielfach im Gehörgang fest. Nicht nur das: Nahezu jeder Ton ist aufgeladen mit einer ganz eigenen, musikalischen Rhetorik. Und dieses Konzept des bis auf den heutigen Tag stilbildenden Komponisten haben die Mitglieder der Kantorei zusammen mit ihren Mitstreitern an den Blasinstrumenten und dem Dirigenten ganz ausgezeichnet umgesetzt.

Schwierig, aber nicht sperrig

Derweil sich nicht ganz so viele Musikfreunde wie erhofft vom ambitionierten Programm der Gastgeber zum Besuch herausfordern ließen, gaben sich die Ensemblemitglieder der Kantorei ganz dieser schwierigen, aber dennoch nicht sperrigen Musik hin. Durch das beweglich und lebendig wirkende Klangbild und die feine Artikulation der Sänger und der Bläser wurde deutlich, wie sehr Gerhard Behrens die Mitwirkenden in den vergangenen 15 Jahren zu einer harmonischen Einheit geformt hat.

In Eschweiler erschloss sich die Schütz‘sche Musiksprache durch ihren hohen Anteil an Gefühl und Engagement.

Es waren Werke, die auf kunstfertige Weise zu den Menschen sprechen — quer durch die Weiten der Zeit und des gesellschaftlich-kulturellen Wandels. Gerade darum wären diesem Konzert und denen, die es gestalteten, mehr Zuhörer zu wünschen gewesen. Mögen trotz dieser frischen und bewegenden Interpretation die Klänge auf den einen oder anderen Musikfreund altbacken gewirkt haben — die Nöte und Sehnsüchte der Menschen von einst, die auf diesem Wege artikuliert werden, sind in nichts wie von vorgestern.

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