Eschweiler: Kamacher Vip-Talk: Macrons Ideen als Initialzündung

Eschweiler : Kamacher Vip-Talk: Macrons Ideen als Initialzündung

„Er meint es ernst!“ Dr. Jürgen Linden ist überzeugt, dass die Ideen Emmanuel Macrons zu einem Neustart für die Europäische Union führen könnten. Falls sie Unterstützung nicht zuletzt durch und in Deutschland finden.

Am kommenden Donnerstag wird der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Aachen in seiner Funktion als Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums mit seinem Nachfolger Marcel Philipp den französischen Staatspräsidenten mit dem „Internationalen Karlspreis zu Aachen“ auszeichnen. Am Donnerstagabend war Dr. Jürgen Linden nun zu Gast beim 14. Kambacher VIP-Talk, um seinen zahlreichen Zuhörern unter der Überschrift „Der Karlspreis — eine Dokumentation der europäischen Geschichte“ einen Überblick über die Historie der wohl bedeutendsten politischen Auszeichnung in Europa zu geben, darüber hinaus aber auch die gegenwärtige Verfassung der EU zu beleuchten.

„Als Grundgedanke für den Karlspreis dient nach wie vor die Integration Europas beziehungsweise deren Vertiefung. Und in dieser Hinsicht bin ich der Auffassung, dass die Europäische Union in ihrer jetzigen Form nicht überlebensfähig ist“, sprach Dr. Jürgen Linden klare Worte. Es gelte, die Kernvorstellungen, wie Europa in Zukunft aussehen solle, klar zu benennen und zu erneuern. „Diese Vorstellungen vertritt derzeit niemand besser als Emmanuel Macron“, begründete der Direktoriumsvorsitzende die Wahl des zukünftigen Preisträgers. Dessen am 26. September des vergangenen Jahres gehaltene Rede an der Sorbonne-Universität in Paris, während der er seine „Initiative für Europa“ vorstellte, sei aufsehenerregend gewesen.

Hoffnung auf Merkel

Dabei handele es sich bei Emmanuel Macron keineswegs um einen „EU-Euphoriker“, sondern um einen Realisten, der die EU herausfordere. Leider habe es bisher noch keine konkrete Antwort aus Deutschland auf die Ideen des Staatsoberhauptes der französischen Republik gegeben. Eine solche könnte, so die Hoffnung von Dr. Jürgen Linden, während des Festakts erfolgen: „Unsere Anfrage in Richtung von Bundeskanzlerin Angela Merkel lautet, sie möge keine Laudatio auf den Preisträger halten, sondern eine Rede mit klaren Aussagen zur Situation Europas und wie man den Ideen Macrons von deutscher Seite aus begegnen will.“ Das Schlimmste, was den Bürgern zu Ohren kommen könnte, sei eine weitere Bremse, die der durch Macron wieder ein wenig angefachten Europa-Begeisterung gleich wieder einen Dämpfer verpasse.

Auch Emmanuel Macron plädiere keinesfalls für eine Abgabe französischer Souveränität in Richtung Europa. „Macron ist Franzose, meiner Meinung nach Gaullist. Für ihn hat der Begriff Le Grande Nation Gewicht. Es wird nicht gelingen, die Vielfalt Europas zu überwinden“, schloss der Jurist seine Ausführungen, nachdem er im ersten Teil seines Vortrags auf die Historie des Karlspreises eingegangen war.

Ausgangspunkt, den Preis ins Leben zu rufen, sei für eine kleine Gruppe Aachener Bürger um den Textilkaufmann Dr. Kurt Pfeiffer nach den Schrecken zweier Weltkriege die Sehnsucht nach Frieden, Verständigung und Versöhnung mit den Nachbarvölkern im Westen von Aachen gewesen. „Dabei darf nicht vergessen werden, dass Ende der 40er Jahre der Kalte Krieg bereits begonnen hatte“, erinnerte Dr. Jürgen Linden.

Neue Ära eingeleitet

„Bis heute höchst umstritten ist die Auszeichnung Winston Churchills im Jahr 1955. Wir erhalten auch heute noch fünf bis zehn Briefe pro Jahr mit der Forderung, den ehemaligen britischen Premierminister aus der Liste der Preisträger zu streichen“, berichtete Linden, der sich gerne an „seine“ erste Verleihung im Jahr 1990 erinnert, als mit Gyula Horn ein Mann geehrt worden sei, der 1989 als Außenminister Ungarns großen Anteil an der Öffnung des „Eisernen Vorhangs“ gehabt und damit eine neue Ära eingeleitet habe.