Eschweiler: Kabarettistin im Talbahnhof: De Frau Kühne ist nah am Publikum

Eschweiler : Kabarettistin im Talbahnhof: De Frau Kühne ist nah am Publikum

„Ihrem geschärften Blick entgeht nichts! Eine Pointe jagt die nächste. Schlagfertig, spontan, begeisternd und ganz nah am Publikum“, so hieß es in der Ankündigung auf das Kabarettprogramm „De Frau Kühne kommt“. Diesem Anspruch wurde die Kabarettistin vollauf gerecht.

Sie hatte es kurzerhand geschafft, dass der Talbahnhof ausverkauft war. Und das Erstaunliche war, dass alle Generationen hier vertreten waren. Gleich von der ersten Minute an durfte dann auch herzlich gelacht werden. Das abendfüllende Programm der gestandenen Frau aus Xanten befasste sich mit Geschichten zwischen Mutter und Tochter, mit dem Ehemann Ralf und dem pubertierendem Sohn Sven. Pubertät heißt für sie „zu jung zum Ausziehen, zu alt für die Babyklappe“.

Die Generation „Weiß ich nicht“

Viele Zuschauer schienen sich bei den alltäglich Gegebenheiten wieder zu erkennen. Ein Pluspunkt war auch, dass sie sich selbst auf die Schippe nehmen konnte. Da ging es um die Generation „Weiß ich nicht“, um die Ess- und Einkaufsgepflogenheiten der Männer und Frauen sowie diverser Werbung von früher, die sie mit dem heutigen Marketing verglich. „Wie war das no(r)chmal?“ heißt der Titel ihres ersten Soloprogramms, indem sie die Vor- und Nachteile der modernen Technik beleuchtete.

Das Telefon mit Wählscheibe

Die Tücken am Leergutautomaten waren ebenso Thema wie das Navi, Smartphone mit Whatsapp und das Telefonieren mit dem Speedport der Telekom. Funktioniert es nicht, kann die Service-Hotline angerufen werden. Dass sie da sächsisch sprechen und einen in der Schleife warten lassen, kann auf Dauer schon mürbe machen. Da lobte Frau Kühne doch das alte Telefon mit Wählscheibe, das sie mit ihrem Sohn auf dem Sperrmüll gefunden hatte. Wenn man damit auch früher nur im kalten Flur mit Eieruhr telefonieren konnte, es funktionierte wenigstens. Für die jungen Leute von heute wohl unvorstellbar.

Was als kleines Wunder gegen Fett versprochen wurde, hatte die Künstlerin selbst schon 20 Mal ausprobiert, aber kein Gramm dadurch abgenommen. Den guten Ratgebern, die immer wieder sagen, dass Dicke früher sterben, hielt sie entgegen, dass diese dafür länger essen. „BMI“ sei heute wichtiger als der IQ, dabei heiße BMI doch „Body muss in Inventur“.

Das Hüngerchen zwischendurch

Sie setzte diesen mit ihrem IQ gleich, damit jeder wisse, wie intelligent sie sei. Es ging um das Hüngerchen zwischendurch, wo man bei McDonalds vorbeischaut und etwas isst, aber nicht satt werden kann. Mit dem Ehemann stritt sie, wenn es sich um das Auto handelte. Er fuhr zur Party hin, sie durfte zurück.

„Männer wissen immer, was der Sprit kostet und tanken auf glatte Summe“, so de Frau Kühne, die über eine unglaubliche Bühnenpräsenz verfügte. Dass die Jugendlichen verweichlicht sind, machte ihr auch zu schaffen. Und in den schwierigen Jahren der Kinder sehne sich jede Mutter nach der einen Sekunde am Tag, wo ihr Kind sagt „Tschüss, bis heute Mittag“.

Die Künstlerin beendete den Abend mit einem nachdenklich machenden Zitat: „Normal ist ein großes Wort und bleibt doch unerreicht.“ Dann gab es lang anhaltenden Applaus für einen kurzweiligen Abend, worauf sie sich mit einer Zugabe bedankte.

(mlo)
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