Junge Leuite zeigen großen Einsatz bei Sozialktion

Jugendliche krempeln die Ärmel hoch : 72 Stunden, die die Welt besser machen

„Uns schickt der Himmel“ ist das Motto der diesjährigen 72-Stunden–Aktion. Dabei wurden von Donnerstag, 23. Mai, bis Sonntag, 26. Mai, in ganz Deutschland soziale Projekte in Angriff genommen. Auch in Eschweiler haben sich einige Gruppen ein Projekt vorgenommen.

Die Ärmel hochgekrempelt und los geht`s:  drei Tage, 72 Stunden oder 4320 Minuten lang. Auch Eschweiler Jugendliche wollten auf jeden Fall etwas Gutes tun und sich für die Sozialaktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) einsetzen, um die „Welt ein Stückchen besser zu machen“.  Mit dabei auch elf Mädchen und Jungen  (11. Jahrgangsstufe)  der Liebfrauenschule, die sich nach einem geistlich-spirituellen Impuls in der Schule an die Arbeit machten.

Fenia Dieckmann, Lena Fourné, Nadja Hensiek, Paul van Dongen und Elinna Haas starteten eine „Putzaktion“ auf dem Friedhof  Dürener Straße. Gemeinsam mit ihrem Schulseelsorger Frank Klinkenberg und Mitgliedern des Friedhofausschusses der Pfarre St. Peter und Paul brachten sie verwahrloste Kindergräber wieder in Ordnung und putzten die verwitterte Grabplatte der Franziskaner-Schwestern.

Ausgerüstet mit Harke, Schaufel, Bürsten und Schubkarre machte sich die Mädelstruppe ans Werk. Da galt es zunächst einmal ganz viel Unkraut zu zupfen, die Steine zu schrubben und die Umrandung und den Weg wieder mit Splitt aufzufüllen.

Die Messdiener der Gemeinde Sankt Peter und Paul boten gemeinsam mit einigen Geflüchteten traditionelle Gerichte aus deren Ländern an. Foto: Lea Minge

„Wir haben uns für dieses Projekt entschieden, um den Menschen unter die Arme zu greifen, die nicht mehr die Möglichkeit haben, diese Arbeit zu verrichten“, erklärte Lena und sprach ihren eifrig nickenden Klassenkameraden aus dem Herzen. „Und wir möchten ein Zeichen setzen, dass solche Gräber nicht vergessen werden dürfen und von uns nun ein wenig Liebe bekommen“, fügten Nadja und Elinna hinzu. Während die Schülerinnen das Unkraut im Akkord ausrupften, schob Pfarrer Michael Datené eifrig die vollgeladenen Schubkarren zum Abfallcontainer. Die Mädchen arbeiteten so schnell und effizient, dass sie ihr Werk noch vor Ablauf der „Frist“ stolz begutachten konnten.

Schutzhütte restauriert

Ein prägendes Erlebnis war die 72-Stunden-Aktion auch für Jacky Dovern, Leo Matull, Hanna Duelken, Lara Galinski, Fynn Knapp und Lena Plum. Die Liebfrauenschüler hatten sich für das Projekt „Restaurieren der Schutzhütte Hastenrath entschieden. „Endlich mal Handwerkliches tun“,  frohlockte Fynn, als er mit seinen Kollegen die morschen Bretter und rostigen Nägel entfernte. An dem  Holzhäuschen Im Kuckuck hatte der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen und war dringend renovierungsbedürftig.

Zunächst erhielt das morsche und undichte Dach neue Latten und dann die Schutzhütte rundherum einen neuen Anstrich. Das war sehr viel Arbeit. Die Schülertruppe erhielt dabei fachkräftige Unterstützung von der Mobilen Jugendarbeit, genauer gesagt von Christian Kolf, Jannis Balzer und Darleen Knörchen. Das Trio übernahm die „Bauaufsicht“, packte aber auch ordentlich mit an und  verpflegte die Jugendlichen mit leckeren Grillwürstchen, Kartoffelsalat und kühlen Getränken. Fazit nach getaner Arbeit: „Die Stimmung war supergut, das Arbeiten hat Riesenspaß gemacht , und wir sind immer wieder gerne dabei, anderen eine Freude zu bereiten!“

Traditionelle Küche

Die Messdiener der Gemeinde Sankt Peter und Paul Eschweiler- Stadtmitte kochten gemeinsam mit einigen Geflüchteten traditionelle Gerichte aus ihren Ländern. Abdu Omer und Najah Schweila kamen aus Eritrea nach hier und Hassan Hosseini und Javad Heidari aus Afghanistan.

Donnerstag und Freitag trafen sich die 22 Kinder und Jugendlichen zu Spiel und Spaß, wobei man freitags im Pfarrgarten gemeinsam grillte, zeltete und eine Nachtwanderung machte.

Schluss mit dem Verfall: Dank des tatkräftigen Einsatzes einiger Liebfrauenschüler präsentiert sich die Schutzhütte im Hastenrather Kuckuck wieder in vorzeigbarem Zustand. Foto: Irmgard Röhseler

Am Samstags war es dann schließlich soweit: das große Kochen ging los. Aber es musste noch einiges vorbereitet werden. Einkaufen, Gemüse schnippeln, Zwiebeln schälen und alle halfen kräftig mit. Dabei waren einige erstaunt, was und in welchen Mengen die Zutaten eingekocht wurden.

Eine Gruppe der Kinder beschäftigte sich intensiv mit den Ländern und recherchierten im Internet nach allgemeinen Infos, aber auch zur Kultur, Spezialitäten, Krieg und Menschenrechte. In einer gemeinsamen Pause erzählten Abdu und Hassan dann von ihrer Flucht aus ihren Ländern. Sie flüchteten vor der Diktatur in Eritrea und vor dem Bürgerkrieg in Afghanistan. Beide sind seit etwa vier Jahren hier und was sie davor erlebt haben, kann sich fast niemand vorstellen. Alle hörten aufmerksam zu und waren ziemlich erstaunt über die Erfahrungsberichte der beiden.

Bio-Bäckerei

Nach einem anstrengenden Tag fieberten alle nur dem Höhepunkt entgegen: Die Verkostung nach der Sonntagsmesse. Die Rechercheergebnisse wurden eindrucksvoll auf einer Vielzahl von Plakaten gezeigt und die Besucher durften- genauso wie die Messdiener- endlich typische Spezialitäten probieren. Hauptzutat war in beiden Küchen Lammfleisch. Außerdem gibt es typische Salate und Tee.

An diesem Wochenende kamen auch eine Menge Leute zu Besuch. Vom Bistum Aachen, das sich zusammen mit der BDKJ um die Gruppen in dieser Umgebung kümmert, kamen mehrere Mitarbeiter vorbei, die die Kinder mit Snacks ausstatteten. Alle Besucher waren über die Art des Projektes sehr erfreut. Es entsteht eine neue Gemeinschaft und macht gleichzeitig auf kritische Situationen aufmerksam. Und das alles in 72 Stunden.

Kuchen für das Gemeinwohl: die Dürwisser Messdiener bei der 72-Stunden-Aktion. Foto: Manuel Hauck

Bei dem ersten Projekt sollten Kuchen gebacken werden, zehn an der Zahl. Dazu kauften die Organisatoren um Gisela Müller bereits im Vorhinein Produkte, die die Labels „biologisch“ und „Fairtrade“ tragen. Die Stadt Eschweiler unterstützte als Fair Trade-Town in Form von Fachwissen. Regionale Produkte wie Rhabarber und Erdbeeren wurden allerdings auch verwendet, nachdem man diese am Samstagvormittag am Wochenmarkt besorgt hatte.

Neuer Stall für die Krippe

Die Energie der jungen Messdiener im Alter ab neun Jahren war ungebändigt, während die Mehrheit wohl mehr als zehn Kuchen am Samstag schaffte, wurde das gute Wetter ausgenutzt, um bei dem zweiten Projekt einen neuen Stall für die Krippe der Gemeinde zu zimmern. Sonntag wurde schließlich der Kuchen nach der Messe verköstigt. Spenden kamen einem Kloster zugute, das sich für Obdachlose einsetzt.

(irmi/lm/mah)
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