Jozsef Acs gibt Konzert im Talbahnhof

Jozsef Acs gibt Konzert im Talbahnhof : „Liszt – der Paganini am Klavier“

Welch ein Glück, dass die Geschichte der Menschheit ein Genie wie Franz Liszt (1811 - 1886) schenkte. Denn: Ohne Liszt kein Jozsef Acs (zumindest nicht so, wie die Indestädter ihn kennen und lieben). Und ohne Jozsef Acs kein solches Konzert, wie es den Zuhörern und -schauern im vollbesetzten Kulturzentrum Talbahnhof am frühen Sonntagabend zuteil wurde.

Der Ausnahmepianist begab sich unter der Überschrift „Liszt – der Paganini am Klavier“ auf den musikalischen Lebensweg des Komponisten, Pianisten, Dirigenten, Musiklehrers, Theaterleiters, Autors und Mäzens, setzte seinem Vorbild ein emotionales Denkmal und holte dabei noch kurzerhand Musikmonumente wie Beethoven, Paganini und Rossini ins Boot. Ihm zur Seite stand dabei einmal mehr Siegfried Tschinkel, der als Moderator durch das wundervolle Programm führte, die Gäste an seinem enormen Fachwissen teilhaben ließ und dem Konzert auch biographisch einen „roten Faden“ verlieh. So erlebten die Liebhaber klassischer Musik im wahrsten Sinne des Wortes ein rund zweistündiges Klangfeuerwerk voller Hingabe, das diese sowohl während des Konzerts als auch im unmittelbaren Anschluss mit lautstarken „Bravo“-Rufen quittierten.

Einem solchen Feuerwerk, das ihn laut Siegfried Tschinkel „wie der Blitz traf“, wohnte wohl auch der damals 20-jährige Franz Liszt bei, als er am 20. April 1832 in Paris einem Auftritt von Niccolò Paganini beiwohnte. „Ein Schlüsselerlebnis für Liszt, der von der Energie des sogenannten Teufelsgeigers, der sein Publikum enorm in seinen Bann ziehen und eine wahre Glut entfachen konnte, absolut beeindruckt war“, erläuterte der Moderator. Liszt habe sich daraufhin dem Ziel verschrieben, die Technik Paganinis an der Geige quasi auf das Klavier zu übertragen. Nicht zuletzt nahm er sich den 24 „Capricen“ des Italieners an und transkribierte diese. Aus der neunten Caprice entstand die „Etüde Nr. 5 E-Dur“ aus „Grandes études d’après Paganini“, die Joszef Acs brillant interpretierte, nachdem er zuvor den 1. Satz „Allegro con brio“ aus Beethovens Symphonie Nr. 5 zu Gehör gebracht hatte, dessen Einleitung wohl jeder Hörer unmittelbar mit dem berühmtesten Sohn der Stadt Bonn verbindet. „Liszt war zeitlebens ein Verehrer von Beethoven und machte dessen Werk, das damals in Frankreich kaum bekannt war, auch dort berühmt, indem er ganze Symphonien für ein einzelnes Klavier spielbar machte. Eine unglaubliche Leistung“, würdigte Siegfried Tschinkel.

Dass Liszts Ruf als Wunderkind vollkommen zu Recht bestand, hatte Joszef Acs bereits zum Auftakt des Konzerts eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als er zunächst einen vom Musikverleger Anton Diabelli (1781 - 1858) komponierten Walzer erklingen ließ, um im direkten Anschluss die Variation des elfjährigen (!) Franz Liszt gegenüberzustellen beziehungsweise klangtechnisch „explodieren“ zu lassen. Voller Virtuosität setzte Acs dann mit der Ouvertüre zur Oper „Wilhelm Tell“, dem Spätwerk des Liszt-Freundes Gioachino Rossini, einen grandiosen Schlusspunkt unter den ersten Teil des Konzerts.

Hatte dieser vor allem die „virtuosen Jahre“ von Franz Liszt, der innerhalb von neun Jahren rund 1000 Konzerte spielte und etwa 60.000 Kilometer in einer Kutsche kreuz und quer durch Europa zurücklegte, in den Mittelpunkt gestellt, widmeten sich Jozsef Acs und Siegfried Tschinkel nach der Pause den vermeintlich ruhigeren Jahren des 1811 im damals ungarischen Burgenland Geborenen, der nach seiner rastlosen Zeit das Amt des Kapellmeisters in Weimar annahm, „auch um endlich komponieren zu können“. Im Jahr 1849, dem Todesjahr von Frédéric Chopin, enstanden unter dem Namen „Consolation“ („Tröstungen“) sechs Werke. Die von Joszef Acs interpretierte „Nr. 3 Des-Dur“ als „Hommage und Reminiszenz an Chopin“ entführte die Konzertgäste einmal mehr in die höchsten Sphären des Hörgenusses.

Näherte sich der rote Faden dem Lebensabend des tiefgläubigen Musikgenies, das im Alter von 54 Jahren die „niederen Weihen“ empfing und den Titel Abbé trug, hielt das Programm noch eine echte Besonderheit bereit. Denn die „Ungarische Rhapsodie Nr. 12 cis-Moll“ stellte für Jozsef Acs eine Premiere während eines Konzerts dar. Dies hinderte den Pianisten jedoch nicht, einen virtuosen Fingertanz zwischen Melancholie und Csárdás auf den Tasten des Konzertflügels zu vollführen, der dem Werk, mit dem Liszt seinem Herkunftsland ein Denkmal setzte, würdig war. „Die Wasserspiele der Villa d’Este“ aus den „Années de pèlerinage. Troisième année“ rundeten das Konzert-Meisterwerk, das sowohl den Interpreten als auch das Publikum spürbar berührt hatte, ab. Als Zugabe konnte nur der „Liebestraum“ in Frage kommen. Danke Franz Liszt! Danke Jozsef Acs!

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