Eschweiler: Jedes Rennen kann hier das letzte sein

Eschweiler: Jedes Rennen kann hier das letzte sein

400 Fahrer, die Motorsport vom Feinsten garantieren. Am Wochenende wurden beim ADAC-Nordrhein-Cup auf dem Renngelände des Motor-Sport-Clubs (MSC) Grenzland wieder viele spannende Duelle ausgetragen. In allen Altersklassen traten die Teilnehmer auf ihren Moto-Cross-Motorrädern und Quads gegeneinander an und lockten so viele Neugierige auf das Renngelände in Neu-Lohn. Doch der Schein trügt.

Schließlich kann jedes Rennen auf diesem Gelände das Letzte für den Club und seine rund 150 Mitglieder sein. Der Grund dafür: Seitdem die Kraftwerks-Reststoffdeponie des RWE immer weiter ausgedehnt wird, wissen die Mitglieder des MSC Grenzland nicht, wie lange sie das Gelände noch nutzen dürfen. Für den Club ist dieser Zustand durchaus problematisch, schließlich ist es gar nicht so einfach ein neues angemessenes Gelände zu finden. Nicht nur den Ansprüchen des MSC Grenzland muss dieses gerecht werden, sondern es darf auch keine Anwohner stören. Faktoren, die auf der bisherigen Sportstätte problemlos erfüllt waren. „Ob wir jemals wieder so optimale Bedingungen finden wie hier, ist fraglich“, sagt Ralf Wilke, Ehrenvorsitzender des MSC Grenzland.

Bodenwellen, Hindernisse und Sprünge fordern die Fahrer zu Höchstleistungen heraus. Gute Kondition ist deshalb für jeden Aktiven ein Muss. Diese trainieren die Mitglieder des MSC Grenzland im Winter in der Turnhalle.

Seit 1999 hat der Club das Renngelände in Neu-Lohn gepachtet und nutzt es somit schon länger als ursprünglich geplant. „Wir sind schon länger drin, als wir ursprünglich vermuten konnten“, meint Wilke und fügt hinzu: „Die Pacht war zunächst auf zehn Jahre befristet, doch es lief so gut, dass wir bleiben konnten.“ Parallel zum Tagebaubetrieb habe man in den vergangenen Jahren Training und Rennen ohne Probleme veranstalten können. „Mit dem Werksverkehr sind wir uns noch nicht in die Quere gekommen“, so der Ehrenvorsitzende, der noch weitere gute Gründe kennt, warum die Sportstätte aufrecht erhalten werden sollte. „Wir sind ein Anziehungspunkt für Menschen, die den Motorsport ausprobieren möchte. Hier können sie unter Beobachtung und professioneller Anleitung sowie Versicherungsschutz fahren.“

Früh übt sich. Ausgestattet mit Helm, Stiefeln und der richtigen Kleidung, nehmen auch die Fünfjährigen schon an Training und Rennen teil.

Außerdem sei das Gelände nicht nur für die vielen Mitglieder aus den umliegenden Orten, sondern auch für Fahrer aus den Niederlanden, Belgien oder Frankreich eine Anlaufstelle. „In Belgien ist Moto-Cross Nationalsport, und viele Fahrer reisen regelmäßig an, um auf unserer Strecke zu trainieren“, erklärt Wilke. Diese sei vor allem aufgrund der verschiedenen Bodenverhältnisse, die durch Bodenwellen, Hindernisse und Sprünge erschwert werden, bei Gästen und Mitgliedern sehr beliebt. Wilke, der selbst bereits seit seinem 14. Lebensjahr den Motorsport liebt und lebt, weiß, dass das Gelände vor allem für Mitglieder des Clubs mehr ist als nur eine Sportstätte.

„Bei uns herrscht immer eine Familienatmosphäre, nach dem Training oder Rennen grillen wir gemeinsam und zelten hier.“ Seine Liebe zu Moto-Cross Motorrädern und Quads hat der 47-Jährige an seine Tochter weitervererbt. Die 20-jährige Kerstin ist bereits seit 16 Jahren als Fahrerin aktiv und das beste Beispiel für eine erfolgreiche Jugendarbeit. „Die Kinder und Jugendlichen wachsen in unserem Club heran“, sagt Wilke und ergänzt: „Mit 15 oder 16 Jahren haben die meisten von ihnen schon zehn Jahre Fahrerfahrung.“

Von dem insgesamt 70 Hektar großen Gelände nutzt der MSC Grenzland rund ein Drittel. Die Fläche beinhaltet sowohl eine Rennstrecke, als auch ein Fahrerlager. Ein neues Gelände müsste die Größe von vier Fußballfeldern haben, meint Wilke. „Wenn wir solch ein Gelände haben, könnten wir loslegen.“

Untätig waren die Mitglieder auch auf ihrer bisherigen Anlage nicht. In unzähligen Arbeitsstunden habe man in Eigenregie ein Drainage-System unter dem gesamten Gelände verlegt. So konnte man gewährleisten, dass die Rennstrecke nach starken Regenfällen nicht unter Wasser stehe, so Wilke. Außerdem habe man Ausgleichflächen für die Natur geschaffen und Tümpel angelegt in denen sich Kröten und Reiher mittlerweile Zuhause fühlen. „Wir führen den Moto-Cross-Sport umweltverträglich aus, das wissen die meisten Menschen nicht.“ Trotzdem wird der ganze Aufwand wohl am Ende nichts nützen. „Wenn das RWE die Fläche braucht, sind wir weg vom Fenster“, erklärt Wilke. Doch wie geht es dann weiter mit dem Club?

„Wir wollen den Betrieb so lange wie mögilch aufrecht erhalten und parallel dazu eine neue Fläche suchen“, meint Wilke. Doch dieses Verfahren kann zwei bis drei Jahre dauern. Bevor ein neues Gelände genutzt werden könnte, stehen zunächst Umweltprüfungen, Gutachten und Geräuschmessungen auf dem Programm. „Wir haben bereits unsere Fühler nach einem neuen Gelände ausgestreckt, doch wer außer dem RWE könnte uns dabei unter die Arme greifen?“, gibt Wilke zu bedenken.

Wann der MSC das Gelände räumen muss, steht bisher noch nicht fest. „Wenn die Maßnahmen näher rücken, müssen wir raus, aber bisher kann uns niemand sagen, wie lange das noch dauern wird“, sagt Wilke und fügt hinzu: „Wir würden am liebsten in der Euregio bleiben und wenn es geht in Eschweiler.“

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